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Gottesdienst und Gesprächsrunde mit DDR-Zeitzeugen am Reformationstag

Von der Freiheit eines Christenmenschen

26.10.2016 ǀ Greifswald.  Die Greifswalder Domgemeinde lädt am Reformationstag (31. Oktober) um 10 Uhr zum Gottesdienst mit anschließendem Zeitzeugen-Gespräch zum Thema „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ in den Dom St. Nikolai ein. Der Buchautor und Theologe Matthias Storck hält die Predigt zum Lutherlied „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ und berichtet in der Gesprächsrunde über seine Haftzeit in der DDR. Matthias Storck, heute Pfarrer in Herford, wurde als Theologiestudent am 2. Oktober 1979 in Greifswald von der Stasi auf offener Straße in ein Auto gezwungen und ebenso wie seine Freundin verhaftet. Vierzehn Monate verbrachten sie im Gefängnis, bis sie von der Bundesrepublik freigekauft wurden. Über seine Gefängniszeit hat Matthias Storck das Buch „Karierte Wolken“ geschrieben.

Für Meinungsäußerung ins Zuchthaus

An der Gesprächsrunde nimmt auch Jürgen Eggert teil, der als Medizinstudent in der DDR im Jahr 1961 ebenfalls in Greifswald von der Staatssicherheit verhaftet und eingesperrt wurde. Anlass waren die ablehnenden Äußerungen zum Mauerbau des damals 19-Jährigen, dessen Bruder in den Westen geflohen war. Jürgen Eggert gelang die Flucht nicht. Nach langer Einzelhaft im Stasi-Untersuchungsgefängnis Rostock wurde er zu drei Jahren Zuchthaus wegen „staatsgefährdender Propaganda im schweren Fall“ verurteilt. Nach der Haft überwachte die Stasi Jürgen Eggert weiter und verhaftete ihn 1965 erneut. Nach einem weiteren Jahr im Gefängnis studierte Jürgen Eggert Theologie, 1975 gelangte er durch Freikauf in die Bundesrepublik. Von Schleswig-Holstein aus unterstützte er DDR-Flüchtlinge. Interessierte können am 31. Oktober mit Jürgen Eggert und Matthias Storck über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in der DDR ins Gespräch kommen.
Quelle: PEK (sk)