 |
 |


Auf dem Podium: Pfr. Matthias Gürtler, KP Ulrich Seelemann, Friedrich Eydam, Andreas Ruwe
|
 |


Ulrich Seelemann
|
 |


Frage von Luer Kühne
|
 |


Weitere Anfrage
|
Berliner Konsistorialpräsident: Anschluß der Pommerschen Kirche 2009 möglich
Greifswald (ran). Zur Informationsveranstaltung mit dem Konsistorialpräsidenten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Ulrich Seelemann, im Greifswalder Lutherhof waren 35 Zuhörende gekommen, vor allem Gegner einer Kirchenfusion von Pommern, Mecklenburg und Nordelbien. Zu dieser Veranstaltung hatte die Greifswalder Gemeinde St. Nikolai am Freitagnachmittag eingeladen.
Der Greifswalder Alttestamentler Andreas Ruwe warf in seiner Einführung der Landeskirche eine „nicht faire und offene Informationspolitik“ über die beiden Möglichkeiten des Zusammenschlusses mit einer anderen Kirche vor: „Es entsteht der Eindruck, unsere Kirchenleitung hat nur deshalb in Richtung EKBO sondiert, um aus der Sackgasse mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) herauszukommen. Nun muß man den Schluß ziehen, daß die EKBO-Lösung nie ernsthaft verfolgt wurde, sondern daß sie ein Mittel war, um aus der Zwangsheirat mit der ELLM herauszukommen.“
Der Berliner Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann sagte zu Beginn, daß er keine Werberede für die EKBO-Lösung halten wolle, sondern um eine Entscheidungsgrundlage zu geben und er fügte hinzu: „Ich habe den Eindruck, daß nicht alle Informationen umfassend weitergegeben worden sind.“
Dann berichtete Seelemann, daß die jetzige EKBO Fusionserfahrungen mit einer Westkirche (Berlin) und einer Ostkirche (Schlesische Oberlausitz) habe. Im Jahre 2000 habe man alle östlichen Kirchen eingeladen, um eine neue Grundordnung zu schaffen. Die pommersche Kirche habe anfangs mitgearbeitet, sei dann aber ausgestiegen. Ein Anschluß der PEK an die EKBO sei zügig machbar: „Sollten wir zusammenkommen, kann das notwendige Anpassungsgeschäft relativ schlank und schnell geschehen und bald eine neue kräftige Kirche entstehen, die zum Alltagsgeschäft übergehen kann.“ Seelemann warf den Ausschüssen der Landessynode der Pommerschen Kirche vor, daß diese mit der EKBO nicht geredet hätten.
Hinsichtlich des Zeitpans meinte er, daß ein Anschluß zeitlich noch ab 2009 zu schaffen sei, da dann in der EKBO die landeskirchlichen Gremien neu gebildet würden und eine Bischofswahl vollzogen werden würde - dies sei allerdings „ein sehr sportlicher Zeitplan.“ Sollte es allerdings später sein, dann wolle er 2010 nicht wieder anfangen, denn er arbeite ungerne mit Übergangsgremien: „Dann wäre eine spätere Zeit besser.“
In der Diskussion fragte Chris Anton aus Greifswald, wie die Synergieeffekte und Einsparungsmöglichkeiten bei einem Beitritt der Pommern zur EKBO lägen. Seelemann sagte, daß das Konsistorium in Berlin die landeskirchlichen Aufgaben mit übernehmen würde und daß es „eine Stelle des höheren Dienstes und etwas Anpassung im mittleren Dienst erfordert. Damit könnten wir die Arbeit in einer gemeinsamen Kirche erledigen.“ Das bisherige Konsistorium wäre dann ein Verwaltungsamt der pommerschen Kirchenkreise.
Der Greifswalder Archivar Joachim Wächter sagte, daß es „uns Pommern wichtig ist, daß unsere Identität gewahrt bleibt und daß wir nicht in einem gemeinsamen Kirchenbrei untergebuttert werden, wie es mit Mecklenburg der Fall gewesen wäre.“ Wenn die jetzige Landeskirche in einer Nordkirche ein Kirchenkreis wäre, „ist eine Verständigung untereinander wegen der Größe fast ausgeschlossen.“ Er forderte, daß die pommersche Kirche auch bei einem Beitritt zur EKBO eine gemeinsame Synode haben müßte. „Da wäre es gut, wenn die EKBO etwas flexibler sein könnte, als es jetzt der Fall ist." Seelemann antwortete, daß man sich damit schwer tun würde, denn man wolle keine zusätzliche Hierarchieebene schaffen. Der Generalsuperintendent sei nicht in eine Verwaltungsebene eingebunden, sondern dies sei ein rein geistliches Amt. Der Generalsuperintendent werde von den Synodalen des Sprengels zusammen mit den Superintendenten gewählt, sagte Seelemann in diesem Zusammenhang auf Nachfrage.
Der Weitenhägener Lüer Kühne warf der Landeskirche eine ungenügende Informationspolitik vor und daher sei eine Willensbildung der Gemeinden unumgänglich und er fragte Seelemann nach den Gehaltsstrukturen. Der Berliner Konsistorialpräsident sagte, daß es keinen Neubildungsprozeß der Kirchen geben würde und man sollte nicht nur sehen, wo man möglichst viel Geld bekomme. „Ich kann den pommerschen Geschwistern nicht versprechen, daß sie die Gehälter bekommen, die man jetzt in der nordelbischen Kirche hat.“ Bei den Pfarrgehältern habe man den Westtarif in Berlin eingefroren und den Osttarif erhöht: „In spätestens zwei Jahren sind sie gleich,“ sagte Seelemann. Bei der schlesischen Oberlausitz dauere die Anpassung bis etwa 2010.
Der frühere Landessynodale Manfred Sell warf der Kirche vor, daß „die Kirchenleitung und die Synode unverantwortlich etwas unternimmt, um der EKD-Prämisse gerecht zu werden,“ und er sah die Gefahr, daß durch Zusammenlegungen immer weniger Interesse an der Kirche entstehen würde, da man „in einem kirchenfeindlichen Umfeld lebt.“
Seelemann widersprach dieser Charakterisierung und meinte, daß er keine kirchenfeindliche Umwelt erfahre: „Ich erlebe dagegen eine Kirchenvergessenheit. Die Menschen wissen nicht mehr, was Kirche ist“ und dadurch entstehe auch eine Neugier, etwa in den evangelischen Schulen.
Die Greifswalder Pfarrerin Ursula Hardmeier sagte, daß es nötig sei, die Gemeinden zu befragen und stellte ein Kirchenvolksbegehren in den Raum. Nach den eindeutigen Versammlungen im Frühjahr, die nach ihrer Meinung ein deutliches Votum für die EKBO gegeben hätten, sei dies in der Kreissynode nicht zur Sprache gekommen. Daraufhin antwortete die Vizepräses der Landessynode Elke König, daß es für einen Antrag an die nächste Woche tagende Landessynode zu spät sei. Die darauffolgende Synode sei im April 2008.
Zum Abschluß sagte der Greifswalder Pfarrer Matthias Gürtler, „daß die Wahrheit noch vor uns liegt.“ Noch gebe es in beide Richtungen zuwenig Informationen: „Die sind ungleichgewichtig und da hat die Wahrheit Schaden genommen." (10.11.2007)
Siehe auch:
Prüfbericht EKBO (840 KB)
Sondierungsbericht Nordkirche (3,8 MB),
Berichte der pommerschen Kreissynoden: Stralsund, Demmin, Greifswald und Pasewalk.
Lesehilfe zum Vergleich EKBO-Nordkirche (280 KB) 
|