Nachfolger von Schoeps in Berlins Jüdischer Gemeinde gewählt
Berlin (epd). Der Bankfachmann Dan Moses ist am Mittwochabend zum Vizevorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde gewählt worden. Der 56-jährige Ökonom ersetzt den Potsdamer Historiker Julius Schoeps, der Mitte April als stellvertretender Gemeindevorstand und Kulturdezernent überraschend zurückgetreten war. 13 der 14 anwesenden Gemeinderepräsentanten votierten ohne Diskussion für Moses, den Gemeindevorsitzender Albert Meyer vorgeschlagen hatte.
Moses, der die Berliner Repräsentanz einer israelischen Bank leitet, soll künftig für die Finanzen der Gemeinde verantwortlich sein. Dem bisherigen Finanzdezernenten Fredy Gross teilte der Vorstand das Bildungsressort zu. Die bisher von Schoeps verantwortete Kulturarbeit übernimmt Meyer künftig selbst. Mit Moses kommt ein Mitglied des Finanz- und Kultusausschuss in die Gemeindespitze, das nicht der 21-köpfigen Repräsentantenversammlung angehört.
Wie Schoeps dem epd sagte, habe er zu seinem Amtsantritt als Kulturdezernent das Ausmaß der Schwierigkeiten in der Gemeindearbeit unterschätzt. Unter anderem seien die Jüdischen Kulturtage 2000 mit ihrem Budget von umgerechnet rund 250.000 Euro noch immer nicht abgerechnet, Mahnschreiben des Senats mehrfach ignoriert worden. Dafür wolle er nicht gerade stehen müssen. "Ich habe mir 100 Tage gegeben", sagte Schoeps. In dieser Frist habe er keine professionelle Arbeit beginnen können. Das Problem liege auch darin, "dass die Gemeinden nach 1945 mit viel Geld aufgepäppelt und völlig korrumpiert worden seien".
Zuvor war es während des Vorstandsberichtes zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Schoeps und Meyer gekommen. Wegen der Finanzierung der Kulturtage bezichtigte der bisherige Vizevorsitzende den ebenfalls erst zu Jahresanfang neu gewählten Gemeindechef Meyer öffentlich der Lüge, entschuldigte sich jedoch dafür später.
Als weiteres Problem in der Gemeindearbeit hatte Schoeps bereits in den Vortagen die Tätigkeit der streng orthodoxen Vereinigung "Chabad" genannt, die in immer mehr jüdischen Gemeinden in Deutschland an Einfluss gewinne. "Chabad ist eine Sekte", sagte der Leiter des Potsdamer Moses-Mendelsohn-Instituts dem epd. Unter dem Dach der Berliner Jüdischen Gemeinde errichtet Chabad derzeit ein Familien- und Bildungszentrum. (06.05.2004) 
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