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Ehrenamtliche halten Predigten und gestalten Gottesdienste

Vom Geschenk des Glaubens abgeben

Die Prädikanten Ulrich Möbius (links) und Steffen Franke besprechen gemeinsam mit Pastorin Luise Müller-Busse den Predigttext für einen Sonntag.
29.03.2017 ǀ Greifswald.  „Ich brauche immer mehrere Wochen Vorlauf vor einem Gottesdienst, um die Predigt vorzubereiten. So wie ein Pastor sie vielleicht an einem Tag schreiben kann, schaffe ich das nicht“, sagt Ulrich Möbius. Er ist Prädikant und stellvertretender Sprecher der Prädikantinnen und Prädikanten im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. Gewählt wurde er auf dem Prädikantenkonvent im März, auf dem auch Prädikantensprecher Steffen Franke ernannt wurde. „Zu unseren Aufgaben als Sprecher zählt es, aus unserer langjährigen Erfahrung heraus Verantwortung zu übernehmen, die Arbeitsstelle der Ehrenamtlichenbegleitung im Kirchenkreis zu unterstützen, Konvente vorzubereiten, den Kontakt untereinander zu pflegen oder auch die Vernetzung mit Mecklenburg zu stärken“, zählt Steffen Franke auf. Wie Ulrich Möbius ist er bereits seit vielen Jahren als Prädikant tätig. Betreut werden die Prädikantinnen und Prädikanten von Luise Müller-Busse. Sie ist Pastorin für die Qualifikation und Begleitung der Ehrenamtlichen des Pommerschen Kirchenkreises. „Prädikantinnen und Prädikanten sind ehrenamtliche Laienprediger, die nach einer ausführlichen theologischen Weiterbildung selbstständig Predigten verfassen, in Gottesdiensten verkünden und Gottesdienste leiten und gestalten“, erklärt die Pastorin.

Glaube braucht Wissen

Als eine besondere Herausforderung des Prädikantendienstes empfindet Steffen Franke es, Arbeit, Familie und Ehrenamt zu vereinen. Wie bei Ulrich Möbius ist auch bei ihm die Gottesdienstvorbereitung eine Zeit intensiver Überlegungen, die mit großem Aufwand verbunden ist. „Ich mache das ja nach Feierabend und es ist jedes Mal eine sehr langfristige Sache“, sagt Steffen Franke. Dabei könne eine Andacht, eine geistliche Besinnung eigentlich jeder Christ gestalten, so Ulrich Möbius. „Wir Prädikanten wollen dazu ermutigen, den Glauben zu leben und ihn zu artikulieren. Glaube braucht Wissen, Christen sollten sprachfähig sein.“ Das hält der stellvertretende Prädikanten-Sprecher für einen wichtigen Teil des Glaubens, darüber Auskunft geben zu können, was der Glaube eigentlich ist, was ihn ausmacht. „Ich musste mir das erarbeiten und dieser Prozess ist nicht abgeschlossen.“

Frische Sprache für den Gottesdienst

In sechs bis sieben Gottesdiensten pro Jahr predigt Ulrich Möbius. Bei Steffen Franke sind es zwei bis vier. Routine komme dabei nicht auf, sind sich beide Prädikanten sicher. In ihren Predigten spielt nicht zuletzt auch die Reflexion der eigenen Arbeitswelt eine Rolle, spiegeln sich der Kontakt mit Nichtchristen im Job und der Alltag außerhalb der kirchlichen Welt wider. Das sei eine andere Perspektive, als Pastoren sie einnehmen und eine zusätzliche Inspirationsquelle, so die Prädikanten. Luise Müller-Busse kann diese Einschätzung nur bestätigen. „Das zählt zu den besonderen Kenntnissen und Fertigkeiten der Ehrenamtlichen, die so hilfreich und lohnend sind“, findet die Pastorin. „Es gibt viele Möglichkeiten, zu predigen. Prädikantinnen und Prädikanten bringen oft eine frische und ganz andere Sprache in die Predigten ein. Diese Vielfalt brauchen wir.“ Es gibt aber durchaus weitere Talente, die für die Prädikantentätigkeit von Bedeutung sind, wie die Fähigkeiten, gut formulieren und vor vielen Menschen sprechen zu können. Hinzu kämen die Freude und das Interesse an der Bibel und der Theologie, so die Prädikanten-Sprecher. „Für mich ganz persönlich bedeutet meine Tätigkeit als Prädikant, vom Glaubensgeschenk, das mir zuteilwurde, abzugeben“, sagt Ulrich Möbius.

Bereicherung des geistlichen Lebens

Prädikantinnen und Prädikanten seien kein Pastoren-Ersatz oder als Vakanzvertretung vorgesehen, sondern Bereicherung und Ergänzung des geistlichen Gemeindelebens, betont Luise Müller-Busse. „Sie helfen den Gemeindepastorinnen und -pastoren in ihrer täglichen Arbeit. Sie sind Gabe und Bestärkung.“ Wer Prädikantin oder Prädikant werden möchte, absolviert zunächst eine entsprechende Ausbildung. Sie findet für alle angehenden Prädikantinnen und Prädikanten der Kirchenkreise der Nordkirche im Pastoralkolleg in Ratzeburg statt. „Die Ausbildung ist sehr fundiert. Über einen Zeitraum von drei Jahren gibt es mehrere Seminarreihen und Wochenendfortbildungen. Am Ende steht dann der Abschlussgottesdienst“, erläutert Ulrich Möbius. Alle Teilnehmenden eines Kurses besuchen die Abschlussgottesdienste der jeweils anderen. „Nach diesen Gottesdiensten haben wir zum Teil stundenlang zusammengesessen, darüber diskutiert und analysiert“, erinnert sich Ulrich Möbius. Auch über den Abschluss hinaus gibt es für die Prädikantinnen und Prädikanten immer wieder Weiterbildungsangebote.

Fest in der Gemeinde verankert

Prädikantinnen und Prädikanten gehen mit ihrer Gemeinde eine Dienstverpflichtung in der Regel für zwei bis fünf Jahre ein. Dies ist Ausdruck der Wertschätzung für dieses Ehrenamt und schafft für die Gemeinde eine für diesen Dienst wichtige Verlässlichkeit. Zuständig sind die Prädikantinnen und Prädikanten in einem festen Gebiet, verankert in einer oder auch zwei Gemeinden, in denen sie regelmäßig predigen und Gottesdienste gestalten. In der Praxis erfolgt das in enger Absprache mit den örtlichen Gemeindepastorinnen und -pastoren. Bei der Predigt tragen die Prädikantinnen und Prädikanten einen Prädikantentalar, der die Bedeutung dieses Ehrenamts unterstreicht und zur Akzeptanz beiträgt. Regelmäßige Treffen auf Konventen und gemeinsamen Freizeiten stärken die Gemeinschaft und das Engagement der Prädikantinnen und Prädikanten im Kirchenkreis und dienen dem Erfahrungsaustausch. Derzeit gibt es im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis rund 20 Prädikantinnen und Prädikanten. Viele von ihnen waren zuvor als Lektorinnen und Lektoren in ihren Gemeinden tätig. Als Lektoren werden in der evangelischen Kirche theologisch grundausgebildete Laien bezeichnet, die den Gottesdienst als Vorlesende mitgestalten beziehungsweise gestalten. Wer sich für die Ausübung dieser Ehrenämter interessiert, kann sich an Pastorin Luise Müller-Busse wenden.
Quelle: PEK (sk)