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Titel des Buches. Foto: Wichernverlag


Friedrich Winter signiert sein Buch. Fotos: Neumann


Bildnis von Karl von Scheven im Greifswalder Konsistorium

Buch über ersten pommerschen Bischof Karl von Scheven erschienen

 

Zwischen Kaiserzeit und Aktion Rose

 

Von vielen erwartet, ist jetzt die Biografie des ersten pommerschen Bischofs Karl von Scheven (1882–1954) erschienen. Autor Friedrich Winter stellte sie am 18. Oktober 2009 im Greifswalder Dom vor.

 

Der Titel „Ein pommersches Pfarrerleben in vier Zeiten“ weist auf die exemplarische Bedeutung dieser Biografie hin. Nach einem persönlichen Vorwort und „Meinungen zur Einführung“ schildert Friedrich Winter in elf Abschnitten lebendig und fesselnd Lebenslauf und Entwicklung von Schevens. 1882 im Pfarrhaus von Leopoldshagen geboren, wuchs er als „Junge vom Land“ auf, ab 1888 in Kunow/Hinterpommern und Pyritz. Der frühe Tod des Vaters 1898 führte zum Entschluss, Theologie zu studieren. Sein Studium begann er 1901 in Halle, 1902–04 studierte er in Berlin und wurde durch Adolf von Harnack, Reinhold Seeberg und Freiherr von der Goltz geprägt. Als dessen Reisesekretär besuchte er verschiedenste Werke der Inneren Mission.

 

1904/05 ging er an die Heimatfakultät Greifswald und ließ sich nach der 1. Theologischen Prüfung als Hilfslehrer an das Stettiner Stadtgymnasium verpflichten. 1906/07 absolvierte er im Berliner Domkandidatenstift seine Pfarramtsamtsausbildung mit den Schwerpunkten Seelsorge und Predigt. Nach 2. Theologischer Prüfung und Ordination sammelte er in der Hilfspredigerzeit als Vikar in Cannes vielfältige ökumenische Erfahrungen. 1908 wurde er in Berlin als Stadtmissionsinspektor eingeführt. In der Leitung der Stadtmission erlebte er eine Fülle von personellen Streitigkeiten. „Das waren, menschlich geredet, die schwersten meiner über 40-jährigen Amtsjahre.“

 

1908 heiratete Karl von Scheven Katharina Kühl, deren Vater Superintendent in Pakulent/Hinterpommern war. Katharina ist bis heute als „Tante Käthe“ bei alten Greifswaldern unvergessen. 1911 ging er nach Pakulent als „Pfarrer auf dem Lande“, der die zur Pfarre gehörende Landwirtschaft selbst bewirtschaftete. Im Ersten Weltkrieg war er zusätzlich Garnisonspfarrer in Stettin. Nach 1918 wirkte von Scheven im Kirchlich-Sozialen Kongress mit und kümmerte sich besonders um Landarbeiter und Kontakte zu den Gewerkschaften. 1922/23 wurde er vorübergehend theologischer Hilfsarbeiter im Stettiner Konsistorium. 1924 wurde er als Superintendent nach Neumark berufen. Als Mitglied der „Positiven Union“ vertrat er auch als Provinzialsynodaler deren Anliegen. Er wurde in die Theologische Prüfungskommission berufen und vertrat das Ideal einer an Christus gebundenen, geistlich gefestigten Volkskirche.

 

Mit dem Abschnitt „Pastor und Superintendent in Greifswald (1928- 1950)“ kommt Winter zu einem überaus interessanten Teil der Biografie. Auf 17 Seiten schildert er das kirchliche Leben und die Wirksamkeit von Schevens bis in Details, eine Fundgrube für historisch Interessierte. Ebenso interessant sind die folgenden Abschnitte „Der Bekenner im Kirchenkampf (1933–35)“ und „Der Vermittler im Provinzialkirchenausschuss (1935–37)“.

 

Eingehend stellt Winter die differenzierte Entwicklung ab 1932 und den Einsatz von Schevens gegen die Deutschen Christen dar. 1934 kam es so zur Gründung der BK in Greifswald. 1935-37 versuchte von Scheven als Vorsitzender des Provinzialkirchenausschusses zwischen Bekennender Kirche (BK) und Deutschen Christen (DC) zu vermitteln. Abschließend kehrte er wieder ganz nach Greifswald zurück.

 

Auf 50 Seiten macht Winter deutlich, wie kompliziert der Kirchenkampf in Pommern verlief und bietet dazu eine Fülle von Quellen. Auch die Ausführungen über die Behinderungen im kirchlichen Leben Greifswalds zwischen 1938 und 45 lesen sich fesselnd. Ebenso die Schilderungen der Kriegszeit.

 

Der Einmarsch der Sowjets brachte einen elementaren Neubeginn, dessen Folgen Winter bewegend berichtet.

 

Nach Verlegung des Konsistoriums nach Greifswald wurde von Scheven Leitender Geistlicher. Die Fakultät ernannte ihn zum Ehrendoktor.

 

Mit dem Abschnitt „Der Bischof im Neuaufbau einer kleinen pommerschen Kirche“ kommt Winter zum Höhepunkt seiner Biografie. Als Bischof trug von Scheven Entscheidendes für Aufbau und Leitung der Landeskirche bei. Durch Besuche und Visitationen ermutigte er die Mitarbeiter. „Mit dem Fahrrad legte ... der Bischof hunderte Kilometer zurück ...“ Den Ausführungen Winters über von Schevens Tätigkeit folgen interessante Hinweise zu den Themen Besatzungsmacht, Landesregierung, Staatsleistungen und Verbindung zu den Bezirken. Als Krönung schließt sich eine Darlegung des Kampfes gegen die Kirche 1952/53 an.

 

Ein sich anschließendes Kaleidoskop von Voten und Äußerungen Schevens und ein Dokumentenanhang machen deutlich, wie offen er sich aktuellen Themen stellte.

 

Zusammengefasst: Eine Biografie, die allen wissenschaftlichen Ansprüchen entspricht, vier wichtige Abschnitte der Zeitgeschichte am Beispiel des ersten pommerschen Bischofs dokumentiert und zudem verständlich und lebendig geschrieben und weithin spannend zu lesen ist. Wer verstehen will, was die Pommersche Evangelische Kirche von heute bedeutet, sollte dieses Buch gelesen haben.

Wolfgang Nixdorf

 

Friedrich Winter: Bischof Karl von Scheven (1882-1954) Ein pommersches Pfarrerleben in vier Zeiten. Geleitwort von Bischof Hans-Jürgen Abromeit. Wichern Verlag Berlin, 272 Seiten, 19.80 Euro, ISBN 978 3-88981-281-0

 


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