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Von Konzert zu Konzert

Rostocker Jugendchor auf Sommerwanderung

22.07.2017 ǀ Rostock.  Zum 40. Mal geht in diesem Sommer eine große Gruppe Jugendlicher eine Woche lang zu Fuß durch Mecklenburg, übernachtet in Turnhallen, Pfarr- oder Gemeindehäusern und gibt abends Konzerte – in hoher Qualität. Und das alles freiwillig und mit ganz viel Spaß. Trotz auch mal auftretender Blasen.

Sie sind zwischen 14 und 19, die meisten aus Rostock, einige aus der Umgebung, aus verschiedenen Schularten. Die meisten gehören zur Johannisgemeinde. Einige sind nicht getauft, sie müssen aber bereit sein, die christlichen Grundsätze des Chores zu respektieren, betont Kantor Markus Johannes Langer. „Es hat auch schon Taufen von Chormitgliedern gegeben!“ Es eint sie ihre Freude am Singen, an der Chorgemeinschaft. Ein Mal in der Woche kommen sie abends zur Chorprobe, singen so alle sechs Wochen im Gottesdienst in der Johanniskirche. Das heißt für die Jugendlichen – mit Einsingen: auch am Sonntag früh aufstehen. Beliebter sind die Chorauftritte bei den Universitätsgottesdiensten, die sonntags abends stattfinden. Alle zwei Jahre singt der Chor fünf Mal im Advent die Weihnachtsgeschichte von Carl Orff auf Platt.

Seit 40 Jahren jeden Sommer machen sich Mädchen und Jungen des Choralchors der St.-Johannis-Kantorei Rostock mit ihrem Chorleiter – von 1978 bis 1999 mit Hartwig Eschenburg, der diese Tradition begründet hat, seit 2000 mit Markus Johannes Langer – und einem knappen Dutzend Betreuer auf den Weg zu Fuß von Kirche zu Kirche, irgendwo in Mecklenburg. Waren es bei der ersten Wanderung vor vier Jahrzehnten rund 40 Jugendliche, vor fünf Jahren sogar um die 100, so habe sich die Zahl jetzt bei rund 80 eingepegelt, sagt Kantor Langer.

Vorbereitung ist große Herausforderung

Es sei die Aktion im Kantoreijahr, die am meisten Vorbereitung braucht. Bereits im September fängt er an, die Tour für das nächste Jahr zu planen, fährt durchs Land, guckt sich Kirchen an, in denen der Chor Konzerte geben kann. Kantor Langer sucht Übernachtungsmöglichkeiten, spricht mit Pastoren, Schulleitern … Für rund 100 Menschen Schlafplätze und Toiletten sowie Waschmöglichkleiten zu finden, ist eine Herausforderung. Außerdem versorgen die gastgebenden Kirchengemeinden die Jugendlichen abends – das alles muss genau besprochen sein. Wenn in modernen Turnhallen übernachtet werden kann, sind die Sanitäranlagen meist sehr gut. Wird in Kirchen, Pfarrhäusern oder Gemeindehäusern geschlafen, muss auch mal ein Wasserschlauch im Garten reichen – dann sei es wie vor 30 Jahren.

In diesem Jahr geht es am Sonnabend, 22. Juli, in Witzin los, dann über Boitin, Rühn, Moisall, Hohen Luckow und Parkentin zurück nach Rostock. Jeden Abend wird in der jeweiligen Kirche des Ortes zu einer Geistlichen Abendmusik (immer 19.30 Uhr) eingeladen. Alte und neue Meister wie Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Melchior Franck, Marc-Antoine Charpentier, William Monk, Johannes Weyrauch, Fritz Werner, Kurt Hessenberg, Frank Martin und Bob Hurd stehen auf dem Programm – aber auch Paul Simons und Art Gafunkels „Rivers of Babylon“, in der Bearbeitung von Markus Langer für seinen Jugendchor. Es wird eine Uraufführung geben: Gunther Martin Götsche, Kirchenmusiker an der deutschen evangelisch- lutherischen Erlöserkirche in Jerusalem, hat den 84. Psalm, auch Pilgerpsalm genannt, für den Chor vertont.

Es sind nicht nur Chorsänger unterwegs, sondern auch zwölf Instrumentalisten, die zum Teil aus dem Chor hervorgegangen sind. Und natürlich die Helfer: Eine Krankenschwester, die Blasen versorgt und andere eventuell auftretende Unpässlichkeiten; Frauen, die das Frühstück bereiten; Fahrer des Transporters, der die Noten, Instrumente und auch mal Fußlahme mitnimmt ... und …

Abschlusskonzert in der Nikolaikirche

40 Jahre unterwegs – das wird am letzten Tag der Chorwanderung mit einem Ehemaligentreffen gefeiert, zu dem sich rund 350 Frauen und Männer angemeldet haben, sagt Markus Langer. Unter anderem Bischof Andreas v. Maltzahn und der Radiomoderator Andreas Kuhlage – beides ehemalige Choralchormitglieder. Sie werden den letzten Tag mitwandern. Das große Abschlusskonzert wird am Freitag, 28. Juli, in der Nikolaikirche stattfinden. Am Sonntag darauf, 30. Juli, singt der Choralchor mit den Ehemaligen im Gottesdienst in St. Johannis Sätze von Schütz, Mendelssohn- Bartholdy und Distler und Stücke aus dem Programm der ersten Singwanderung 1978.

Alle wünschen sich, dass bis zum Abschlusskonzert der langjährige Johanniskantor Hartwig Eschenburg aus der REHA zurück sein wird, um mit den Ehemaligen und den Neuen zu feiern.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 29/2017
Info

Das NDR-Fernsehen hat eine „Zeitreise“ über 40 Jahre Choralchorwanderungen gedreht. Sie wird voraussichtlich am Sonntag (23. Juli) im Nordmagazin zwischen 19.30 und 20 Uhr gesendet werden.