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Kurz vor seinem Abschied segnete Pastor Stefan Haack 10 000 Menschen im Ostseestadion

Von Basse nach Blankenhagen

Von Marion Wulf-Nixdorf

Pastor Stefan Haack wechselt von Basse nach Blankenhagen.
12.01.2020 ǀ Basse.  Ins Amtszimmer können wir nicht gehen, überall liegen Stapel mit Papier und Ordnern. Stefan Haack räumt auf. Was bleibt in Basse, was nimmt er mit nach Blankenhagen, was wirft er weg? Er wechselt nach 18 Jahren die Pfarrstelle. Kurz zuvor hat der Hansa-Fan im Ostseestadion 10 000 Menschen die Weihnachtsgeschichte vorgelesen.

Einen Talar habe er im Ostseestadion zwei Tage vor Heiligabend nicht angehabt, erzählt Pastor Stefan Haack, 47. Er habe Zivil getragen mit einem Hansa-Schal. Damit wollte er zeigen, dass er „einer von ihnen ist“ und meint die rund 10 000 Menschen, die zum ersten Weihnachtsliedersingen gekommen waren. Dem Intendanten des Volkstheaters sei wichtig gewesen, so Haack, dabei auch an den Grund von Weihnachten zu erinnern. Ein Pastor war gesucht worden. Der damalige Mecklenburger Bischof Andreas v. Maltzahn wusste um Haacks Leidenschaft und empfahl ihn.

So kam es, dass Haack, statt wie bei Hansa-Spielen auf der Zuschauerbank zu sitzen und seine Mannschaft anzufeuern, mitten im Stadion stand, da, wo sonst der Anpfiff erfolgt. Vor 10 000 Menschen las er die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2. Er habe den Veranstaltern auch eine kurze Auslegung „abgetrotzt“, wie er sagt. Danach sprach er den Segen und es ertönte Posaunenmusik. Haack ist dankbar für die Sensibilität der Veranstalter, die den Menschen Gelegenheit geben, die „Worte in sich sacken zu lassen“.

"Mir fehlen die Worte"

Das Volkstheater Rostock und die Stadion GmbH hatten – nach Vorbild von Union Berlin und Borussia Dortmund – zum ersten Weihnachtsliedersingen eingeladen. Wurde anfangs mit 4000 Besuchern gerechnet, wurden es rund 10 000 und etwa 1000 kamen nicht mehr rein, erzählt Haack. Er sagt auch zwei Wochen nach dem Ereignis noch: „Mir fehlen die Worte – alle waren so begeistert, voller Enthusiasmus, Dankbarkeit – auch wenn es saukalt war.“

Die rund 60 Posaunenbläser aus dem Großraum Rostock unter der Leitung von Erhard Losch aus Levitzow, die eine halbe Stunde im Vorprogramm musizierten, hoffen, 2020 auf der Bühne zu spielen. Sie werden von Hansa noch ein Dankeschön bekommen, freut sich Haack – so geht man mit Ehrenamtlichen um.

"Ich warte, bis ich direkt angefragt werde“

Am 12. Januar verabschiedet sich der in Schloen in einem Pfarrhaus aufgewachsene Stefan Haack nach fast 18 Jahren von seiner Gemeinde. Am 2. Februar wird er in Blankenhagen eingeführt. Im April, erzählt er, sei er von dem Blankenhäger Vertretungspastor Konrad Frenzel und einem Kirchenältesten besucht und gebeten worden, sich in Blankenhagen zu bewerben „Ich habe immer gesagt, ich warte, bis ich direkt angefragt werde“, sagt Haack. „Ich habe das gute Gefühl, wirklich ganz im Guten zu gehen.“

Basse ist schon seit 1961 mit Walkendorf verbunden, 2001 kam Behren-Lübchin hinzu. Die Kirchengemeinden hätten sich viel Zeit gelassen, sich kennenzulernen, zusammenzuwachsen. 2015 sei es dann „der richtige Schritt zur richtigen Zeit gewesen“, sich zur Trinitatis-Kirchengemeinde zu vereinigen, aus den bislang drei Kirchengemeinderäten einen gemeinsamen zu bilden.

"Kirche ist hier mittendrin in den Dörfern“

Zu den Höhepunkten in der 18-jährigen Gemeindearbeit gehören für ihn die Gemeindeausflüge, die Weihnachtsgottesdienste und die Gottesdienste der Evangelischen Schule „mit dem wunderbaren Gesang der Kinder“. Auch die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen erwähnt er. „Kirche ist hier mittendrin in den Dörfern“, ist er überzeugt.

Gern denkt er an die Konfi-Arbeit zurück. 14 Konfirmanden sind es zurzeit. Zur Konfirmation an Pfingsten werde er noch einmal zurückkommen, freut er sich. Mit seiner Nachfolgerin Anja Kiesow sei dies abgesprochen, und sie übernähme dafür den Dienst in Blankenhagen/Bentwisch. Großen Spaß gemacht haben die Fahrten mit den Konfis aus der Kirchenregion Mecklenburgische Schweiz, die bis nach Gnoien und Malchin reicht und von Dargun bis Teterow. Sie führten nach Wittenberg, Berlin und Hamburg – unterstützt wurden sie vom Güstrower Regionalreferenten Joachim Voss.

"Die leisten echt was!“

Die klassische Christenlehre habe leider „nie wirklich funktioniert“. Die Kinder in der Gemeinde gehen in Schulen in Tessin, Gnoien, Walkendorf, Bad Sülze. Sie unter einen Hut zu bekommen, sei zunächst kaum gelungen. So luden Gemeindepädagogin Susanne Lorenz aus Gnoien, die 12,5 Prozent Dienstanteil in Basse hat, und er alle sechs Wochen sonnabends von 9 bis 13 Uhr zur Kinderkirche nach Walkendorf ein. „Eine Lehrerin von der dortigen Evangelischen Schule beteiligte sich ebenfalls mit viel Herzblut und Know-how. Ein Erfolg!“, meint Haack.

Alle 14 Tage wurde in jeder der drei Kirchen Gottesdienst gefeiert. Kirchenmusik findet dank Ehrenamtlicher immer statt. Annegret Körber aus Carlsthal und Beate Kraekel aus Schlutow seien besonders treue Organistinnen. „Die leisten echt was!“, sagt Haack, und bittet, auch unbedingt Küsterin Renate Dobbertin in Walkendorf zu erwähnen. Sie verkörpere Kirche vor Ort, meint er. Aber so könne und müsse man viele weitere Namen nennen.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 02/2020

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