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Seemannsmission Saßnitz öffnet nach drei Jahren Pause wieder

Ein Lächeln für die Seemänner

Von Christine Senkbeil

Marianne Plamper (re) gehört zum Ehrenamtlichen-Team des Seemannsclubs im Fährhafen Mukran.
25.09.2016 ǀ Saßnitz.  Skypen, Darten, Tischtennis. Die neue Seemannsmission in Saßnitz bietet den Seeleuten, was sie an Bord am meisten vermissen. „Kirche muss sich dort noch einbringen“, sagt Nordirchen-Seemannspastor Ristau.

Marianne Plamper war von Anfang an dabei. Schon 1994, als die aus Bremen stammende Pastorin Pörksen sie fragte, ob sie mitmacht. Im Saßnitzer Grundtvig-Haus entstand damals eine Seemannsmission. „Wir haben Gardinen genäht und versucht, es den Männern ein bißchen heimelig zu machen“, erzählt die herzlich lächelnde Saßnitzerin. Heute feiert die Seemannsmission ihre Wiedereröffnung – diesmal sechs Kilometer entfernt vom Stadtkern, direkt im Fährhafen Mukran.

Noch wirken die aus einer Wartehalle umgestalteten Räume im Obergeschoss des gläsernen Fährterminals etwas steril – es ist nicht die urige Atmosphäre einer alten Seemannsspelunke. Andrang herrscht an der Billardplatte, auf grauen Fliesen blinkert ein Dart-Automat. Aus einem Separee lockt eine Lichterkette in den Karaoke-Raum. Dahinter versteckt ein Gebetstischlein, das sich Göttin Shiva und das Christus-Kreuz mit anderer Dekoration teilen.

"Wir brauchen dringend Leute“

Den „Seemannsclub“, nennen es Hafenkapitän Peter Leukroth, der Vorsitzender der Seemannsmission und Horst Sievers vom Port Mukran, die das hier aufbauten – unterstützt von Stadt, Hafen und Nationalparkzentrum. „Wir wollten den Seeleuten zurückgeben, was wir selbst auf der ganzen Welt angetroffen haben“, sagen die Ex-Seemänner. „Einfach einmal von Bord kommen“, wie einer der Seeleute vom Getreidefrachter sagt. Internet haben, um mit der Familie in Kontakt zu treten, Sich unterhalten, spielen, auf andere Gedanken kommen. Um die 10 der 28 Vereinsmitglieder versuchen diese Herausforderung Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr zu stemmen. Marianne Plamper ist regelmäßig da, um Seeleute zu empfangen. Meistens allerdings dauert es länger. „Wenn sie dann mit zu Hause skypen und man hört hinten irgendwo ein Kind weinen, dann sagt man natürlich nicht: ihr müsst hier jetzt raus.“ Auch Cornelia Bauch möchte helfen, die als Verbindungsfrau zwischen Hafen und Schiffen arbeitet und auch zur Eröffnung gekommen ist. „Schön! Wir brauchen dringend Leute“, freut sich Marianne Plamper. Bislang ist sie als einzige aus dem Team in der Kirche.

„Den christlichen Bezug zur Seefahrt gibt hier nicht mehr“, sagt Ortspastor Peter Nieber, der als Gastgeschenk zwei französische Bibeln mitgebracht hat. Auf heimischem Terrain bewegt er sich hier nicht, das ist deutlich zu spüren. „Es gibt Ressentiments auf beiden Seiten“, gibt er unumwunden zu. „Inhaltlich ist das hier nicht mehr Kirche“, sagt er. Da er auch als Notfall-Seelsorger arbeitet, wird er natürlich zur Verfügung stehen, wenn einer der Seeleute seelischen Beistand braucht.

2013 schloss die Seemannsmission

2013 hatte die Seemannsmission ihre Türen nach finanziellen Engpässen des Vereins geschlossen. „Es gab auch kaum noch Seeleute“, sagt Sievers, „Wir hatten hauptsächlich den Fährbetrieb und die blieben nur ein paar Stunden im Hafen.“ Als Pastor Nieber und seine Frau Marianne nach Saßnitz kamen, hatte das Leben ein anderes Thema gesetzt: Flüchtlinge. „Das ist der Schwerpunkt in unser Gemeindearbeit“, sagt er. Saßnitz sei zwar nicht der Ort, wo man als Flüchtling bliebe, aber für viele sei es wichtige Durchgangsstation. Hochdruck gab es voriges Jahr in den zwei Monaten, als die Flüchtlinge nach Schweden weiterdurften und für Stunden vor der Fährfahrt betreuen werden mussten, manchmal über Nacht. „Da haben wir täglich 200 Menschen versorgt“, erzählt seine Frau. Pastor Nieber hat bisher 25 islamische Flüchtlinge getauft und ist auch Anlaufpunkt, wenn es um Papiere, Anwaltsgespräche geht. Der Aufbau der Mission blieb also in Händen von Hafen und Kommune.

„Das müssen wir jetzt ausbauen“, findet Nordkirchenpastor Matthias Ristau. Er unterhält sich auf Englisch mit den Seeleuten, lächelt viel. „Ich wollte mir ein Bild machen und schauen, wie wir als Nordkirche hier unterstützen können“, sagt er. Das nicht genug Kirche drin ist, besorgt ihn weniger. „Das ist in anderen Häfen auch so. Jetzt kommt es darauf an, wie wir zu den Leuten kommen.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 39/2016