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Bad Doberaner Gemeindezentrum nun komplett ausgestattet

Variabel und robust

Von Marion Wulf-Nixdorf

Heike Fiedler-Römhild und Albrecht Jax zeigen die neuen Prinzipalstücke.
13.12.2020 ǀ Bad Doberan.  Es sieht aus, als hätte alles schon immer so dagestanden: Die neuen Prinzipalstücke – Altartisch, Taufe und Lesepult – im Gemeindezentrum der Doberaner Münstergemeinde fügen sich in ihrer Modernität, aber auch klaren Robustheit wie selbstverständlich in den Raum ein. Dem Aufbau ging ein dreijähriger Findungsprozess voraus.

Betritt man den Gemeindesaal der Doberaner Münstergemeinde, fällt der Blick sofort auf das Kreuz vor der ochsenblutfarbenen Altarwand zwischen den Fenstern. Da sonst mit Farbe sparsam umgegangen wurde, ist das Kreuz sichtbar das, was es für Christen sein soll: die Mitte. Dieses Kreuz ist auch die Verbindung zum Alten, Vertrauten, zieht eine Linie von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft: Es hing seit 1956 im alten Gemeindesaal im Küsterhaus, das nun Verwaltungshaus der Gemeinde ist. Bei der Einweihung des ehemaligen Amtshauses als Gemeindehaus 2015 wurde es in einer Prozession mitgenommen.

Wenn aber nicht-kirchliche Veranstaltungen in diesem Raum, der in normalen Zeiten rund 150 Menschen fasst, stattfinden, dann kann das Kreuz leicht nach rechts geschoben werden. Es bleibt vorn, es wird nicht abgenommen oder versteckt, denn es soll immer zeigen: Dies ist ein Raum der evangelischen Gemeinde. Immer. Aber der Raum kann multifunktional vermietet werden, auch Nicht-Christen dürfen ihn gern nutzen, hier feiern oder zu Veranstaltungen einladen.

Die Gemeinde hatte Anfang 2017 das Projekt „Prinzipalia“ gestartet und Fachleute auch von außerhalb der Kirche mit in die Überlegungen einbezogen. Die Prinzipalstücke aus dem alten Gemeindehaus sollten durch neue, dem modernen Raum angemessenere ersetzt werden – bis auf das Kreuz, so der Wunsch der Gemeinde. Sechs Künstler wurden zu einem Wettbewerb eingeladen, einer sagte von sich aus ab, drei Entwürfe kamen in die engere Wahl. Die Nordkirche finanzierte den Wettbewerb mit 8000 Euro.

Die Gemeinde gab vor, dass die neuen Stücke variabel, robust und massiv und in ihrer theologischen Grundaussage eindeutig sein sollten. 30 000 Euro standen zur Verfügung. Es habe mehrere große Einzelspenden gegeben, sagt Albrecht Jax, seit 15 Jahren Gemeindepastor in Doberan. Mehrere Doberaner hätten Feste genutzt und statt um Geschenke um Spenden für die neuen Ausstattungsstücke gebeten. Die Entscheidung im Spätsommer 2019 sei „sehr, sehr eindeutig gewesen“, sagt er. Überzeugt hatte das Künstlerehepaar Lutzenberger aus Bad Wörishofen, „ein eingespieltes Team“.

Grundriss angelehnt an das Münster

Es sei faszinierend, wie genau durchdacht jedes Detail sei, sagt Albrecht Jax. Heike Fiedler-Römhild, die vor 17 Jahren aus Hannover an die Ostsee kam und seit sieben Jahren Kirchenälteste ist, ist begeistert wie er. Der Aufbau der Taufe ist an den Grundriss des Münsters angelehnt. Das Holz der gesamten Ausstattung ist Pappelholz, das mit Räuchereiche furniert wurde. Es hat einen warmen Braunton. Die Formen sind schlicht, klar. Es gibt vier Teile: Pult, Altartisch, Taufe und Kerzenständer. Die Taufe kann in den Altar geschoben werden, wenn keine gefeiert wird. Ebenso das Pult, wenn kein Gottesdienst in den warmen Monaten stattfindet. Alle Teile sind leicht auf Teflon-Gleitern zu bewegen, wenn man den vorderen Raum anderweitig benötigt – zum Beispiel bei Chorproben oder wenn eine Instrumentalgruppe spielt.

Besonders faszinierend sind die liturgischen Farben, die als Filzplatten magnetisch an Pult und Altartisch angebracht werden (siehe Foto oben). Wenn der Kerzenhalter nicht benötigt wird, kann er umgeklappt im Inneren des Ständers verschwinden.

Am 1. Sonntag im Advent pilgerte die Gemeinde nach dem Gottesdienst im Münster in das Gemeindehaus und sah sich die Ausstattung an. „Wenn wir wieder ohne Abstandsregeln und festgelegte Teilnehmerzahlen Gottesdienst feiern dürfen, werden wir die Stücke festlich in Gebrauch nehmen“, verspricht Jax. Es seien auch schon mehrere Taufen in das neue Jahr verschoben worden.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 50/2020

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