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Der Ratzeburger Dom ist der Mittelpunkt der Domhalbinsel. Foto: Neumann

Campus Ratzeburg – Eine grenzüberschreitende Begegnungsstätte

 

Kiel (sst). Der Campus Ratzeburg erhielt am Donnerstag den Sonderpreis „Gelebte Einheit“ unter dem Motto „365 Orte im Land der Ideen“. Der Preis wurde übergeben von Emanuel von Bodmann, Deutschland – Land der Ideen und Burkhard Baum, Deutsche Bank AG.

 

Der Campus Ratzeburg liegt auf der Domhalbinsel an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Der Dom, ein Wahrzeichen der Stadt, gehörte auch zur Zeiten der deutschen Teilung zur Evangelischen Kirche Mecklenburgs. Heute wirken die verschiedenen Campuseinrichtungen in die evangelischen Kirchen Hamburgs, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns hinein. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung wird durch Erinnerungsarbeit der Boden für Zukunft bereitet. Zu diesem Zweck haben sich acht kirchliche Einrichtungen auf der Dominsel zu der Arbeitsgemeinschaft „Campus-Ratzeburg“ zusammengeschlossen. Mit Seminaren, Diskussionsforen und anderen Projekten tragen sie dazu bei, die Folgen der deutschen Teilung aufzuarbeiten und das Miteinander zu gestalten. Der Dom wird dafür als Schnittstelle zwischen Ost und West genutzt. Um diesen wichtigen Beitrag für die deutsche Einheit zu würdigen, wurde dem Campus Ratzeburg der Sonderpreis 2010 "Gelebte Einheit" verliehen.

 

Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche sagte in seinem Grußwort zur Preisverleihung: „Der Campus Ratzeburg ist ein Zentrum lebendiger Begegnung von Ost und West und damit ein Impulsgeber für kreative Erneuerung. Er ist ein Ort gründlicher Besinnung auf unsere Glaubensgrundlagen und ein Ort, um sich den Wind um die Nase wehen zu lassen – gelebte Vielfalt, wie es für Kirche typisch ist.“ Im Projekt Nordkirche würden sich im Großen die beiden Aspekte verbinden, die der Campus Ratzeburg im Kleinen schon lange und immer wieder eine Rolle gespielt haben und spielen. „Zum einen ist es der historisch-politische Aspekt: die Überwindung der inneren Teilung Deutschlands und zum anderen ist es der kirchliche Aspekt, nämlich die Umsetzung der grundlegenden Einsicht, dass das Miteinander von Christen aus unterschiedlichen Kontexten ein theologischer Wert an sich ist“, so Bischof Ulrich.

 

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit von der Pommerschen Evangelischen Kirche unterstrich im Bezug auf die Historie, „dass es mehr als trotziges Durchhalten war, dass die Domgemeinde Ratzeburg Teil der Mecklenburgischen Kirche auch jenseits der Grenze blieb. Dadurch hat die Gemeinde geholfen, die Gemeinschaft im Glauben und die Gemeinschaft im Land über die trennende Grenze hinweg aufrecht zu halten.“ Schon bald nach der Friedlichen Revolution habe sich auf der Dominsel mit seinen Einrichtungen die Begegnungsfläche für die Menschen mit ihren verschiedenen Erfahrungswelten gebildet. „Heute können wir feststellen, dass aus dem Nukleus der Zusammenarbeit unserer drei evangelischen Kirchen die Verleiblichung des Zusammenwachsens geworden ist. Der Weg, der sich hier mit dem Werden einer gemeinsamen Kirche im Norden vollzieht, ist bisher mit dem Norddeutschen Rundfunk, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und dem „CVJM Brückenschlag Nordost“ nur vor wenigen zivilgesellschaftlichen Organisationen zwischen Ost und West gegangen worden“, sagte Bischof Dr. Abromeit.

 

Bischof Dr. Andreas von Maltzahn von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg äußerte: „Die Freude von uns Mecklenburgern ist eine besondere – hatte doch zu DDR-Zeiten die Ratzeburger Domhalbinsel als mecklenburgische Enklave im „Westen“ eine besondere Symbolik. Sie zeichnete die innerdeutsche Grenze als etwas „Unnatürliches“, zu Überwindendes.“ Die Verhältnisse des Lebens und Arbeitens seien nach wie vor verschieden und werden auch nicht einfach mit der Zeit einheitliche werden. Das erfordere auch zukünftig unterschiedliche Strategien kirchlichen Handelns. „Deshalb wünsche ich dem Campus Ratzeburg, dass er – auch nach Bildung der gemeinsamen evangelischen Kirche im Norden – ein Ort bleibt, wo bestehende Unterschiede wahrgenommen und der gemeinsamen Kirche immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Für uns im Osten wird davon das Gelingen der kirchlichen Einheit wesentlich abhängen“, so Bischof von Maltzahn. (27.8.2010)


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