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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Crivitz

Stadtkirche Crivitz

Stadtkirche Crivitz in der Abendsonne
Die Stadtkirche Crivitz gibt der Kirchgemeinde Raum für Freude, Trauer und Gemeinschaft – hier feiern wir Gottesdienste. Als ältestes Gebäude von Crivitz ist sie auch ein Wahrzeichen der Stadt.

Mit ihrem Turm und dem hohen Kirchenschiff beherrscht die Kirche in eindrucksvoller Weise das Stadtbild. Der Ortsname Crivitz ist wendischen Ursprungs und bedeutet ‚Ort an der Krümmung‘, was auf die geografische Lage der ersten Siedlung östlich einer Wasserburg am Crivitzer See hinweist. 1251 wird Crivitz erstmalig in einer Urkunde des Schweriner Domkapitels erwähnt. 1302 ist bereits von einer Stadt (oppidum) die Rede. Vom Gründungsbau der Stadtkirche ist nichts mehr erhalten. Ob Fundamentreste, die in der Sakristei zu sehen sind, mit dem Ursprungsbau etwas zu tun haben, kann nur vermutet werden.

Baugeschichte: Der bestehende Backsteinbau wurde vermutlich Ende des 14. Jahrhunderts errichtet und erlebte viele Veränderungen im Äußeren und Inneren, der Grundriss blieb jedoch erhalten. Besonders einschneidend wirkte sich der Stadtbrand von 1660 auf die Kirche aus, dem neben 66 Häusern der Stadt, auch die Schule, die beiden Predigerhäuser (südlich der Kirche) sowie das Dach der Kirche und des Turms zum Opfer fielen. Beim Wiederaufbau erhielt die Kirche ihr heutiges Bild.

Baubeschreibung: Sie wurde in der Art einer dreischiffigen Hallenkirche von drei Jochen erbaut. Im Osten schließt sich in der Breite des Mittelschiffes ein niedrigerer Chor mit polygonem Abschluss an. Nördlich an den Chorraum ist die Sakristei angefügt, mit einem Kreuzrippengewölbe. An der Ostwand befindet sich ein mittelalterlicher Ausguss. Die Sakristei war ursprünglich zweigeschossig und dient heute als AndachtsraumDen Westabschluss der Kirche bildet ein wuchtiger Turm (ca.1400) über quer-rechteckigem Grundriss. Er hat drei Etagen und ein von einem vergoldeten Wetterhahn bekröntes Walmdach. Seine Höhe beträgt ca. 40 m.

Das Innere der Kirche
mit den gedrungenen Raumverhältnissen wird von kräftigen, für die Spätgotik charakteristischen Achteckpfeilern bestimmt, die Haupt- und Seitenschiffe voneinander trennen. Bei der durchgreifenden Umgestaltung des Innenraumes im Zeitgeschmack des 19. Jh. wurde ein Holzgewölbe (Imitationsgewölbe) mit Putzbewurf eingebaut, das 1998 erneuert wurde. Der lichte Chorraum wird von einem spätgotischen Netzgewölbe (15.Jh.) bestimmt. Die Restaurierung von 2001 entspricht der mittelalterlichen Farbgebung. Aus der Umgestaltungsphase Mitte des 19.Jhs. stammen auch die dreiteilige hölzerne Empore sowie der fehlende Mittelgang, der 1850 noch vorhanden war. Im Jahre 2011 wurden das Westportal und der Turmraum neugestaltet, so dass er jetzt vielfältig genutzt werden kann. Von hier aus gelangt man über eine Wendeltreppe zum Glockenstuhl. Zu den im Turmraum angebrachten Gedenktafeln mehrerer Kriege passt gedanklich die Figurengruppe ‚Schächer am Kreuz‘ von Wieland Schmiedel (Crivitz). Er gestaltete auch die Gedenkstele neben dem Südeingang der Kirche. Sie ist Teil einer Reihe von Stelen entlang der B321, die den Weg der Häftlinge des KZ Sachsenhausen aus dem Jahr 1945 markieren (Todesmarsch).

Die Kunstschätze der Kirche
              

Die Tauffünte aus gotländischem Kalksandstein ist vermutlich das älteste Ausstattungsstück (13.Jh.)
und könnte noch aus dem Gründungsbau stammen. Die Schale mit gefalteter Wandung hat einen Durchmesser von 112 cm. Der originale Schaft ist leider verloren gegangen und wurde im 19. Jh. durch Zement ergänzt.

Das Kruzifix (vermutlich Teil eines mittelalterlichen Triumpfkreuzes, 15.Jh.) hängt seit 1986 wieder an seinem ursprünglichen Platz zwischen Chor und Kirchenschiff. Der Gekreuzigte blickt hinunter auf die Gemeinde, die bei der Betrachtung an die Menschlichkeit des Gottessohnes erinnert wird.

Der Schnitzaltar (um 1520) wurde 1959 nach einer umfassenden Sanierung und Umgestaltung der Kirche von der Stadtkirche Teterow übernommen. Als Marienaltar wird er im Mittelschrein durch die apokalyptische Madonna auf der Mondsichel geprägt: „Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne gekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von 12 Sternen“ Apok.12,1. Ihr zur Seite stehen 8 Apostel und Heilige, die im Mittelalter häufig erwähnt werden.

Die Fresken im Chor und im Kirchenschiff:
Sie gehören zu den Kostbarkeiten der Crivitzer Kirche. Bei Renovierungsarbeiten in den frühen 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Fresken entdeckt und freigelegt. Zu den ältesten Darstellungen gehören die acht Apostelgestalten zwischen den Fenstern des Chores (wohl aus der Entstehungszeit der Kirche um 1380).
Weitere szenische Darstellungen (ca. 50 Jahre später entstanden) finden sich im Chorraum.

An der Nordwand von links nach rechts:
  • Eine Frau mit Kind im unteren Teil des Triumpfbogens, evt. Maria mit einem Palmzweig oder einer Madonnenlilie in der Hand darstellend. Das Kind wird von den Händen kleiner Engelswesen(?) zur Mutter hingedrängt.
  • Jesus und Maria von Magdalena am Ostermorgen (Joh. 20,11-18) „Noli me tangere“ – Darstellung. Im Rücken des Auferstandenen sind kleine Engelwesen(?) zu sehen, die den Glorienschein, der wie eine Schleppe die ganze Gestalt umfließt, festhalten und sich daran aufrichten (?). Rechts sitzt eine kleine fraulich wirkende Gestalt und liest in einem Buch  Johannes der Evangelist?
  • Das „Sakrament der Beichte“ – Jesus erteilt seinen Jüngern die Vollmacht die Sünden zu vergeben (Joh. 20, 19-23). Oder stellt es die Krönung Mariens dar?
  • Die Schutzmantelmadonna: Maria, die als mittelalterliche Königin dargestellt, mehrere Personen birgt.
An der Südwand von links nach rechts:
  • Jesu Geburt und Hirtenszene ist wegen starker Beschädigung und Beeinträchtigung durch Witterungseinflüsse kaum noch zu erkennen.
  • Die Darstellung Jesu im Tempel (Luk 2,22-40) mit Simeon, Maria und dem Jesuskind
  • Der 12-jährige Jesus im Tempel (Luk 2, 41-52) mit einer übergroßen Maria, dem Jesusknaben und den Schriftgelehrten.
Weitere Fresken sind um 1600 geschaffen worden:
Im Chorraum an der Südwand:
Der Paradiesgarten als Erdscheibe, ähnlich dargestellt wie bei Lucas Cranach in der ersten Lutherbibelausgabe von 1534. Der Paradiesgarten ist umgeben von Sonne, Mond und Sternen, mit Wolken und den vier Winden (Himmelsrichtungen). Als Krönung über alles ist Gottvater als Schöpfer gesetzt.

Im Chorraum an der Nordwand:
Schrifttafeln mit Beschlagwerk und dem Text des „Weltgerichts“ (Matth. 25)
An der Südwand des Kirchenschiffes sieht man ein Lutherbild mit einer lateinischen Unterschrift, die übersetzt lautet:“ Als ich lebte war ich eine Pest für dich, sterbend werde ich dein Tod sein, Papst.“
Bei den Renovierungsarbeiten der letzten Jahre stellte sich heraus, dass die gesamte Kirche in der Renaissancezeit mit reichem figürlichem und ornamentalem Schmuck ausgemalt war.
Im Zeitgeschmack der folgenden Jahrhunderte wurden die Wände mehrmals überstrichen. Abgesehen von dem sichtbaren Bestand an Fresken, die erhalten und gesichert werden müssen, bedarf es stetiger restauratorischer und finanzieller Anstrengungen um das hervorzuholen was noch unter den Farbschichten verborgen ist. Ein Gewölbebogen (nördl. Kirchenschiff) konnte bereits restauriert werden.

Die Renaissancekanzel von 1621
Eine Schnitzarbeit, die mit viel figürlichem Schmuck und Schnitzwerk die evangelische Lehre abbildet: Mose trägt schwer an den Gesetzestafeln (und dem Kanzelkorb). Christus schafft durch sein Wort, durch Kreuz und Auferstehung die Befreiung. Die Kanzel wurde vermutlich für eine andere Kirche geschaffen und 1748 vom Bgm. C.D. Cordshagen, Wittenburg der Crivitzer Kirche geschenkt.
Die Kanzel wurde 2008 in der Farbfassung weiß und gold aus dem Jahre 1855 restauriert.

Die Orgel mit neugotischem Prospekt wurde 1988 von der Firma Nußbücker, Plau a.See  als mechanische Orgel mit 2 Manualen, 18 Registern und insgesamt 1202 Pfeifen gebaut.
Sie steht in einer seit 1388 ungebrochenen Orgeltradition in dieser Kirche.

Weitere Ausstattungsstücke in der Kirche:
  • Ölgemälde „Die Heilige Nacht“ von Correggio als Kopie ausgeführt von H. Suhrland (1742-1827)
  • „Martin Luther“ (im Turmraum) – eine Kopie nach L. Cranach von 1767
  • Ein modernes Kreuz von Jürgen Diestel (Crivitz) in der Sakristei.
  • Epitaph in Form eines Sargdeckels für die zweite Frau des Präpositus Schachtschneider
  • Alte Grabsteine eines Crivitzer Ehepaares an der Nordwand
Glocken: Der Kirchturm beherbergt eine mittelalterliche Glocke aus der Werkstatt R. v. Monkehagen. Sie stammt vermutlich noch aus der Entstehungszeit der Kirche. Eine weitere Glocke aus dem Jahre 1926 (Kindtaufglocke) befindet sich im Schallloch an der Ostseite. Das Geläut wurde im Jahre 2011 um zwei weitere Glocken aus der Werkstatt R. Perner vervollständigt. Es klingen nun die Glocken in den Tönen es‘ – f‘ – g‘ – g‘‘. Der Glockenstuhl stammt aus dem Jahre 1736.

Alter, eiserner Ofen (1888)

Eine bemerkenswerte Besonderheit sind die sogenannten Talerlöcher, runde Einkerbungen im Mauerwerk rechts und links vom südlichen Seiteneingang der Kirche. Eine Erklärung lautet, dass das mit Talern oder Schwertspitzen herausgekratzte Ziegelmehl als Heilmittel vor der Pest schützen sollte.


Seit 1995 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Crivitzer Kirche ausgeführt. Dafür wurde rund 1 Million Euro aufgewendet. Die Kirche ist in Ihrer Substanz gesichert, doch für die Sanierung und Erhalt der Fresken und Renaissancemalereien  fehlen noch viele Mittel. Deshalb sind wir für jede Spende dankbar.


Spendenkonto: Ev.-Luth. Kirchgemeinde Crivitz


Konto-Nr.:  53 103 18 - Blz 520 604 10 bei der


Evangelischen Kreditgenossenschaft e.G. Kassel


Natürlich stellen wir Ihnen gerne eine Spendenquittung aus.