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Kirchenmusikertagung dreht sich um Zukunftsmusik

Visionen für die Kirchenmusik

Von Sybille Marx

Findet klassische Angebote genauso wichtig wie neue Projekte: Frank Dittmer.
20.01.2019 ǀ Salem.  Wie man Kirchenmusik in neuen Formaten vermitteln und für neue Zielgruppen erschließen kann – unter anderem darum soll es bei der Kirchenmusikertagung vom 23. bis 25. Januar in Salem gehen. Rund 90 haupt- und nebenamtliche Kirchenmusiker aus dem Sprengel MV kommen dort zusammen.

Mit dem Harmonium im Schwimmbad auftreten – solche verrückten Aktionen sind typisch für Silke Lindenschmidt und ihre Kollegen von der „Vision Kirchenmusik“. „Wir brennen fur Kirchenmusik und wollen unsere Begeisterung mit anderen teilen“, schreiben sie im Internet auf www.visionkirchenmusik.de – einem 2014 gegründeten Modellprojekt der hannoverschen Landeskirche, das die Kirchenmusik mit ganz neuen Ideen unters Volk bringen will.

Von dieser Experimentierlust, findet Mecklenburg-Vorpommerns Landeskirchenmusikdirektor Frank Dittmer, konnten sich die Kollegen in MV inspirieren lassen. Bei der Jahrestagung der Kirchenmusiker, die vom 23. bis 25. Januar rund 90 haupt- und nebenamtliche Kirchenmusiker aus MV in Salem versammelt, soll Lindenschmidt darum Workshops geben. Themen: unter anderem die Fragen, wie man Kinder und Jugendliche in eine erste produktive Auseinandersetzung mit der Kirchenmusik bringt oder an große Werke heranfuhrt; oder wie einfache Chormitglieder zu Vermittlern der Kirchenmusik werden können.

"Nachwuchsgewinnung ein Riesenthema“

In der hannoverschen Landeskirche laufen im Rahmen von „Vision Kirchenmusik“ zum Beispiel Workshops, in denen Laien lernen, mehrstimmige Gesange in Gruppen anzustimmen, Orgelentdeckertage für Kinder, Konzerte an ungewöhnlichen Orten und experimentelle Aktionen wie das Projekt „Stimmspuren“, bei dem der Gesang von einzelnen Kirchenbesuchern mit dem Mikrofon aufgenommen wird. Der Zufall bestimmt nachher, welche Stimmen sich wo im Kirchraum begegnen, überlagern und zu einem Gesamtklang verbinden. Ziel sei bei all ihren Projekten, dass „der Funke überspringt“, beschreiben Silke Lindenschmidt und ihre Kollegen.

Für Frank Dittmer steht fest: „Die Nachwuchsgewinnung und die Frage, wie man neue Zielgruppen erreicht, ist auch bei uns in der Nordkirche ein Riesenthema.“ Er selbst sieht unter anderem großes Potenzial in generationenübergreifenden Projekten. Neben der klassischen Winter-Singwoche für Familien in Zingst ist darum in Waren in diesem Sommer ein „Gemeinsamer Chortag 60+“ geplant: für Seniorenchore, mit Besuch von einem Kinderchor. „Auch viele andere Formate sind denkbar, etwa dass Seniorenchore in Kitas gehen oder Jugendbands im Sonntagsgottesdienst spielen“, sagt er. „In Pasewalk war das letztes Jahr am Ewigkeitssonntag schon der Fall: Die Jugendband spielte, der Pastor predigte über einen Beatles-Song.“ Vor allem auch die Advents- und Weihnachtszeit sei für generationenubergreifende Aktionen geeignet, findet der Kirchenmusiker – weil in dieser Zeit besonders viele kirchenferne Menschen den Kontakt zur Kirche suchten.

„Die Musik baut Schwellenängste ab“

Aber muss es immer etwas Besonderes oder Neues sein? „Nein, wir brauchen weiter auch die bewahrten Formate“, sagt Dittmer: Chore, die im Gottesdienst Chorale singen, Organisten, die den Gemeindegesang begleiten, Sommermusiken in den Dörfern, Festivals in den Städten. „Aber hauptamtlich Kirchenmusiker zu sein bedeutet lebenslanges Lernen“, sagt Frank Dittmer. Die gesamte evangelische Kirche müsse sich immer wieder fragen, wie sie sich weiter öffnen könne. „Und alle sind sich einig, dass die Kirchenmusik dabei eine wichtige Rolle spielt. Weil Musik die Menschen emotional anspricht, dadurch auch Schwellenängste abbaut.“ Uber eine Chormitgliedschaft fühlten sich viele Menschen zudem schnell beheimatet in einer Gemeinde.

Bei der Tagung der Kirchenmusiker soll darum nicht nur Platz sein für Zukunftsmusik, sondern auch für den Austausch über Bestehendes, für Notenbörsen, Informationen aus anderen Bereichen der Nordkirche, das Besprechen organisatorischer Dinge und mehrere Workshops zum Thema Chorleitung, angeleitet von der neuen Landeskantorin der Nordkirche, Christiane Hrasky. „Diese Tagung ist immer wie ein großes Familientreffen“, sagt Frank Dittmer. „Das Wichtigste ist, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 03/2019

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