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Kirchensanierung

Vielfarbige Fenster als Zeichen des Zusammenhalts

Das Portal der Annenkapelle an der Südseite der Greifswalder Marienkirche wird im Rahmen der Sanierung wieder geöffnet.
13.02.2018 ǀ Greifswald.  Im Rahmen der Sanierung der Annenkapelle in der Greifswalder Marienkirche plant die Kirchengemeinde die Öffnung des Südportals und die Gestaltung von zwei Fenstern: Das erste wird gemeinsam mit dem Portal im Rahmen eines internationalen Künstlerwettbewerbs gestaltet, das zweite zeigt Namen und Wappen der Hansestädte, die den Künstlerwettbewerb unterstützen.

Seit 2015 läuft die „Große Baumaßnahme St. Marien“ in einem Umfang von insgesamt 2,8 Millionen Euro, mit der die Greifswalder Marienkirche umfassend saniert wird. Ebenfalls instandsetzungsbedürftig ist die im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts gebaute Annenkapelle, die sich an der Südseite des Kirchenschiffs befindet. Im Zuge der Sanierung der Annenkapelle wird das alte Portal wieder geöffnet und zusammen mit dem darüber liegenden Fenster im Rahmen eines international ausgeschriebenen Künstlerwettbewerbs neu gestaltet. Auf dem daneben befindlichen zukünftigen „Hanse-Fenster“ werden die Namen und Wappen der Hansestädte zu sehen sein, die diesen Wettbewerb unterstützen. „Die Annenkapelle ist ein wichtiger Raum für die Arbeit in der Kirchengemeinde“, sagt Pastorin Ulrike Streckenbach. „Sie bietet einen Ort für Gottesdienste, Konzerte, Vorträge und Lesungen, für Chorproben und Feste. Zukünftig kann die Nutzung der Annenkapelle durch die Öffnung des Portals auch auf den südlichen Vorplatz ausgedehnt werden.“

Wasser und Hanse als zentrale Themen

Während der Sanierung der Annenkapelle werden die Mauerwerksflächen überarbeitet und sämtliche Fenster repariert und gereinigt. Im Zuge dieser Maßnahme werden auch das Portal und das darüber liegende Fenster wieder geöffnet. „Da es sich um das ehemalige Hauptportal zu einem der wichtigsten und baugeschichtlich bedeutendsten Räume der Marienkirche handelt, hat sich der Kirchengemeinderat entschieden, diese Achse künstlerisch gestalten zu lassen“, erläutert Ulrike Streckenbach. Auf das Portal und das zugehörige Fenster bezieht sich ein Künstlerwettbewerb, für den sich die Kirchengemeinde einen Gestaltungsrahmen überlegt hat. „Im Zentrum des Entwurfs sollen die Themen Wasser und Hanse stehen. Wasser spielt im Gottesdienst und für den Glauben eine wesentliche Rolle. Der Schwerpunkt soll insbesondere auf den biblischen Geschichten liegen, die auf dem Wasser spielen oder vom Wasser handeln“, so Ulrike Streckenbach. „Erinnert werden soll darüber hinaus an die Nutzung der Kapelle durch die Bergen- und Schonenfahrer der Hanse. Sie trieben im Mittelalter Handel mit Kaufleuten in Norwegen, Dänemark und Schweden und hielten in der Kapelle ihre Andachten.“ Daher stammen auch die Künstler, die zu dem Wettbewerb eingeladen werden, aus diesen Ländern sowie aus Deutschland.

Nachbarn haben Greifswald mitgeprägt

Als wichtigen Aspekt für die Gestaltung des Fensters und des Portals nennt die Kirchengemeinde in ihrer Ausschreibung für den Künstlerwettbewerb die Funktion der Annenkapelle als liturgischen Raum. „Die Kapelle ist ein Ort der Ruhe und Besinnung auf die biblische Botschaft unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen biblischer Überlieferung und den aktuellen Lebensfragen“, so eine der Rahmenbedingungen für die sich beteiligenden Künstler. Die Annenkapelle sei weiterhin Ausdruck des Selbstverständnisses der Greifswalder Bürgerinnen und Bürger, so die Wettbewerbsbeschreibung. „Ihre Beziehungen zu den Nachbarn an Nord-und Ostsee haben die Entwicklung Greifswalds geprägt. Als Hansestadt kam Greifswald zu Reichtum und Ansehen. Darauf wird bis heute aufgebaut.“ Schriftlich eingeladen werden die ausgesuchten Künstler im März, die Entscheidung über die eingereichten Entwürfe fällt die Jury  voraussichtlich im Juni.

Städtebund fußt auf jahrhundertealter Tradition

Als „Neue Hanse“ wurde 1980 ein Städtebund gegründet, der als „Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte über die Grenzen hinweg“ den Handel, den Tourismus und das partnerschaftliche Miteinander befördert. Den Anknüpfungspunkt bildet dabei die jahrhundertealte Tradition des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handelsverbands der Hanse. Dieser Tradition und der historisch gewachsenen Gemeinsamkeiten fühlt sich auch die Mariengemeinde als Teil der Hansestadt Greifswald verbunden. Ebenso wie der Wettbewerb setzt auch das „Hanse-Fenster“ der Annenkapelle, das Namen und Wappen der den Wettbewerb unterstützenden Hansestädte zeigen soll, ein Zeichen des Zusammenhalts, so die Hoffnung der Kirchengemeinde. „Wir wünschen uns natürlich, dass möglichst viele dabei sind. Derzeit zählen 190 Städte in 16 Ländern zum Städtebund“, so Ulrike Streckenbach. Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald gehöre bereits zu den Unterstützenden dieses Projekts. „Die Kirchengemeinde und der Oberbürgermeister werden gemeinsam in der Stadt dafür werben.“ Um mit einem Wappen dabei zu sein, beteiligt sich die jeweilige Hansestadt mit 500 Euro am „Hanse-Fenster“, so die Finanzierungsidee. „Das wird ein faszinierender Anblick und ein tolles Symbol für die Gemeinschaft der Hansestädte“, freut sich die Pastorin der Mariengemeinde auf das fertige Fenster. „Auf dem 38. Internationalen Hansetag in Rostock vom 21. bis 24. Juni wird die Stadt Greifswald das ‚Hanse-Fenster‘ vorstellen.“

„Winterfest“ in der Kapelle am 24. Februar

Wann die aktuellen Sanierungsarbeiten an der Annenkapelle abgeschlossen sind, steht noch nicht fest. „Wir warten sehnlich darauf, wieder Gottesdienste in der Annenkapelle feiern zu können“, sagt Ulrike Streckenbach. „Leider wird das in diesem Winter nicht mehr möglich sein. Immer, wenn es die Witterung zulässt, wird dort gearbeitet. Am Sonnabend, 24. Februar, öffnen wir aber von 15 bis 17 Uhr die Tür zur Kapelle und laden zu einem ‚Winterfest‘ bei Glühwein und Punsch ein, verbunden mit einer Kerzenwerkstatt, weiteren Bastelangeboten sowie Informationen zum Baugeschehen.“



Stichwort Annenkapelle

St. Marien ist eine der größten norddeutschen Hallenkirchen und Station auf der Europäischen Route der Backsteingotik. Sie ist mehr als 700 Jahre alt. Im zweiten Viertel des 14. Jahrhundert wurde die Kapelle hinzugefügt, die heute als „Annenkapelle“ bekannt ist. Sie ist ein Kleinod gotischer Architektur und wurde vor dem ehemaligen Südportal des Hauptschiffs – dem ältesten noch erhaltenen Portal der Stadt – errichtet. Ein großer Teil ihrer Wand ist Fensterfläche. Sie füllt den gesamten Raum zwischen den Pfeilern aus. Der Sockelbereich besteht aus Mauerwerk. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Annenkapelle als Winterkirche genutzt. Das Besondere an der Kapelle ist, dass der einschiffige Raum zwei Apsiden im Osten hat. Dies ist nach jetzigem Erkenntnisstand einmalig unter den Kapellen und Vorhallen im norddeutschen Raum. Das Südportal der Kirche aus farblich gestalteten Mauerwerk wird von einem Fries aus Blättern und einem gedrehten Seil geschmückt. Über diesem Portal ist das Relief eines heute nicht mehr erhaltenen Flügelaltars zu sehen, er stammte vermutlich aus einer Stralsunder Werkstatt vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Auf dem Relief ist die Heilige Familie dargestellt.

Weitere Informationen
Pastorin Ulrike Streckenbach, E-Mail: hgw-marien2pek.de
Quelle: PEK (sk)

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