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Bischofskandidat hat sich im Greifswalder Dom vorgestellt

Tilman Jeremias: "Wunder sind möglich“

Von Nicole Kiesewetter-Müllejans

Auf der Kanzel im Greifswalder Dom St. Nikolai: der Rostocker Ökumene-Pastor Tilman Jeremias.
17.02.2019 ǀ Greifswald.  Runde zwei bei der Kandidaten-Vorstellung für das Bischofsamt im Sprengel Mecklenburg und Pommern: Der Rostocker Ökumene-Pastor Tilman Jeremias rief in seiner Predigt dazu auf, daran zu glauben, dass Wunder möglich sind.

Er wage zu behaupten, „Wunder haben schon alle von uns erlebt, eine unerwartete plötzliche Fügung, eine für unmöglich gehaltene Heilung, eine Versöhnung aus dem ärgsten Streit“, sagte Jeremias in seiner Predigt zu Markus 4, 35-41, der Geschichte vom Sturm auf dem See.

Wenn Menschen es wagten, zu Jesus ins Boot zu steigen, kämen sie um ihre eigenen inneren Stürme nicht herum. „Und da wird es bisweilen nicht weniger brisant als bei den Jüngern damals.“ Dass die stürmische Überfahrt ein gutes Ende nahm, nachdem Jesus dem Sturm Einhalt geboten hatte, könne eine Perspektive für das eigene Leben aufzeigen: Zwar sei glaubenden Menschen nicht versprochen, dass es keine Stürme in ihrem Leben gebe. „Es ist uns jedoch versprochen, dass wir nicht allein sind, selbst wenn es scheint, dass unser Rufen verhallt.“ Jeremias ermutigte dazu, auch in Zeiten, in denen einem Gott persönlich fern scheine, an ihm festzuhalten.

In der anschließenden Fragerunde, die von der Nordkirchen-Präses Ulrike Hillmann moderiert wurde, betonte Jeremias die Bedeutung der Dienste und Werke. Diese übernähmen Aufgaben, die eine Gemeinde nicht leisten kann. Allerdings würden die übergemeindlichen Einrichtungen in Zeiten von Stellenkürzungen auch „zu Recht angefragt“. Der Ökumene-Pastor regte an, dass übergemeindlich tätige Pastoren auch einen Stellenanteil in einer Gemeinde übernehmen könnten.

Danach gefragt, wie er mit den unterschiedlichen Traditionen in Mecklenburg und Pommern umgehen würde, sagte Jeremias, eine Eigenständigkeit beider Landesteile dürfe bleiben. Aber viele gelingende gemeinsame Projekte seien ein Beweis dafür, dass die Recknitz ihre Bedeutung als Grenzfluss weithin verloren habe. „Außerdem, wenn wir geistlich zusammenbleiben, sind wir uns nah.“

"Die Stimme von Ostdeutschland sein“

Ähnliches gelte auch für den Blick auf die Nordkirche. Auch hier könne das Zusammenwachsen von Ost und West noch weiter gefördert werden. Aber im Blick auf die in manchen Bereichen unterschiedlichen Lebensbedingungen wolle er im Miteinander der anderen Nordkirchen-Bischöfe die „Stimme von Ostdeutschland“ sein.

Jeremias ist Pastor für Mission und Ökumene im Kirchenkreis Mecklenburg. Der gebürtige Mainzer wuchs in Gröbenzell bei München auf. Nach einem Jahr in einer Tagesstätte für psychisch kranke Kinder studierte er Theologie in München, Tübingen, Jerusalem und Leipzig. 1995 übernahm er die Pfarrstelle in Schwaan bei Rostock. 2001 bis 2002 gehörte er zu den Sprechern des „Worts zum Sonntag“. 2003 wechselte Jeremias in die Innenstadtgemeinde Rostock. Seit 2016 ist er als Ökumenepastor verantwortlich für die Kontakte des Kirchenkreises zu seinen Partnerkirchen und für den interreligiösen Dialog. Jeremias ist geschieden und hat drei Kinder.

Die Wahl für die Nachfolge des Schweriner Bischofs Andreas v. Maltzahn und des Greifswalder Bischofs Hans-Jürgen Abromeit soll am 1. März im Greifswalder Dom stattfinden. Gegenkandidat von Jeremias ist der Dresdner Superintendent Christian Behr (57), der sich bereits am 3. Februar im Gottesdienst vorgestellt hatte.

Die Bischöfe Abromeit und von Maltzahn haben während ihrer Amtszeit in der Nordkirche den Bischofsbezirk Mecklenburg und Pommern gemeinsam geleitet. Bischof v. Maltzahn wird im Mai aus dem Amt ausscheiden und wird Studienleiter im Pastoralkolleg Ratzeburg. Abromeit tritt im September 2019 in den Ruhestand. Im Einführungsgesetz der Nordkirche ist vorgesehen, dass es ab 2019 nur noch einen Bischof im Sprengel geben wird, dessen Sitz in Greifswald sein wird.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 07/2019


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