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Dialog zwischen Juden und Christen ist wichtig

Rabbiner: Christlich-Jüdischen Dialog nicht den Kirchen überlassen

10.08.2019 ǀ Frankfurt a.M./Greifswald.  Nach umstrittenen Äußerungen des Greifswalder Bischofs Hans-Jürgen Abromeit über Israel hat der Berliner Rabbiner Andreas Nachama gefordert, den christlich-jüdischen Dialog nicht den Kirchen zu überlassen. "Es ist geradezu so, als gäbe es die letzten Jahrzehnte des jüdisch-christlichen Dialogs nicht", sagte Nachama dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Er ist der jüdische Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der im Herbst sein 70-jähriges Bestehen feiert.

Bischof Abromeit hatte sich am 1. August in einem Vortrag kritisch über eine angebliche "Überidentifikation" deutscher Politiker mit dem Staat Israel geäußert. Daraufhin hatten Politiker ihm Antisemitismus vorgeworfen. "Die judenfeindlichen Äußerungen kommen von Amtsträgern, die dort weitermachen, wo viele glaubten, man habe nach der Schoa neu begonnen", schrieb Nachama auch in einem Gastbeitrag in der "Jüdischen Allgemeinen" (Freitag). Die evangelische Nordkirche hatte sich von den Äußerungen distanziert und von einer Privatmeinung des Bischofs gesprochen.

Abromeit befindet sich laut Nachama in einer alten christlichen Tradition. "Das ist ein Protestantismus, der eigentlich in den vergangenen sechs Jahrzehnten schon ein Stück vorangekommen ist", sagte der Rabbiner, der auch Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz ist. Als Pfarrer sei eine solche Äußerung niemals privat, sagte Nachama. "Die Nordkirche hätte auch die Möglichkeit gehabt, disziplinarisch einzugreifen, stattdessen gab es nur ein halbherziges Dementi."

Kritik an Israel sei möglich, wenn sie nicht die Grenze zum Antisemitismus überschreite, betonte Nachama. Kritik an der Politik des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dessen Ministern sei legitim. "Kritik an 'den Israelis' ist eine Verallgemeinerung, schürt Vorurteile und hat oft einen antisemitischen Kern", sagte Nachama.

Er sei davon überzeugt, dass der Dialog mit den Kirchen ohne die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit nicht so weit gekommen wäre. "Dieser Dialog zwischen Juden und Christen, so wie wir ihn als Bürger machen, ist extrem wichtig", sagte der Rabbiner. Aber: "Es gibt eine Judenfeindschaft, die über Jahrhunderte gewachsen ist, die wird man in sieben Jahrzehnten nicht einfach abstellen. Es ist nicht nur für diese sondern auch für die nächste Generation eine Aufgabe."

Nach ersten kritischen Reaktionen hatte Abromeit am 5. August in einer Erklärung bedauert, Anlass zu Missverständnissen gegeben zu haben. Insbesondere liege es ihm fern, "die aus der deutschen Schuld und der christlichen Mitschuld gewachsene Verantwortung für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger Israels oder das Existenzrecht Israels infrage zu stellen", sagte er. Es sei ihm darum gegangen, "angesichts einer seit Jahrzehnten festgefahrenen Situation im Israel-Palästina-Friedensprozess suchend danach zu fragen, ob es in der Bibel Impulse gibt, die Bewegung ermöglichen könnten." Diese habe er in der Botschaft der Propheten und Jesu gefunden.
Quelle: epd

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