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Christliche Spiritualität als Lebensform des Glaubens

 

Loccum (velkd). Die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD) beriet das Schwerpunktthema „Lutherische Spiritualität“ lebendiger Glaube im Alltag".

 

Der Beschluss im Wortlaut:

 

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...", das spüren heute viele Menschen. Wir sehnen uns als Christen mit ihnen nach Erfahrungen, die über die Sorge um das tägliche Brot hinaus führen. Was kann einen zerrissenen Alltag ganz und heil machen? Wo finden wir einen Weg, auf dem Glauben und Tun, Erfahren und Nachdenken zusammenkommen? Wie finden wir den Grund für ein Vertrauen, das sich in aller Unsicherheit und Zukunftsangst bewährt?

 

Wir erleben, welche verändernde Kraft von Gebeten, Liedern und Kerzen ausgehen kann. Mehr als früher werden wir aufmerksam auf den Einfluss, den Stille und Klänge, Gerüche und Farben, gestaltete Räume und Körperübungen auf uns ausüben. Äußere Formen erweisen sich als hilfreich auch für unser inneres Erleben.

 

In allen Religionen begegnen wir Formen der Suche nach Gott, sehen wir praktische Übungen und Lebensformen, die Glauben und Wissen, Erfahrung und Hoffnung zusammenbringen wollen. Es gibt eine neue Sehnsucht nach Spiritualität innerhalb und außerhalb der Kirchen.

 

Wir entdecken: Wir leben nicht vom Brot allein, sondern von Gottes Wort, das uns als Person anredet und Segen vermittelt. Als Christinnen und Christen lernen wir Gott durch Jesus Christus kennen ˆ als einen dem Menschen zugewandten und lebendigen Gott. Er ermutigt uns, inne zu halten und Antworten zu finden und zu geben. Seine Liebe ruft unsere Liebe hervor, sein Vertrauen unser Vertrauen, sein Geist unsere Begeisterung.

 

Wir lernen unsere eigenen Überlieferungen und Gaben wieder neu schätzen:

 

I.

Im Gebet begegnet uns Gott, ihm können wir unser Glück danken und unser Leid klagen.

 

II.

Aus dem Lesen und Meditieren der Bibel schöpfen wir die Erkenntnis Gottes, erkennen wir uns selbst und die Wahrheit über unsere Beziehungen zueinander.

 

III.

Durch Singen und Weitersagen wächst unser Gottvertrauen dank vielfältiger Bewahrung im Leben und im Sterben und wirkt sich in der Begegnung mit anderen aus.

 

IV.

Um Christi willen fragen wir nach den Anderen und suchen die Gemeinschaft der Glaubenden.

 

V.

Wir schöpfen Kraft aus dem Wechsel von Alltag und Sonntag, aus den Rhythmen und Ritualen des Kirchenjahres.

 

 

Wir erleben Formen gelebter Spiritualität, die uns ansprechen, Männer und Frauen, die uns in ihrer geistlichen Erfahrung zu Vorbildern werden. Wir entdecken religiöse Formen aus eigenen und anderen Traditionen neu.

 

Welche führen uns in die Begegnung mit Gott? Welche in eine lebendige Beziehung zu Christus, in der wir seine heilende Nähe erfahren?

 

Keine Form, keine rituelle Übung kann das aus sich heraus. Sie sind wichtig, und ihnen soll viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Aber sie garantieren die Begegnung mit Christus nicht. Das bewirkt der Heilige Geist.

 

Dieses geistliche Leben richtet sich auf Jesus Christus. Das entscheidende Kriterium besteht darin, dass sowohl die Beziehung zwischen Christus und uns als auch untereinander von der Liebe bestimmt wird. Der Glaube schafft Formen, in denen die Liebe Gestalt gewinnen kann und erfahren wird.

 

Wir lernen, im Umgang mit Krisen und dunklen Mächten geduldig und widerstandsfähig zu werden, und richten unseren Blick auf Jesus Christus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.

 

Tagung vom 12. bis 15. März 2005 in Loccum bei Hannover.

 

(27.3.2005)

 

 


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