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Jahrestagung in Güstrow

Theologinnen-Konvent setzt sich für Frauen-Quote ein

07.02.2019 ǀ Güstrow.  Der Konvent evangelischer Theologinnen in Deutschland will sich für eine Frauen-Quote in allen kirchlichen Leitungsämtern einsetzen. Ohne Quote werde die Normalität nicht so schnell erreicht werden können, sagte die Konventsvorsitzende, Margit Baumgarten (Lübeck) am Mittwoch in Güstrow nach der Jahrestagung des Konvents. Während in Deutschland durchschnittlich etwa jede dritte Pfarrstelle von einer Frau besetzt sei, seien Frauen mit 21 Prozent in der mittleren Leitungsebene der Kirchen deutlich unterrepräsentiert. Auf der bischöflichen Ebene sehe es mit knapp 30 Prozent etwas besser aus.

Auf die unterschiedliche Repräsentation von Frauen in der Nordkirche hatte auf dem Konvent Bischöfin Kirsten Fehrs (Hamburg) aufmerksam gemacht. Während der Frauenanteil im Pfarramt nordkirchenweit inzwischen bei etwa 42 Prozent liege und eine steigende Tendenz aufweise, gebe es viel zu wenig Frauen im Leitungsamt, sagte Fehrs in ihrem Grußwort. Von den 34 Propststellen in der Nordkirche seien zwölf mit Frauen besetzt. EKD-weit und in den Synoden sehe es nicht wirklich gut aus. Die Gründe dafür seien nicht genau bekannt.

Unterstützung für Theologinnen in Lettland

Der Konvent habe außerdem beschlossen, Theologinnen in Lettland weiter zu unterstützen, etwa bei einem Kalender- sowie bei einem Filmprojekt, sagte Baumgarten. Zwei Theologinnen aus Lettland hatten an der Jahrestagung in Güstrow teilgenommen. In der lutherischen Kirche in Lettland wird Frauen nach einem Synodenbeschluss von 2016 die Ordination zur Pastorin verweigert. Die Frauenordination war dort vor vier Jahrzehnten zu Sowjet-Zeiten eingeführt, aber auf Wunsch des konservativen Bischofs Janis Vanags schon seit 1993 nicht mehr praktiziert worden.

Der Menschenhandel in Indonesien sei ein weiteres Thema gewesen, das die 58 Teilnehmerinnen der Jahrestagung in Güstrow sehr bewegt habe, sagte die Konventsvorsitzende. Eine indonesische Theologin habe berichtet, dass im Jahr 2016 etwa 1.600 ausgewanderte Indonesier Opfer von Menschenhandel geworden seien und als Tote in ihre Heimat zurückkamen. Viele seien dem Organhandel zum Opfer gefallen. Die evangelische Kirche in Indonesien setze sich dafür ein, dass die Betroffenen ein vernünftiges Begräbnis bekommen. Der Konvent evangelischer Theologinnen in Deutschland wolle das Thema aufgreifen, sich stärker darüber informieren und sich um Unterstützung bemühen.

Der Konvent evangelischer Theologinnen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. wurde 1925 als "Verband Evangelischer Theologinnen" von Theologiestudentinnen gegründet mit dem Ziel, Berufsperspektiven für Theologinnen zu entwickeln. Seit 2009 setzt sich der Konvent im Rahmen der Reformationsdekade für die Wahrnehmung theologischer Impulse von Frauen ein. Dem Konvent gehören zehn landeskirchliche Theologinnen-Konvente oder Gruppierungen von Theologinnen und 245 Einzelpersonen an.
Quelle: epd

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