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Berichte der pommerschen Pröpstin und Pröpste

Lebendiges Geschehen in den Propsteien

13.04.2016 ǀ Züssow.  Die Pröpstin und die Pröpste des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) berichteten am vergangenen Wochenende der Synode über das Geschehen in ihren Propsteien im zurückliegenden Jahr 2015. Helga Ruch berichtete aus der Propstei Stralsund, Gerd Panknin aus der Propstei Demmin und Andreas Haerter aus der Propstei Pasewalk. Eine Zusammenfassung:

Vielfalt durch ehrenamtliches Wirken

Pröpstin Helga Ruch (Stralsund)
Pröpstin Helga Ruch schilderte das Gemeindeleben in der Propstei Stralsund als bunte Vielfalt in städtischen Gemeinden mit großen, stolzen Kirchen ebenso wie in weitverstreuten Landgemeinden mit kleineren, aber ebenso wertvollen und größtenteils auch liebevoll gepflegten Gotteshäusern. Als beispielhafte Höhepunkte des vergangenen Jahres nannte die Pröpstin die Verleihung des Ansgarkreuzes an Manfred Himmelreich aus Semlow sowie das Landeserntedankfest in Semlow. „Es war fantasievoll und perfekt organisiert worden, im Zusammenspiel von Kommunal- und Kirchengemeinde“, so Helga Ruch. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit des zurückliegenden Jahres sei wieder die Kirchenmusik gewesen, in der eine große Strahlkraft der Gemeinden begründet liege. Beispiele seien große Chöre, wie der Bachchor oder der Barther/Zingster Singkreis, die nachwuchsorientierte Arbeit der Kirchenmusiker und die Vielfalt der Posaunenmusik, kulminiert im Landesposaunenfest auf der Insel Rügen. „All das lebt durch das Engagement von Ehrenamtlichen. Und es lebt gut“, sagte Helga Ruch und ging in ihrem Bericht auch auf das Baugeschehen ein. In Rakow wurde der Kirchturm wieder eingeweiht, am Pfarrhaus Prohn wird gearbeitet, die Lutherkirche in Stralsund soll einen Anbau bekommen, ebenso das Söderblohmhaus in Sassnitz. An vielen Kirchen, zum Beispiel in Tribsees, Drechow oder Kenz, wurde saniert, in Starkow wird in Zusammenarbeit mit dem Verein „Backstein, Geist und Garten“ und der Kommune eine umfängliche Sanierung in Gang gesetzt, um nur eine Auswahl zu nennen.

Unterstützung für Menschen am Rand der Gesellschaft

„Unsere Gemeinden haben ein starkes Kreisdiakonisches Werk, das aus der sozialen Landschaft der Propstei nicht mehr wegzudenken wäre“, so Helga Ruch weiter. „Unsere Mitarbeitenden treffen Menschen an der Basis, am Rand der Gesellschaft. Jugendliche, die keine Perspektive mehr haben und aufgefangen werden mit Unterstützung zur Ausbildung. Es sind ‚Die Eckigen‘, Behinderte, die zusammen mit professionellen Schauspielern anspruchsvolles Theater machen. Es sind die Kinder in der Frühförderung und in den Kitas, die Jugendlichen auf dem ‚Heuboden‘, die Obdachlosen und Sozialhilfeempfänger, die in der ‚Halle‘ nicht nur ein warmes Mittagessen bekommen, sondern auch Angebote, gemeinsam zu singen, zu spielen, zu reden…“, zählte Helga Ruch auf. Als ein Zentrum der Flüchtlingsarbeit in der Propstei Stralsund nannte die Pröpstin das Nachbarschaftszentrum in Grünhufe. Motor für alles sei dort Thomas Nitz vom Kreisdiakonischen Werk, der aber auch deutlich mahne: „Vergesst bitte über den Flüchtlingen nicht, dass auch in unseren Reihen viele Bedürftige und an den Rand Gedrängte leben!“ Weitere Beispiele seien Grimmen und Putbus, wo es regelmäßige Treffen gebe, bei denen Deutsch gelernt, miteinander gegessen, gesungen, Gottesdienst gefeiert werde. „In vielen Gemeinden kommen Flüchtlinge in die Gottesdienste, es kommt zu Begegnungen im ganz normalen Alltag und das verändert die Atmosphäre und unsere Blickrichtung“, sagte Helga Ruch vor der Synode.

Christen müssen Position beziehen

„Seit dem vergangenen Jahr sind besonders in Stralsund die PEGIDA-‚Spaziergänge‘ ein Zeichen dafür, welche Ängste, aber auch welche Verwerfungen innerhalb der Gesellschaft da sind. Und wir als Kirchengemeinden kommen nicht umhin, hier Position zu beziehen“, sagte die Pröpstin. „Das tun wir mit vielen anderen gemeinsam und schauen aber auch auf das, was unser ganz spezieller Auftrag als Christen hier ist.“ Helga Ruch verwies damit auf die Praxis des Friedensgebets, das seit der Wendezeit von einem kleinen Kreis fortgeführt worden ist und nun eine ganz neue Bedeutung bekommen habe. „Und das Wunderbare ist, dass es nicht nur ökumenisch ist, sondern auch Vertretende der Stadt, der Gewerkschaften, des Betriebsrates der Werft sich beteiligen. Es gibt eine regelmäßige Runde zu Fragen der Demokratie, die von der Evangelischen Akademie verantwortet wird. In dieser Runde sitzen wir als Kirche ebenso wie Vertretende des Kreistages, der Justiz, der Polizei und der Kreisverwaltung. Erwähnen will ich auch unsere Gespräche mit der Fachhochschule, aus denen zum Beispiel ein ganzer Tag auf dem Campus zur Semestereröffnung hervorgegangen ist, bei dem unsere Gemeinden den Studenten ihre Angebote vorstellten.“ Als Zukunftsausblick nannte Helga Ruch das Reformationsjubiläum. Eine besondere Herausforderung werde in diesem Zusammenhang der Start des Nordkirchenschiffes am 29. Juni 2017 im Hafen von Stralsund sein.

Flüchtlingsarbeit steht im Licht der Nächstenliebe

Propst Gerd Panknin (Demmin)
„Ich möchte einige Schlaglichter auf das Leben der Gemeinden im Jahr 2015 in der Propstei Demmin werfen“, sagte Gerd Panknin zu Beginn seines Propsteiberichts, in dem er unter anderem die Flüchtlingsarbeit hervorhob. „Auf den ersten Blick ist der Alltag nicht immer einfach, auf den zweiten Blick gibt es viel, viel Licht. Und genau das brauchen wir: das Miteinanderleben, das Teilen von Freud und Leid.“ Ein Beispiel dafür sei die Kirchengemeinde Loitz, die der Propst kürzlich während einer Visitationswoche besuchte. „Da treffen sich regelmäßig Bürgermeister, Pastor und Vorsitzender eines Vereins, um die Situation zu besprechen und abzustimmen. Einige Flüchtlinge haben Wohnungen der Kirchengemeinde zugewiesen bekommen, andere dezentral in der Stadt. Im Jugendklub der Kirchengemeinde sind Flüchtlinge und Jugendliche aus der Stadt beieinander. Sonntags im Gottesdienst sieht man sich wieder. Mitarbeitende und Pastor sind mit erheblichem Zeitaufwand an ihrer Seite, wenn es um Klärung von Rechtsfragen und Amtsgängen geht. Und immer wieder höre ich große Dankbarkeit für die Begleitung durch Christine Deutscher, die Flüchtlingsbeauftragte unseres Kirchenkreises. Dankbar sind wir auch für das Engagement des Kreisdiakonischen Werks in Greifswald mit dem Psychosozialen Zentrum für Migranten und dem neuen Begegnungs- und Willkommenszentrum in der Gustebinerwende, mitten im Neubaugebiet von Schönwalde.“ Nicht jeder sehe diese Arbeit im Licht der Nächstenliebe, bedauerte Gerd Panknin. Sie stehe auch im Schatten der Angst, der Sorge und mancher Aggression. „Menschenverachtung, Hass und Fremdenfeindlichkeit stehen nicht im Licht unseres Glaubens“, stellte der Propst unmissverständlich klar.

Zehn junge Pastoren haben Dienst begonnen

Aus dem Fonds der Nordkirche „Kirche und Tourismus“ erhielt ein Projekt der Domgemeinde Greifswald  mit spirituellen Angeboten zum Thema „Städteklösterliches Leben“ eine Förderung bis 2020 in Höhe von 89.000 Euro, die Sanierung des Küsterhauses Bauer-Wehrland zur Pilgerherberge wurde mit 37.000 Euro gefördert. Zwischen Dom und Pilgerherberge gibt es einen Pilgerweg. „Dass sich Domgemeinde und die Kirchengemeinde Lassan St. Johannis, Bauer und Pinnow-Murchin gemeinsam am Projekt ‚Spiritueller Sommer‘ der Nordkirche beteiligen, ist etwas Besonderes. Die Freude über eine Förderung aus dem Fonds teilen wir auch mit einem Projekt aller Inselgemeinden Usedoms die für fünf Jahre mit jährlich 23.000 Euro gefördert werden.“ Der Propst erinnerte daran, dass Kirchenkreise für die Jahre 2017 bis 2020 wieder Anträge an den Fonds der Nordkirche stellen können, in dem pro Kirchenkreis jährlich bis zu 90.000 Euro zur Verfügung stehen. Gerd Panknin warf in seinem Bericht auch einen Blick in die Zukunft. In wenigen Jahren werde es immer schwieriger werden, alle frei werdenden Pfarrstellen zu besetzen. Nicht weil das Geld fehle, sondern Bewerber. „Hier gilt es, strukturell gut aufgestellt zu sein, bestehende Strukturen zu sichern und die Voraussetzungen für ein lebendiges Gemeindeleben zu erhalten. Neben allen Überlegungen des übergemeindlichen Miteinanders, Mitarbeitende im Verkündigungsdienst und Verwaltung vor Ort betreffend, geht es nicht ohne Gemeindepfarrstellen“, so Gerd Panknin. Es sei ein Segen, dass im ländlichen Raum der Propstei Demmin zehn Pastoren zur Anstellung ihren Dienst beginnen konnten. „Das Miteinander der jungen Leute in Gemeindeprojekten, die Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen ist eine Freude.“

Versöhnung im Zeichen des Kreuzes

Propst Andreas Haerter (Pasewalk)
Propst Andreas Haerter wies in seinem Bericht auf die zahlreichen Gedenkveranstaltungen anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes hin. „Wie viele Jahre mussten vergehen, bis wir in der Lage waren, uns den Folgen dieses Krieges zu stellen; dem Verwobensein von Schuld und menschlicher Tragödie, die dann über alle, ohne Unterschied hereinbrach. Versöhnung unter dem Kreuz, Frieden finden, indem alles noch einmal zur Sprache kommen darf! Vielleicht auch Versöhnung mit dem eigenen Schicksal? Das war das Thema des vergangenen Frühjahrs 2015. Und vielleicht stellte es für uns ja einen mentalen Neuanfang dar – gerade rechtzeitig, um den von Krieg und Unsicherheit geschlagenen Neuankömmlingen mitmenschlich-christlich begegnen zu können? Und so gibt es ja auch ein vielfältiges Engagement in unseren Gemeinden, wenn es darum geht, Menschen, die aus Syrien und anderen Ländern kommend in unserer Region untergebracht sind, mitmenschlich zu begegnen: Sei es die Mitwirkung an Runden Tischen wie auf Usedom oder die Mitarbeit in örtlichen Projekten wie etwa der Initiative ‚Pasewalk hilft‘, die auch Begegnungen von Jugendlichen organisiert und Patenschaften von Mensch zu Mensch vermittelt.“ Eindrücklich in Erinnerung sei ihm auch der Deutschunterricht im Gemeinderaum der Kirchengemeinde Ferdinandshof gewesen, an dem er im Rahmen einer Visitation teilnahm.

Kirche nimmt integrierende Aufgabe wahr

„Im September feierten wir in St. Marien Güstrow den Einführungsgottesdienst für den neuen Polizeiseelsorger Pastor Hans-Peter Neumann. Seit 2012 vertrete ich unseren Kirchenkreis im Polizeibeirat, der die Arbeit des Polizeiseelsorgers für die Landespolizei begleitet“, berichtete Andreas Haerter weiter. Mit der Seelsorge in den verschiedenen Aufgabenfeldern der Gesellschaft nehme Kirche ihre integrierende Aufgabe wahr. Ebenfalls Erwähnung im Bericht des Propstes fand die Kirchengemeinde Strasburg. „Und zwar nicht nur, weil wir am 13. Januar 2016 mit einem Dankgottesdienst den Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Marien Strasburg begehen konnten. Ich möchte dem Kirchengemeinderat Strasburg heute auch vor der Synode einmal meinen Dank aussprechen, dass er Verantwortung übernommen hat für die kleine Nachbargemeinde Wismar mit ihrer sanierungsbedürftigen Kirche. Das ist wahrhaft geschwisterliches Handeln! Gern erinnere ich mich auch an ein besonderes Ereignis in der kleinen uckermärkischen Dorfkirche zu Menkin in der Pfarrstelle Brüssow. Am 19. Juni konnten Pastor Matthias Gienke und ich als kirchliche Gastgeber beim Festakt des DRK zum 150. Geburtstag seines ersten Präsidenten mitwirken. Welche wunderbaren Orte der Erinnerung haben wir doch mit unseren alten Kirchengebäuden, manchmal unerwartet bedeutsam auch für Menschen über den Raum unserer Kirche hinaus! Wie gut, dass wir sie bis heute erhalten und pflegen. Und dabei denke ich an die Mühen unserer Kirchengemeinden genauso wie an unsere Baubeauftragten im Kirchenkreis.“ Des Weiteren berichtete Andreas Haerter von einem Schulgottesdienst am 4. September in der Evangelischen Schule Peeneburg in Anklam, in dem ein von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Celle gestiftetes und von der Bugenhagenwerkstatt des Diakoniewerkes Bethanien Ducherow geschaffenes große Kreuz für die Aula eingeweiht wurde.

Präsenz des Evangeliums in der Öffentlichkeit

Ein Höhepunkt in der Region Gartz-Penkun war die bischöfliche Besuchswoche im Oktober mit Gesprächen in den Gemeinden, mit Bürgermeistern, in Betrieben und einem Abschlussgottesdienst in Gartz mit anschließendem Ehrenamtlichen-Empfang. „Die Gemeinden der Oderregion sind und bleiben ein wichtiger und gleichberechtigter Lebensort unserer pommerschen Kirche. Das haben viele erfahren dürfen“, so das Fazit des Propstes zu der Besuchswoche. „Am Ersten Advent feierten wir in und mit der Kirchengemeinde Pasewalk den Zentralen Eröffnungsgottesdienst der Aktion Brot für die Welt für Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Diakonischen Werk, bei dem Diakonie-Landespastor Martin Scriba die Predigt hielt.“ Zum Abschluss seines Berichts erwähnte Andreas Haerter das „Wort zum Sonntag“, das 19 Pastorinnen und Pastoren zuverlässig Woche für Woche als Beitrag für die Ausgaben Pasewalk und Ueckermünde des Nordkuriers schreiben. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Präsenz des Evangeliums in der Öffentlichkeit. Sein Dank gelte den Redaktionen für ihre Offenheit und die gute Zusammenarbeit sowie allen Mitwirkenden.

Quelle: PEK (sk)