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Pastor Uwe Holmer feiert 85. Geburtstag

Kirchenasyl für Honecker: "Ich würde es wieder tun"

Von Anne-Dorle Hoffgaard

Pastor Uwe Holmer
06.02.2014 ǀ Krakow am See.  Pastor Uwe Holmer gewährte 1990 dem gestürzten DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker und seiner Frau Margot "Kirchenasyl". Am Donnerstag wurde er 85 Jahre alt. Noch immer hält er Andachten und Gottesdienste.

Zehn Wochen im Jahr 1990 haben Pastor Uwe Holmer berühmt gemacht. Und eine Menge Anfeindungen und Hass eingebracht. Als er am 30. Januar 1990 Erich und Margot Honecker in sein Pfarrhaus in Lobetal bei Berlin aufnahm und ihnen bis zum 3. April "Kirchenasyl" gewährte, folgten Demonstrationen, Bombendrohungen und 3.000 zumeist empörte Briefe. Ängstlich sei er deshalb aber nicht gewesen. Denn er habe getan, was sein Gewissen und sein Glaube ihm vorschreiben, sagt der evangelische Theologe.

Holmer leitete damals die Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal, die 1905 als Arbeiterkolonie für obdachlose Berliner gegründet worden waren. Und der gestürzte DDR-Staats- und SED-Parteichef, der das Wohnrecht in der Funktionärssiedlung Wandlitz verloren hatte und dem damals "Hochverrat" vorgeworfen wurde, "war so ein obdachloser Berliner", sagt der rüstige Holmer, der heute im mecklenburgischen Serrahn bei Krakow am See lebt.

"Ohne Vergebung geht die Welt kaputt"

"Ja, ich würde es heute wieder tun", ist der pensionierte Theologe überzeugt. "Ich sehe je länger desto deutlicher, dass die Welt ohne Vergebung kaputt geht und dass die, die Gottes Vergebung erfahren haben, die Ersten sein sollen, die Vergebung weitergeben." Dabei verschweigt er nicht die Brisanz, die Honeckers Aufnahme im Pfarrhaus hatte. Denn dass der langjährige Vertreter derer, die der Kirche ihr Ende vorausgesagt hatten, "bei der Kirche anklopfte", war ohne Zweifel demütigend. Doch habe er, so Holmer, darüber mehr Mitleid empfunden als Triumph.

Dabei hatte der in einer gläubigen, christlichen Familie in Wismar aufgewachsene Holmer in der DDR einiges wegzustecken. Als junger Pastor in Leussow bei Ludwigslust hatte er seinen Unmut über die Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft deutlich zum Ausdruck gebracht. Daraufhin durften ihn seine Eltern und seine Geschwister aus Westdeutschland ein Jahr lang nicht besuchen.

Später bekamen auch seine Kinder zu spüren, was es hieß, als Christen in der atheistisch geprägten DDR zu leben: Sieben seiner zehn Kinder durften nicht zur Oberschule und waren damit vom Abitur ausgeschlossen - trotz guter Zensuren. "Und das nur, weil sie nicht an Jugendweihe und Schießlager teilnehmen und die Internationale nicht mitsingen wollten", erinnert sich der evangelische Theologe. Doch Versöhnung sei ihm wichtiger als Vergeltung.

Außerdem sei es nach wie vor sein Ziel, "dass Menschen sich ermutigen lassen, in die Nachfolge Jesu zu treten". Deshalb halte er noch immer Gottesdienste und Andachten, Abendmahlsfeiern und Bibelwochen sowie Beerdigungen und Trauungen.

Gesellschaft äußerlich sehr reich geworden, innerlich aber arm

Auch Honecker gegenüber habe er aus seinem christlichen Glauben nie einen Hehl gemacht. Bei den gemeinsamen Essen wurden Tischgebete gesprochen. Und bei einem späteren Besuch im Berliner Gefängnis Moabit habe er Honecker "bezeugt, dass es auch nach dem Tod mit Gott weitergeht".

Geblieben sei auch der Kontakt mit der seit 1994 verwitweten Margot Honecker, "wenn auch locker". Erst kürzlich habe sie ihm und seiner Frau einen Weihnachtsgruß geschickt. "Und wir werden mit meinem Geburtstagsdankbrief antworten."

Anders als es die in Chile lebende Margot Honecker vermutlich tun würde, bezeichnet Pastor Holmer die friedliche Revolution vor 25 Jahren als ein großes Geschenk Gottes, für das er dankbar sei. Aber er übt auch Kritik, heute noch mehr als vor zehn Jahren: "Wir sind äußerlich sehr reich geworden, innerlich aber arm. Arm an Liebe, Treue, Wahrhaftigkeit und Verantwortung in Familie, Beruf und Gesellschaft", sagt er. In dem Maße, "wie sich unser Volk von Gott abwendet, wächst der Egoismus und damit die Jagd nach Geld und Wohlstand." Damit wachse auch Enttäuschung und Einsamkeit. Desto dringlicher ist ihm "die Frohe Botschaft von dem lebendigen und wahren Gott".
Quelle: epd