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Holocaust

Rostocker "Stolpersteine" für Bruno und Margarete Danziger

04.02.2014 ǀ Rostock.  In Rostock werden am Mittwoch (5. Februar, 15 Uhr) "Stolpersteine" für zwei Juden eingeweiht, die in der NS-Zeit gewaltsam ums Leben kamen. Die Gedenkzeichen für das Ehepaar Bruno und Margarete Danziger befinden sich vor dem Haus Ludwigstraße 31, teilte die Begegnungsstätte für jüdische Kultur "Max-Samuel-Haus" mit. Gespendet wurden ein Stein von der Rostocker Unternehmerin Claudia Maruniak und der andere durch die in Australien lebenden Nachkommen von Bruno und Margarete Danziger.
 
Bruno Danziger wurde am 18. August 1885 in Thorn (heute Torun in Polen) geboren und wuchs dort auf. Er zog als Soldat in den Ersten Weltkrieg und erhielt für seinen Einsatz das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Nach Kriegsende war er im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten aktiv. Im Juli 1919 heiratete er Margarete Stargardter (geb. 12. März 1892) in ihrem Geburtsort Elbing. Nachdem Thorn nach einer Volksabstimmung 1920 polnisch wurde, musste das Ehepaar Danziger, das für Deutschland gestimmt hatte, aus seiner Heimatstadt fliehen. Ende 1920 zogen beide nach Rostock, wo sie in der Ludwigstraße 31 einen Getreide- und Futtermittelhandel aufbauten.

Das Ehepaar Danziger gehörte "zu den respektierten und aktiven Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde", hieß es. Beiden sei der Gedanke an eine Flucht aus Deutschland vollkommen fremd gewesen. Sie hätten sich als Deutsche gesehen. Bis zum Jahr 1936 blieb ihre Getreidehandlung ein erfolgreiches Unternehmen.

Nach der Reichspogromnacht gehörte Bruno Danziger am 11. November 1938 zu den jüdischen Männern, die im Landeszuchthaus Alt-Strelitz inhaftiert wurden. Am 2. Dezember wurden alle ehemaligen Frontkämpfer aus dem Zuchthaus freigelassen. Den beiden Söhnen des Ehepaares gelang es 1939, über England nach Australien zu emigrieren. Ihre Eltern blieben in Deutschland. Nach den Bombenangriffen auf Rostock im Frühjahr 1942 fanden in ihrem Haus in der Ludwigstraße mehrere jüdische Familien eine Bleibe.

Bruno Danziger gehörte zum ersten Transport von Rostocker Juden in ein Konzentrationslager. Er wurde am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert und dort gleich nach der Ankunft vergast. Seine Frau Margarete wurde am 4. März 1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Das 2001 durch den Förderverein des "Max-Samuel-Hauses" initiierte Projekt "Stolpersteine" wird aus Spenden von Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen finanziert. Als Vorbild dienen Kupferplatten in anderen Städten. In Rostock werden jedoch größere Steine gewählt, da sie mehr Platz für den Namen, den letzten Wohnort, das Todesdatum und den Todesort bieten. Ein "Stolperstein" kostet 500 Euro.
Quelle: epd

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