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Auszeichnung

Theologe Folker Hachtmann wird Güstrower Ehrenbürger

08.12.2018 ǀ Güstrow.  Der emeritierte evangelische Pastor Folker Hachtmann (84) wird Ehrenbürger der Stadt Güstrow. Das habe die Stadtvertretung am Donnerstagabend einstimmig beschlossen, teilte die Stadtverwaltung am Freitag auf Anfrage mit. Der frühere Güstrower Domprediger hat sich den Angaben zufolge unter anderem für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Güstrow sowie für ein friedvolles Miteinander verdient gemacht.

Wann die Ehrenbürgerschaft offiziell verliehen werden soll, wurde noch nicht mitgeteilt. Zuletzt waren posthum im Juli 2014 der niederdeutsche Schriftsteller John Brinckman (1814-1870) und davor im Oktober 2010 der Bildhauer, Grafiker und Autor Ernst Barlach (1870-1938) zu Ehrenbürgern von Güstrow ernannt worden.

In den Anträgen zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den 84-jährigen Theologen heißt es unter anderem, dass Hachtmann den Verein "Freundeskreis ehemaliges jüdisches Gemeindehaus" gründete mit dem Ziel, die Erinnerung an die Juden wach zu halten, die bis 1942 in Güstrow lebten. Das Gemeindehaus ist das letzte sichtbare Zeugnis jüdischer Geschichte in der Kleinstadt und war bei Vereinsgründung im Jahr 2004 eine baufällige Ruine. Es wurde restauriert und viele Jahre für literarische, musikalische und historische Veranstaltungen genutzt.

Zum Jahresprogramm des inzwischen aufgelösten Vereins gehörten auch die Gedenktage an die Opfer des NS-Regimes (27. Januar) und der Pogromnacht (9. November). Erst in den vergangenen zwei Jahren habe sich Folker Hachtmann altersbedingt aus der Organisation dieser Gedenktage zurückgezogen, heißt es.

Zudem habe der Theologe umfangreiches Material für Stadtarchiv und Bibliothek erarbeitet. Durch sein Wirken seien in Güstrow Stolpersteine zum Gedenken an jüdische NS-Opfer verlegt worden. Er habe sich für die Pflege dieser Erinnerungszeichen verantwortlich gefühlt. Regelmäßig habe er Schulklassen mit Zeitzeugen der NS-Zeit besucht. Von der Jüdischen Gemeinde Rostock sei er über viele Jahre als zuverlässiger, politisch aktiver und zutiefst menschlicher Mittler und Botschafter für den christlich-jüdischen Dialog wahrgenommen worden.

Begründet wird der Antrag auf Ehrenbürgerschaft für Hachtmann auch damit, dass er sich für den evangelischen integrativen Kindergarten "Regenbogen" in Güstrow engagierte. Viele Jahre habe er auch als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Behindertenhilfe im einstigen Kirchenkreis Güstrow gewirkt, heißt es.
Quelle: epd