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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Woldegk

St. Petri Kirche zu Woldegk

St. Petri Kirche Woldegk (Foto: Doris Antony/wikipedia)
Statt des Fachwerkturms wurde Mitte der 60er Jahre ein Satteldach auf den Turmstumpf gesetzt
Turmtreppe
Die neue Turmhaube wurde neben der Kirche gebaut...
...und dann aufgesetzt.
In ihrer heutigen Gestalt besitzt St. Petri ein dreischiffiges Langhaus aus Backstein. Chorraum, Sakristei und der mächtige Unterbau des Turms sind allerdings aus Feldsteinen gemauert. Sie stammen vom ersten größeren Kirchbau an dieser Stelle, der um 1250 im Zusammenhang der Stadtgründung entstanden war. Vermutlich nach dem großen Brand von 1442 wurde das beschädigte Langhaus abgerissen. Für den Wiederaufbau hatte man sich entschieden, es mit Seitenschiffen zu erweitern. Verheerende Brände haben die Kirche immer wieder in Mit­leiden­schaft gezogen. So konnten nach einer erneuten Katastrophe 1547 die Stern- und Kreuzgewölbe des neuen Langhauses erst 1556 wieder fertig gestellt werden.

Nach Plänen von Baurat Eugen Müschen, Neustrelitz wurde die Kirche 1902 umgebaut: Der Fachwerkturm verlor seine barocke Haube, Altar, Kanzel, Emporen und Orgelprospekt wurden neogotisch gestaltet und die Flachdecke des Chorraums durch ein Kreuzgewölbe ersetzt.

Am 29. April 1945 war es wiederum ein Stadtbrand, der auch die Kirche bis auf die Grundmauern zerstörte. Zum Erntedankfest 1957 konnte sie wieder eingeweiht werden, aufgebaut mit viel Engagement und pragmatischen Lösungen, beispielsweise einer einfachen Holz­decke und einer schlichten Inneneinrichtung. Mitte der 60er Jahre war auch deutlich geworden, dass der Turm nicht wieder aufgebaut werden konnte. Schweren Herzens setzte man über den Feldsteinsockel ein hohes Satteldach. So war das Gemäuer geschützt und die drei neuen Glocken von 1951 und 54 konnten wieder geläutet werden. In die große Glocke waren die aufgefundenen Reste der beim Brand ge­schmol­zenen letzten Woldegker Glocke eingearbeitet worden.
TurmtagebuchMit der Gründung des »Vereins zum Wieder­aufbau des Kirchturms der St. Petri Kirche zu Woldegk e.V.« im Jahre 1994 begannen die Bemühungen, diese Kriegswunde zu heilen und ein Detail des Stadtbildes wieder erstehen zu lassen. Der Verein unter Vorsitz von Bäcker­meister Egon Kandler blieb beharrlich am Ball. So kam schließlich die Finanzierung zustande, an der sich neben Kirchgemeinde und Verein die Landeskirche Mecklenburgs, die Stadt Woldegk und viele Einzelspender beteiligten. Besonders die Fertigung von Namensziegeln und der ›Verkauf‹ von Treppenstufen waren erfolgreiche Aktionen. Rund 675.000 Euro waren aufzubringen. Architekt Ullrich Schmidt, Neubrandenburg projektierte einen Turm, der innen von einer Stahl-Leimholzkonstruktion getragen wird, nach außen aber das traditionelle Fachwerk zeigt. Nach rund einjähriger Bauzeit konnte der Turm am 6. Oktober 2007 auf den Tag genau 50 Jahre nach der Einweihung der Kirche von der Kirchgemeinde in Besitz genommen werden. Der Bau war von einem enorm großen öffentlichen Interesse begleitet worden. Die Entdeckung des mittelalterlichen Turmaufgangs im Gemäuer, das Aufsetzen der separat gefertigten 24 Meter hohen Turmhaube und das Sammeln für den Neuguss der kleinsten Glocke und deren Einholung waren besondere Höhepunkte. Die Turmuhr wurde von einem Unternehmer gespendet. siehe Turm-Tagebuch

Sehenswerte Details der Kirche sind am Ostgiebel der Außenmauer ein Weihekreuz aus dem 13. Jahr­hundert und die Kreuzigungsgruppe auf dem Altar. 2002 wurde sie als Dauerleihgabe von der Kirchgemeinde Vietlübbe übernommen. Sie zeigt Maria und Johannes unter dem Kreuz und ist eine Schnitzarbeit von 1863.

Die Orgel ist ein pneumatisches Instrument, das 1959 von Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) als opus 1721 erbaut wurde. Aufgrund eines enormen Winterschadens wird die Orgel 2010/11 gründlich instand gesetzt.

Bereits 2002 konnte das Dach der Sakristei nach altem Vorbild wieder hergestellt werden. Damit wurde die Ursache für die Feuchtigkeit im Mauerwerk an der Südseite des Chorraums beseitigt. Im Zusammen­hang damit musste innen der Putz entfernt werden. Dabei kam eine zugemauerte Nische zum Vorschein, die mittlerweile geöffnet ist. Reste der mittel­alter­lichen Ausputzung wurden gefunden, die Spuren einer Bemalung aufweisen.

Zur Zeit werden zwei Projekte verfolgt. Zum einen ist die Dacheindeckung erneuerungsbedürftig. Da dem großen Dach größere und schwerere Biber besser entsprechen, muss die Stabilität des Dachstuhls erhöht werden. Zum anderen strebt die Kirchgemeinde eine Gesamtkonzeption für den Innenraum an. Bei der Verwirklichung soll dann aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Neugestaltung der Kirchenfenster begonnen werden.

Gemeindehaus Woldegk
Federzeichnung von Eugen Müschen
Gemeindehaus in Woldegk

Die schöne Federzeichnung auf festem Karton ist von 1882. Eugen Müschen, Neustrelitz hat darauf das neue Küsterhaus entworfen und gezeichnet. Es wurde 1884 an der Stelle auf dem Kirchplatz gebaut, an der es bereits vorher nacheinander mehrere Küsterschulen gegeben hatte. Bereits 1571 soll geplant gewesen sein, »in dem Häuschen am Kirchhof, so aus einer Kapelle erbaut, eine Küsterei einzurichten.« (H. Schüßler, Woldegk Stadt der Windmühlen Von den Anfängen bis 1945)

Allerdings verlor die Küsterklasse bei der Trennung von Staat und Kirche ihre Bedeutung und ging ein. Das Haus wurde weiterhin als Wohnung des Küsters genutzt und zugleich als Versammlungsort der Kirchgemeinde. In den Wintermonaten fanden die Gottesdienste in der ehemaligen Schulstube statt.

Seit Ende der 1980er Jahre ist es ausschließlich Kirchgemeindehaus. Eine umfangreiche Modernisie­rung begann 2002 und konnte 2010 abgeschlossen werden. Für die Treffen in der Gemeinde sind sehr gute Bedingungen entstanden. Die Gästewohnung wird dabei ebenso genutzt wie der Jugendkeller.