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Stralsunds St.-Nikolai-Gemeinde will ein neues Zentrum aufbauen

Ein Haus im Grünen, bitte

Von Christine Senkbeil

Hier soll das neue Gemeindezentrum stehen. Pastor Albrecht Mantei von St. Nikolai Stralsund auf der Wiese Heinrich-Heine-Ring / Am Heizwerk.
16.07.2017 ǀ Stralsund.  Sie ist eine der größten im Pommerschen Kirchenkreis: die Gemeinde St. Nikolai zu Stralsund. Ihr fehlt es an Raum. Nicht aber an Visionen. Ein neues Gemeindezentrum – das wäre etwas.

Pastor Albrecht Mantei wirkt ein bißchen wie ein Neusiedler in Amerika, so wie er auf der großen Wiese zwischen Knieper und Knieper-West steht – auf neuem Land, mit neuer Hoffnung. Mitten im Grün und doch in der Stadt: Bushalt Heinrich- von Stephan-Straße. Wenn er die Augen schließt, sieht er an dieser Stelle ein Haus mit großem Portal. Menschen begegnen sich, bei Musik, Theater, Gesprächen oder im Gottesdienst. Ein Gemeindezentrum für den größten Stadtteil der Hansestadt: Noch ist es eine Vision, aber vielleicht in fünf Jahren schon Wirklichkeit.

"Nur die Räume sind nicht mitgewachsen“

Denn es wird zu eng für seine riesige Aus-drei-mach-eins-Gemeinde. 2001 war sie aus Knieper West, St. Nikolai und Parow zusammengesetzt worden. „Nur die Räume sind nicht mitgewachsen“, sagt Albrecht Mantei. Aber die Gemeinde wird noch immer größer, gerade mobile Senioren ziehen nach Knieper. Das kirchliche Leben treibt so bunte Blüten, dass das bisherige Gemeindezentrum in der Lindenstraße mit Krabbelgruppe, Tanzkreis und Co an jedem Wochentag bis spät in die Nacht belegt ist und dauernd umgeräumt wird. Dabei ist die Randlage des 70er-Jahre-Baus ungünstig, kein Stadtbus fährt Ältere her. Auch das zur Gemeinde gehörende Bonhoefferhaus, ein schlichtes Holzhaus aus den 1950ern, bietet nicht genug Platz für alle. Die stolze Nikolaikirche schon – aber praktisch nutzbar ist die unbeheizte Pracht-Kathedrale doch besser für Gottesdienste als für diverse bunte Kreise.

"Ein reicher Onkel aus Amerika wäre toll!“

Und so liegen die Hoffnungen nun in der Vision vom neuen Gemeindezentrum: Zentral gelegen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, mit frischem Grün, hellen Räumen und Platz für alle Generationen. Café, Buchladen, Pastorat – erste Pläne liegen vor, die Ideenentwicklung ist noch im vollen Gange. „Auch Gruppen außerhalb der Kirchengemeinden sind dazu eingeladen“, sagt der Pastor – denn das neue Gemeindezentrum soll als Kirche erkennbar, aber offen für alle sein. „Wir wollen zusammen mit der Stadt auch Ideen zur sozialen Arbeit vor Ort entwickeln“, sagt Mantei. Die Nikolai-Gemeinde konnte das sogenannte „Filetstück“ von der Stadt kaufen. „Ein Glücksfall“, sagt Mantei. Fünf Jahre sind nun Zeit, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Sind bis dahin keine fünf Millionen zusammen, geht das Grundstück zurück, so die Option. „Für die Hälfte davon brauchen wir Unterstützung“, sagt Mantei lächelnd: „Ein reicher Onkel aus Amerika wäre toll!“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 28/2017