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Michael Huyer
Die Stralsunder Nikolaikirche
Die mittelalterliche Baugeschichte und kunstgeschichtliche Stellung

Beiträge zur Architekturgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg und Vorpommern. Band 5

Unter den großen gotischen Backsteinkirchen des Ostseeraums nimmt St. Nikolai in Stralsund eine herausragende Stellung ein. Als Hauptpfarrkirche dieser Hansestadt entstand sie seit dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts und wurde Ausdruck höchster architektonischer Ansprüche. Die imposante Basilika zeichnet sich durch einen Umgangschor mit Kapellenkranz, offenes Strebewerk und eine mächtige Doppelturmanlage aus.

Auf der Basis einer gründlichen Bauuntersuchung und Auswertung der Schriftquellen wird mit vorliegendem Forschungsbeitrag die Genese des Bauwerks detailliert rekonstruiert. Probleme der mittelalterlichen Bauplanung und -technik werden ebenso behandelt wie baulogistische Aspekte. Im Ergebnis präsentiert sich die Baugeschichte von St. Nikolai in einem neuen Licht. Breiten Raum widmet die Untersuchung der kunstgeschichtlichen Stellung der Nikolaikirche, die maßgeblichen Anteil an der Übernahme eines im nordfranzösischen Werksteinbau entwickelten Bauschemas in den Backsteinbau der Ostseeregion hatte. Bei der erstmaligen systematischen Formanalyse gestaltprägender Architekturglieder stehen neben dem Stralsunder Sakralbau die Domchöre in Lübeck und Schwerin, die Klosterkirche Doberan sowie die Pfarrkirchen St. Marien in Lübeck und Rostock im ­Vordergrund. In der vergleichenden Studie finden Einzelmerkmale wie Wandaufriss, Formsteinverwendung, Pfeilerkonstruktion und Laufgangsysteme besondere Beachtung. Der Forschungsertrag zur mittelalterlichen Backstein­architektur im Ostseeraum wird durch Betrachtungen zur sogenannten Viertelstabgotik und zum Aufkommen von Birnstabdiensten im Backsteinbau sowie durch neue baugeschichtliche Erkenntnisse unter anderem zum Schweriner Domchor bereichert.

Mit der bauhistorischen Charakterisierung der Kirche, der Rekonstruktion ihrer Entstehungsgeschichte und dem Formenvergleich ihrer Bauglieder wurde ein tragfähiges Fundament für eine Einordnung von St. Nikolai in die europäische Architekturgeschichte des 13. und 14. Jahrhunderts geschaffen. Zahl­reiche historische und aktuelle Fotografien, Figuren und Pläne, darunter eigens neu angefertigte Grundrisse und Zeichnungen, machen das Buch zu einem grundlegenden Werk für die norddeutsche ­Backsteinregion.

Thomas Helms Verlag Schwerin
27.5 x 21.5 cm, 444 Seiten, gebunden
529 Abbildungen, 119 Figuren und 12 Pläne
ISBN: 978-3-935749-58-9
79,00 €