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Kirchenregion Müritz

St. Mariengemeinde in Waren verabschiedet Pastor Leif Rother

Von Sophie Ludewig

22.02.2015 ǀ Waren.  22 Jahre war Leif Rother Pastor der Warener Mariengemeinde. Am heutigen Sonntag wurde er im Gottesdienst verabschiedet. Rother wird ab 1. März Kur- und Krankenhausseelsorger in Röbel und Waren.

„Zweiundzwanzig Jahre sind schon eine lange Zeit“, sagt Leif Rother mit einem etwas wehmütigen Lächeln. So lange wie er ist kein anderer Pastor in der Warener St. Mariengemeinde geblieben. Als er im September 1992 nach dem Studium in Rostock in die Kleinstadt an der Müritz entsandt wurde, sei das alles noch ziemlich aufregend für ihn gewesen. „Die erste Pfarrstelle ist für einen Pastor immer etwas ganz Besonderes. Hier wurde ich ordiniert, hier sind unsere beiden Kinder aufgewachsen – da spürt man schon eine tiefe Verbindung zu diesem Ort“, blickt der 51-Jährige zurück.

Von Anfang an habe er eine große Offenheit in der Gemeinde erlebt: „Mein Vorgänger, Hans- Werner Fehlandt, war 19 Jahre lang hier Pastor. Trotzdem hieß es nicht: Der hat dies und jenes immer so gemacht, und von Ihnen erwarten wir dasselbe. Ich habe es immer als großen Segen empfunden, dass ich vieles ausprobieren und neue Ideen verwirklichen konnte.“

Dazu gehörten beispielsweise die musikalischen Nachtgebete und Stille-Gottesdienste mit dem Musiker Torsten Harder, die Hörspielkirche in Federow, die Einrichtung der evangelischen Schule und das Gemeindesabbatjahr. „Ich wünsche mir, dass die Gemeinde meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin mit der gleichen Offenheit begegnet.“

Dankbar sei er auch für die große Bereitschaft der Gemeindemitglieder zu ehrenamtlichem Engagement. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich hier ein Einzelkämpfer bin. Es herrscht ein guter Zusammenhalt, man kann sich einfach auf den anderen verlassen.“ Ob mit den anderen hauptamtlichen Mitarbeitern, dem Frauenkreis oder dem Posaunenchor: Die Zusammenarbeit sei über all die Jahre hinweg stets gut verlaufen. „Das war schon ein großes Geschenk“, findet der gebürtige Rostocker.

Starker Rückhalt in der Gemeinde

Für eine gute Grundatmosphäre in der Gemeinde zu sorgen, sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. „Ich wollte, dass alle, so verschieden sie auch sind, sich angenommen fühlen, und dass die Eintracht in Christus für jeden Einzelnen spürbar wird.“ Auch wenn Streit und Konflikte in manchen Fällen natürlich nicht ausblieben, habe er immer einen starken Rückhalt in der Gemeinde erfahren. Besonders eindrücklich erlebte er dies im Jahr 2008, als eine schwere Erkrankung ihn von einem Tag auf den nächsten zu einer beruflichen Pause zwang. „Die Gemeinde hat sehr viel tatkräftige Unterstützung geleistet, damit ich ihr trotz Krankheit als Pastor erhalten bleiben konnte. Das war eine sehr bewegende Erfahrung für mich.“

Eine andere Pfarrstelle zu übernehmen, kam für ihn lange nicht in Frage. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in St. Marien möchte Leif Rother nun aber doch noch etwas Neues wagen. Am 1. März tritt er seine Anstellung als Kur- und Krankenhausseelsorger in Waren und Röbel an. Der Abschied von seiner alten Gemeinde falle ihm zwar etwas schwer, aber er habe das Gefühl, dass die Zeit dafür jetzt reif sei. „Ich freue mich darauf, dass der Schwerpunkt ab März vor allem auf der Seelsorge liegen wird, denn darin habe ich immer meine Hauptaufgabe gesehen“, sagt Pastor Rother. Durch seine eigene Erkrankung habe er außerdem noch einmal einen anderen Zugang zum Lebens- und Arbeitsbereich Krankenhaus gefunden: „Es ist mir vertrauter geworden. Als bedrückend empfinde ich es nicht mehr.“

Ganz aus der St. Mariengemeinde wird er auch in Zukunft nicht verschwunden sein: „Meine Frau Dorothea und ich bleiben weiterhin Mitglieder.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 08/2015