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Wege protestantischer Kirchraumgestaltung

Reformation in Mecklenburg und Vorpommern

Im Verborgenen gab es die ersten Impulse zur Reformation der Kirche auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern – etwa im Lesekreis rund um Johannes Bugenhagen im Kloster Belbuck bei Treptow oder im Briefwechsel zwischen Herzog Heinrich V. von Mecklenburg und Martin Luther. Aber eine Bewegung mit solcher gesellschaftlichen Sprengkraft in einem Zeitalter, in dem alles nach einer Reformation der Kirche rief, konnte nicht lange im Verborgenen bleiben.

Die Hansestädte Stralsund und Wismar schlossen sich schon 1524 der reformatorischen Bewegung an. Zur gleichen Zeit predigte der mutige Kaplan, Joachim Slüter, auf Plattdeutsch in der Rostocker St. Petrikirche. Massen von Menschen aus den unteren Schichten versammelten sich vor seiner Kanzel. Bald verlangten die meisten Kleinstädte des Landes evangelische Prediger und Gottesdienste in der Muttersprache.

Das Ringen von zwei Brüdern um die Vorherrschaft im jeweiligen Land und politisches Taktieren prägten den weiteren Verlauf der Reformation sowohl in Mecklenburg als auch in Pommern. In Mecklenburg stand Heinrich V. der Reformation nahe, während sein Bruder, Albrecht VII., sie bekämpfte und den Kaiser über jede Annäherung seines Bruders an das protestantische Lager informierte.

In Pommern hat Barmin IX. die Reformation gefördert. Sein Bruder, Georg I., versuchte dagegen sie zu verhindern. Erst nach dem Tod von Georg I. (1531) und Albrecht VII. (1547) konnte die Reformation in beiden Ländern konsequent eingeführt werden.

Die Söhne der beiden Herzöge erwiesen sich als eifrige Verfechter der evangelischen Lehre: In Pommern Philipp I und in Mecklenburg Johann Albrecht I. Die Pommern bekannten sich zur Reformation auf dem Landtag zu Treptow am 13. Dezember 1534. Gut fünfzehn Jahre später, nämlich am 20. Juni 1549 folgten die Mecklenburger auf dem Landtag an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg.

Pastor Dr. Mitchell Grell