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Reformationsjubiläum 2017 in MV

Slüter-Denkmal vor der St. Petrikirche in Rostock

Was wird 2017 gefeiert?

In seinem Galaterbriefkommentar von 1535 schildert Martin Luther das menschliche Leben auf dieser Erde in eher düsteren Farben. Wir sehen dabei Menschen, die nach Glück streben und hoffen, mit ihrem Besitz, Macht und Ruhm glücklich zu werden. Wir treffen hier auch Menschen an, die mittels ihrer Religion, etwa mit dem Leben nach Klosterregeln, durch die Ausübung einer gewissen Frömmigkeit oder durch Mildtätigkeit dem Gott gefallen wollen, den ihre Religion ihnen vorsetzt, und die Ängste abbauen wollen, die dieser Gott ihnen macht. Wir finden hier aber auch die Menschen, die nicht zuletzt wegen der Religion Gott hassen, die der Religion trotzen und auf eigene Faust ohne Gott zu leben versuchen, Menschen, die besonders herausgefordert sind, die Richtigkeit ihres Weges zu beweisen. Wir treffen hier also auch die Menschen unserer Zeit an.

All diese Menschen – so unterschiedlich sie auch leben – stehen nach Luther „unter dem Gesetz“ oder „unter dem Zorn Gottes“ , und der Frieden, den sie alle letztlich suchen, bleibt aus. Gerade ihre Religion, die mit der Machbarkeit einer Gottesbeziehung rechnet, führt sie in die Irre. Am Ende ihres Weges steht der Tod. Das ist eine Erkenntnis, die nicht einfach so gegeben ist. Sie ist nicht selbstverständlich. Das ist eine Erkenntnis, die Luther erst gewinnt, wo Gott die Trennung zum Menschen überwunden hat, nämlich im Glauben, und diese Erkenntnis  des Glaubens verdankt sich somit dem Heiligen Geist. In demselben Glauben stellt er fest (zu Gal. 4, 6): „Wir haben nur das nackte Wort, das Christus als Sieger über Sünde, Tod und alle Übel vorstellt“ – wohlgemerkt: „nur“ dieses Wort! Alles andere ist allenfalls Beiwerk. Aber dank dieses einen Wortes wird der Glaubende befreit, und dank dieses Wortes erkennt er, wovon er gerettet worden ist.

Wenn 2017 ein „Reformationsjubiläum“ gefeiert werden soll, was soll gefeiert werden? Wenn wir bei den Reformatoren selber bleiben, dann dieses eine Wort von Christus, und es täte auch und gerade der evangelischen Kirche gut, sich wieder auf dieses eine Wort zu besinnen und zu fragen, was für Folgen das für uns als Kirche in unserem Land hat. Solche eine monumentale Persönlichkeit wie Martin Luther verleitet aber auch nachfolgende Generationen zu Klitschees, und manche möchten diese Klitschees feiern (wenn überhaupt etwas). Da feiern die einen etwa den großen Glaubensheld Luther . . . und verkennen dabei oft seine wahre Größe, die durch seine Schriftauslegung und vor dem Hintergrund seines Ringens mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten, Unstimmigkeiten, Ungeduld und Verfehlungen zu erkennen ist.  Und die anderen verteufeln den Juden-, Papst- und Türkenfeind Luther, als wären sie selbst unter den gleichen geschichtlichen Bedingungen viel anders gewesen. Was Luther selbst das Allerwichtigste gewesen ist, darf dann gar nicht erst zu Wort kommen. Nicht solche Klitschees, sondern die zentralen Anliegen der Reformatoren möchte ich in den Mittelpunkt meiner Arbeit für die Reformationsfeierlichkeiten in Mecklenburg und Pommern rücken.

Auch die Auswirkungen der Reformation auf die Entwicklung der Gesellschaft hier im Nordosten Deutschlands werden uns wahrscheinlich bis über 2017 hinaus beschäftigen. Es ist nicht wenig – Gutes wie Schlechtes – was seinen Anfang in der Reformation des 16. Jahrhunderts genommen hat. Wie wir als Christen der Nordkirche hier in Mecklenburg und Pommern die Reformation in den kommenden Jahren ins Gedächtnis rufen und feiern wollen, welche Ideen in die Tat umgesetzt werden und wo, und wie Sie selber sich vielleicht in die Feierlichkeiten einbringen können, möchten wir Ihnen hier mitteilen.

Dr. Mitchell Grell



Kontakt

Arbeitsstelle Reformationsjubiläum 2017 der Nordkirche
Beauftragter für den Sprengel Mecklenburg und Pommern
N.N.
Kontakt über:
Arbeitsstelle Reformationsjubiläum 2017
Silke Ross
Dänische Straße 21-35
24103 Kiel
Tel.: +49 151 4222 53 00
Fax: +49 431 9797-647
E-Mail: silke.rossref2017.nordkirche.de