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100 Jahren Trennung von Staat und Kirche

Propst Melzer: Staat verdient gut an der Kirchensteuer

Karl-Heinrich Melzer
09.02.2019 ǀ Hamburg.  Die vor 100 Jahren beschlossene Trennung von Staat und evangelischer Kirche hat sich nach den Worten des Hamburger Propsts Karl-Heinrich Melzer für beide Seiten bewährt. Der Staat verdiene gut am Einzug der Kirchensteuer, sagte Melzer am Freitagabend in der Hauptkirche St. Jacobi. Drei bis vier Prozent der Kirchensteuer erhalte der Staat für ein weitgehend automatisiertes Verfahren. Im Gegenzug wäre ein eigenes Steuereinzugssystem der Kirche viel teurer. Mit der Weimarer Verfassung wurde 1919 die Einheit von Thron und Altar aufgegeben und eine Kooperation vereinbart.

Melzer verteidigte auch das Privileg, dass die Kirchen den Religionsunterricht an staatlichen Schulen inhaltlich verantworten. Entscheidend sei allerdings, dass der Unterricht den Austausch mit anderen Religionen und Weltanschauungen fördere, wie dies in Hamburg praktiziert werde. "Der Religionsfrieden dient dem Frieden der Stadt."

Es sei ein Versäumnis der DDR-Schulpolitik gewesen, so die Berliner Linken-Politikerin Petra Pau, Vizepräsidentin des Bundestages, die religiöse Bildung zu vernachlässigen. Ohne Kenntnisse der Religion fehle grundlegendes Wissen über die Geschichte von Kunst und Kultur. Sie erwarte, dass die Kirchen sich zu allen wichtigen Themen des gesellschaftlichen Lebens äußern, auf parteipolitische Aussagen jedoch verzichten. Pau war in der DDR getauft und konfirmiert worden, als Jugendliche aber aus der Kirche ausgetreten.

Vor hundert Jahren habe die evangelische Kirche Demokratie und Weimarer Republik größtenteils abgelehnt, sagte der Kieler Historiker Hartmut Lehmann. Viele Kirchenvertreter hätten den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft begrüßt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg habe die evangelische Kirche länger als die katholische gebraucht, um die Demokratie zu unterstützen. Problematisch seien die gesellschaftspolitischen Privilegien, weil die beiden großen Kirchen langfristig weiter schrumpfen werden. Eine wichtige Rolle würden sie aber immer noch als "Tröster" bei Katastrophen und Unglücken spielen.
Quelle: epd

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