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"Frischer Wind in alten Mauern"

Stralsund lädt am Sonnabend zum Ökumenischen Kirchentag Vorpommern ein

Der erste ökumenische Kirchentag fand 2011 statt. Rund 2.000 Menschen kamen damals nach Greifswald.
18.09.2014 ǀ Stralsund.  Protestanten, Katholiken und Freikirchler feiern einen gemeinsamen Kirchentag. Mit Musik und Diskussionen wird die Stralsunder City zur Kirchenbühne unter freiem Himmel. Es ist der zweite Ökumenische Kirchentag Vorpommern nach 2011 in Greifswald.

Unter dem Motto "Frischer Wind in alten Mauern" stehen am Sonnabend (20. September) in der Innenstadt von Stralsund rund 30 Veranstaltungen auf dem Programm des Ökumenischen Kirchentages Vorpommern. "Das Motto passt perfekt", sagt der Greifswalder Ökumenepastor Matthias Tuve. Alte Mauern habe Stralsund genug zu bieten. Sie bedeuteten Heimat, Geborgenheit und Tradition. "Mauern können aber auch einengen und die Sicht auf neue Entwicklungen versperren." Anliegen des Kirchentags sei die Frage, wo es in Kirche und Gesellschaft frischen Wind brauche. Tuve: "Dafür ist Stralsund der ideale Ort."

Überall im Altstadtbereich der Hansestadt, am Alten und Neuen Markt, im und am Rathaus, im Wulflamhaus und in den Kirchen werden Bibelarbeiten, Musik und Vorträge angeboten. Auftakt ist um 10 Uhr auf dem Alten Markt der Eröffnungsgottesdienst. In der vom Markt abführenden Semlower Straße wird es den für Kirchentage typischen "Markt der Möglichkeiten" geben. Für Kinder wird auf dem Gelände der katholischen Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit am Frankenwall ab 9 Uhr der Kinderkirchentag angeboten. Der Abschlussgottesdienst mit Landesbischof Gerhard Ulrich findet um 16 Uhr ebenfalls auf dem Alten Markt statt.

"Christ 'ne Wurst": Kirche verschenkt Bratwürste

"Wir hoffen, mit Einheimischen und Touristen ins Gespräch zu kommen," sagt Organisator Tuve. Eine besonders originelle Idee ist die Aktion „Christ `ne Wurst“ auf dem Alten Markt. ÖKT-Besucher und Passanten, Christen und Nichtchristen können bei einer kostenlosen Bratwurst oder einem vegetarischen Burger zwanglos ins Gespräch kommen. „Christ `ne Wurst“ gibt es am Sonnabend von 12 bis 14 Uhr sowie am morgigen Freitag von 17 bis 19 Uhr und am Sonntag von 12 bis 14 Uhr. Organisiert wird die Aktion vom On The Move Deutschland e. V. und den Stralsunder Kirchengemeinden. "Das ist einfach ein schönes Signal, mit dem wir zeigen wollen, wir als Kirche schenken und geben gern", so Organisator Matthias Tuve.

Tuve hatte vor drei Jahren bereits den ersten ökumenischen Kirchentag in Greifswald organisiert. Damals ging die Initiative von den katholischen Gemeinden aus. "Es gab 2010 den großen Ökumenischen Kirchentag in München, aber der war so weit weg." Da kam die Überlegung, vor Ort etwas zu organisieren. Rund 2.000 Menschen kamen damals nach Greifswald. "Das wollen wir diesmal toppen." 2011 fand der Greifswalder Kirchentag eher abseits auf dem Rubenow-Platz statt. "Diesmal gehen wir bewusst in das 'Wohnzimmer' von Stralsund - den Alten Markt", erklärt Tuve, der auf einen großen Pool von Ehrenamtlichen zurückgreifen kann.

Pröpstin Ruch: Kirchentag wichtig für die Region

"Der Kirchentag ist auch für die Region wichtig", sagt die Stralsunder Pröpstin Helga Ruch. Da könnten Menschen mit Kirche in Kontakt kommen, die sonst keine Verbindung dazu haben. "Und wir Christen sind nicht unter uns - hinter alten Mauern". Außerdem sei es gerade in einer weitgehend entkirchlichten Gegend wie Vorpommern eine gute Erfahrung, "dass wir keine verträumte Minderheit sind". Nicht zuletzt werden am Sonnabend auch knapp 30 internationale Gäste von drei Kontinenten erwartet. Mit dabei sind Teilnehmer aus Partnerkirchen in Südafrika, Tansania, Polen, Schweden und den USA.

Neben Besuchergruppen aus Hamburg und Schleswig-Holstein machen sich auch Gemeinden aus dem benachbarten Mecklenburg auf den Weg. "Es ist bereichernd zu erleben, wie Christentum sich auf einer großer Bühne bewegen kann", sagt Ekkehard Maase. Der Gemeindepastor in Dassow (bei Lübeck) war Beauftragter der Nordkirche für den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg im Mai letzten Jahres. "Kirchentag bietet Gelegenheit, über den Tellerrand schauen." Eine "Schlecht-Wetter-Variante" gibt es für Sonnabend übrigens nicht. "Plan B heißt Regenschirm", so Hauptorganisator Tuve.
Quelle: epd/PEK