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Arbeitsgemeinschaft Kirchenwald diskutierte über "Ökosystemdienstleistungen“

Viel Holz und gute Luft

Von Christine Senkbeil

Lässt sich der Nutzen des Waldes in Geld umrechnen? In der Holzproduktion schon! Diese Buche, gefällt in einem Kirchenwald Mecklenburgs, spült Geld in die Gemeindekasse. Doch Gewinn ohne Holzverkauf: Geht das?
26.05.2019 ǀ Zinnowitz.  Seit 25 Jahren kommen Kirchenwaldbesitzer aus ganz Deutschland in der „Arbeitsgemeinschaft Kirchenwald“ zusammen, um sich über ihre Arbeit auszutauschen. In diesem Jahr trafen sie sich in Zinnowitz und diskutierten darüber, was der Wald, außer Holz zu liefern, noch so alles kann.

Mit dem Waldsterben fing es an. Damals in der DDR. „In Wittenberg liefen die Fäden der kirchlichen Umweltarbeit zusammen“, erinnert sich Michael Schicketanz von der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Kirchenwald“. Ein kirchliches Forschungsheim gründete sich damals, das Untersuchungen zu Rauchschäden im Wald machte, Tagungen veranstaltete. „Nach der Wende wurde das Interesse an den Tagungen bundesweit“, erinnert sich Schicketanz.

Vor 25 Jahren schloss sich der Kreis als „AG Kirchenwald“ zusammen: Alle ostdeutschen Landeskirchen sind dabei, einige aus dem Westen. Die einzige bundesweite Vereinigung von Menschen, die mit kirchlichen Wäldern zu tun haben: Förster, Waldbeauftragte, Älteste, Pfarrer, Synodale. Zur jährlichen Tagung hatte Schicketanz diesmal nach Zinnowitz ins Haus Kranich auf Usedom eingeladen. Gastgeber war damit die kirchliche Forstbetriebsgemeinschaft MV. Christof Klaiber stellte den Betrieb vor, der die Kirchenwälder MV’s durch Holzverkauf bewirtschaftet.

Um „Ökosystemdienstleistungen“ ging es diesmal. Was sich hinter diesem sperrigen Wort verbirgt, erläuterte Ursula Rüping von der Landesforstanstalt MV. Es sind die Nutzenstiftungen, die Vorteile, die Menschen von Ökosystemen beziehen, etwa von Wäldern, Mooren oder Seen. Der Erholungswert eines Waldspaziergangs etwa, aber auch die Fähigkeit der Bäume, Sauerstoff zu produzieren.

Durch Rad-, Wander- oder Reitwege, Erlebnis- oder Kronenpfade wird immer mehr Wald auch touristisch genutzt – und seine Ökosystemdienstleistung in Anspruch genommen. „Für die Kirche als Waldbesitzer spielt das immer mehr eine Rolle“, sagt Christoph Klaiber. Wird ein Radweg quer durch den Kirchenwald gebaut, entsteht Verantwortung für den Besitzer. Honoriert wird diese Leistung jedoch nicht, wenngleich die Gemeinschaft Nutzen zieht.

Auf der Konferenz ging es um Überlegungen, wie auch solche Dienstleistungen der Gemeinde Geld brächten. Der Leiter des Forstamts Neu Pudagla, Felix Adolphi, zeigte dazu den Kur- und Heilwald Heringsdorf. Dieser wurde aufwendig für Erholungssuchende gestaltet. Blindenbordsteinkante und Rollstuhlfahrdecke für die Barrierefreiheit gibt es, Bänke und Gedichttafeln, Blickschneisen zur Ostsee, einen Bewegungsspielplatz. 10 000 Euro im Jahr kostet die Unterhaltung den Waldbesitzer jährlich. Eine Summe, die aus Gewerbesteuereinnahmen finanziert wird, Träger ist der Bäderverband MV.

Wie wäre es, wenn der Waldbesitzer für die Schaffung dieser Infrastruktur Unterstützung von den Krankenkassen erhielte? Ein Waldbad als Präventivmaßnahme? Solche Fragen diskutieren die Teilnehmer. Oder, ob auch für kirchliche Wälder solche Nutzungen denkbar wären. „Warum nicht? Dort, wo es sich anbietet“, findet Klaiber. Die Kirche müsse generell überlegen, wie mit dem Tourismus, aber auch mit Kranich, Biber oder Seeadler umzugehen sei im Spannungsfeld zwischen Schöpfungsbewahrung und der Nutzung, zu der sein Betrieb beauftragt sei.

Einig war man sich, dass neben dem Holz auch solche Nutzeigenschaften des Waldes ein Wirtschaftsgut sind – und dass die Aufmerksamkeit dafür noch wachsen muss. Wie ein guter Baum.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 21/2019

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