Verbraucherzentrale fürchtet neue Einschnitte
Rostock (epd). Der Verbraucherberatung in Mecklenburg-Vorpommern drohen ab Januar möglicherweise weitere finanzielle Einschnitte. Wenn es in den derzeit laufenden Verhandlungen mit dem Schweriner Wirtschaftsministerium nicht gelingen sollte, eine Kofinanzierung für das bundesweite Projekt "Wirtschaftlicher Verbraucherschutz" zu erreichen, müssten ab Januar bis zu vier der derzeit fünf Beratungsstellen geschlossen werden, sagte Jürgen Fischer, Vorstand der "Neuen Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern", am Donnerstag dem epd in Rostock.
Mindestens 70.000 bis 80.000 Euro Kofinanzierung durch das Land seien erforderlich, betonte Fischer. Beim Projekt "Wirtschaftlicher Verbraucherschutz" gehe es insbesondere um Fragen der Altersvorsorge und Probleme im Bereich Telekommunikation.
Um zu zusätzlichen Einnahmen zu kommen, ohne die Entgelte für die Einzelberatung zu erhöhen, werde es ab 2005 in Mecklenburg-Vorpommern eine in Deutschland bisher einmalige VerbraucherCard geben. Sie koste sechs Euro und berechtige dazu, Grundberatungen kostengünstiger in Anspruch zu nehmen. Bezieher von Arbeitslosengeld II sollen die Card kostenlos erhalten und dadurch auch kostenlose einfache Beratungsgespräche in Anspruch nehmen können.
Fischer kritisierte, dass das Land seine jährliche institutionelle Förderung für die Verbraucherzentrale ab 2005 gegenüber 2004 um weitere 200.000 auf dann 300.000 Euro senken will. Damit stünden im Nordosten bundesweit pro Kopf der Bevölkerung die wenigsten Mittel zur Verfügung.
Bereits jetzt müssten die fünf Beratungsstellen einen Einzugsbereich von jeweils 70 bis 100 Kilometern abdecken, komme maximal eine halbe Beraterstelle auf 100.000 Einwohner. Nur für etwa 30 bis 40 Prozent der Einwohner werde Verbraucherberatung in einer zumutbaren Entfernung angeboten. Damit sei das Land bundesweites Schlusslicht beim so genannten Verbraucherschutzindex.
Die frühere Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommerns hatte am 11. Mai Insolvenz angemeldet, weil das Land seinen Zuschuss für das laufende Jahr auf 500.000 Euro halbiert hatte. Am 9. August begann die Neue Verbraucherzentrale mit einem neuen Trägerverein ihre Arbeit. Die Zahl der Beratungsstellen war von sechs auf fünf und die Zahl der Mitarbeiter von 33 auf 22 reduziert worden. (12.11.2004) 
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