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Sanierungsarbeiten in Boldekow gestartet

Grauer Kirchturm erstrahlt bald in roter Farbe

In der zurückliegenden Woche wurde rund um den Fachwerkturm der Kirche in Boldekow das für die Sanierungsarbeiten nötige Baugerüst errichtet.
01.09.2015 ǀ Boldekow.  Am Montag (31. August) startete die Sanierung des Turms der Dorfkirche in Boldekow. In der zurückliegenden Woche wurde bereits das dafür nötige Baugerüst rund um den Turm errichtet. Während einer Beratung vor Ort besprachen Pastor Philipp Staak, Architekt Ulf Kirmis und Restaurator Peter Wagner mit Vertretern der an der Sanierung beteiligten Handwerksbetriebe die Details des Vorhabens.

Kirchturm in leichter Schräglage

Der Fachwerkturm weise zahlreiche Holzschäden auf, so Ulf Kirmis während der Bauanlaufberatung. Zudem neige sich der Turm in Richtung Westen. Das wird auch die Seite sein, an der die Sanierungsarbeiten starten, da hier die meisten Schäden zu finden sind. „Es wird wirklich Zeit, dass wir anfangen“, sagte der Architekt mit Blick auf herausbröckelnden Putz und lockere Steine zwischen den Fachwerkbalken. Die Löcher sind teilweise so groß, dass einige bereits von unten sichtbar sind.

Feuchtigkeit führte zu Holzschäden

Die Holzschäden im Gebälk des Turms hingegen offenbaren sich erst bei näherer Betrachtung. Viele der Balken sind vermodert und teils regelrecht ausgehöhlt. Ursache hierfür sind vor allem Baufehler aus früheren Sanierungs-Kampagnen. So wurde in den 1990er-Jahren ein Zementputz verwendet, der in seinen Mikro-Poren die Feuchtigkeit hält und so den Verfall des Holzes stark beschleunigt. Zudem führt diese Speicherung von Nässe zu Frostschäden. Der Zementputz wird daher während der Arbeiten vollständig entfernt werden.

Farbreste sorgen für Begeisterung

Das neue Fachwerk wird vollständig mit traditionellen Verbindungen zusammengefügt, so wie auch die gesamte Turmsanierung ganz nach den Vorgaben des Denkmalschutzes erfolgt. Stets ein Auge darauf hat Restaurator Peter Wagner, der während der Vorortbegehung auf dem Baugerüst eine wichtige Entdeckung machte. „Bislang konnten wir die frühere Farbgebung des Turms nur vermuten“, so Peter Wagner. Doch winzige Farbreste an der Nordseite des Turms, nur für das Auge des Fachmanns erkennbar, sorgen nun für Gewissheit: Der Turm war nicht grau, so wie er jetzt ist, sondern in rötlichem Ocker gestrichen. So wird er dann auch wieder nach dem Abschluss der Restaurierung erstrahlen, den sich Ulf Kirmis noch vor Weihnachten erhofft.

Sanierter Turm wird Blickfang

Bei Philipp Staak sorgte der Farbfund für große Freude. „Mit dieser Farbe wird der Turm ein Knaller“, ist sich der Pastor sicher. Nicht nur die Gefache werden rot bemalt, auch die Balken bleiben nicht dunkelbraun, sondern bekommen einen entsprechenden roten Farbanstrich. „Fachwerk war früher gleichbedeutend mit Armut und das wollte man natürlich an so einem repräsentativen Gebäude wie der Dorfkirche nicht zeigen“, so der Pastor. „Und für die Gemeinde bin ich begeistert, da trotz der übermächtigen Bauverpflichtungen – in der Summe sind es 13 Kirchen und Kapellen und zahlreiche weitere Gebäude – der Erhalt der Boldekower Kirche Wirklichkeit werden kann. Viele Pastoren haben sich zu DDR-Zeiten mit der Gemeinde um den Erhalt gemüht. Und daher ist es besonders erfreulich, dass wir dies nun endlich schaffen werden.“

Langer Weg zur Finanzierung

„Sieben Jahre hat es gedauert, die Finanzierung zu stemmen. Wir sind froh, dass es nun endlich geklappt hat und losgehen kann“, äußerten sich Pastor und Architekt zum Baustart gleichermaßen erleichtert. Insgesamt 140.000 Euro kostet die Instandsetzung des Boldekower Kirchturms. Finanziert wird das Vorhaben durch den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis (50.000 Euro), durch Fördermittel zur Erhaltung und Restaurierung von Denkmalen des Landes Mecklenburg-Vorpommern (70.000 Euro), durch den Verein Dorfkirchen in Not e. V. (5.000 Euro), die Sparkassenstiftung (5.000 Euro), die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (5.000 Euro) sowie durch Eigenmittel der Kirchengemeinde.
Quelle: PEK (sk)



Architekt Ulf Kirmis geht gemeinsam mit Vertretern der an der Sanierung beteiligten Handwerksbetriebe sowie mit Pastor Philipp Staak (3.v.l.) die Grundrisse des Kirchturms durch.
Gemeinsam begutachten Pastor Philipp Staak und Restaurator Peter Wagner (stehend) in luftiger Höhe die Schäden auf der Nordseite des Boldekower Kirchturms. Dabei kommen Reste der alten Farbgebung des Turms zum Vorschein.