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Beispiel - Kirche mit Anderen in Mecklenburg

Treffpunkt bietet Hilfe zum Leben

Von Christian Meyer

Im Treffpunkt Leben: Evelin Gerull, Heike Mumme, Vera Blum-Pürckhauer und Bettina von Wahl (v.l.)
27.08.2013 ǀ Gelbensande.  Die Tür steht sperrangelweit auf. Nach draußen dringen Stimmen und Kaffeeduft. Am Schild neben dem Eingang steht zu lesen: „Treffpunkt Leben - informieren.beraten.teilhaben“. Heute hat sich Besuch angesagt in der Einrichtung der Rostocker Stadtmission in Gelbensande (Landkreis Rostock). Bettina von Wahl von der Stiftung „Kirche mit Anderen“ in Mecklenburg möchte sich ein Bild vom Projekt machen und das Team des diakonischen Trägers kennenlernen.

„Wir bieten soziale Beratung und Betreuung für Menschen bei denen besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind.“  Das klingt theoretisch. Doch Evelin Gerull weiß was dahinter steckt und wie wichtig solch ein Angebot ist. Die Sozialarbeiterin ist erste Ansprechpartnerin im „Treffpunkt Leben“, der seinen Ursprung in einer Selbsthilfegruppe für alkoholabhängige Menschen hat. Diese hat Evelin Gerull 1999 selbst aus der Taufe gehoben: „Ich drohte abzurutschen, mein Leben geriet in eine Schieflage.“ Heute kann sie anderen aus Gelbensande und der Region helfen. Man nimmt ihr das Engagement ab. Und niemand kann ihr etwas vormachen. „Ich spüre, wenn etwas nicht in Ordnung ist“, so Evelin Gerull, die aus der Lebenskrise zu ihrer Aufgabe fand.  

Täglich ist der „Treffpunkt Leben“ geöffnet, deren Räume die Gemeinde zur Verfügung stellt und dessen Arbeit das Amt Rostocker Heide mitfinanziert, erfährt Bettina von Wahl bei ihrem Besuch. Am Ende ist die Vorsitzende der Stiftung „Kirche mit Anderen“ in Mecklenburg sich sicher: „Es war eine gute Entscheidung, diesem sozialen Projekt mit 5000 Euro unter die Arme zu greifen.“ Denn der Treffpunkt schlage Brücken zu Hilfesuchenden und knüpfe eine Verbindung zwischen Kirchengemeinde, Diakonie und politischer Gemeinde. „Erfreut habe ich  ebenso gehört, dass mit Holger Schröder und einigen Frauen ehrenamtliches Engagement hier eingebracht wird.“

Die Besucher im „Treffpunkt Leben“ können mit Evelin Gerull unter vier Augen sprechen, bekommen Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder haben bei Saft oder Kaffee einfach mal Kontakt zu anderen Menschen. Denn einsam zu sein und sich ausgegrenzt zu fühlen, ist ein großes Problem für viele. Wöchentlich trifft sich eine Selbsthilfegruppe und täglich ist die Kleiderkammer im Treffpunkt geöffnet. „Und wenn jemand in akuter Not ist, eine soziale Unterstützung braucht, ist meine Kollegin Heike Mumme mit ihrem Team ambulantes Wohnen zur Stelle“, sagt Evelin Gerull. Das Angebot der Rostocker Stadtmission geht quasi Hand in Hand. „Das ist einmalig in der Region“, ergänzt Heike Mumme. Sogar Schuldner- und Suchberatung könne bei Bedarf über einen Partner, die Caritas, angeboten werden. Häufiger sei auch Pastor Günther Joneit aus Blankenhagen zu Gast oder ein Fahrservice bringe die Treffpunkt-Besucher zur Kirche, wenn beispielsweise Erntedank gefeiert wird.

„Wir setzen alles daran, diese segensreiche soziale Arbeit in Gelbensande fortführen zu können“, sagt Vera Blum-Pürckhauer vom Vorstand der Rostocker Stadtmission. Sie sei dankbar für die Finanzhilfe der Stiftung des Kirchenkreises Mecklenburg, denn der jährliche Zuschuss des Landkreises in Höhe von 10.000 Euro sei plötzlich weggebrochen.
Quelle: ELKM