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Ohne Anschluß von Laptop und Beamer keine Fusion


Starkes Medieninteresse


Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und der pommersche Synodalpräses Dr. Rainer Dally


Landesbischof Hermann Beste und der meckl. Synodale Lutz Decker im Gespräch mit dem Mitglied der pommerschen Kirchenleitung Elke Stoepker

Ergebnis des Prüfauftrages zum künftigen Weg der pommerschen Kirche in Stralsund vorgestellt

 

Stralsund (ran). Die Stralsunder Superintendentin Helga Ruch stellte zu Beginn des Kirchenkreisabends zum weiteren Weg der Pommerschen Kirche klar, daß es „ein Informationsabend und kein Diskussionsabend“ sei: "Die Diskussion ist Sache der Landessynode im März."

 

Mehr als 80 Personen waren am Dienstagabend in die Auferstehungskirche in Stralsund gekommen, um sich über die Möglichkeit eines Anschlusses der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK) an die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zu informieren.

 

Auch der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit nahm an der Veranstaltung teil, wollte aber nur hören, wie Helga Ruch einleitend sagte. Der mecklenburgische Landesbischof Hermann Beste nahm zu einigen Fragen Stellung.

 

Auf die einleitenden Worte folgte die Darstellung des Ergebnisses des Prüfauftrages durch einen Vortrag von Konsistorialpräsident Peter von Loeper und daran schloß sich eine Fragerunde an.

 

Darstellung des Ergebnisses des Prüfauftrages:

Konsistorialpräsident Peter von Loeper betonte zu Beginn seines Vortrages, daß man etwas vergleiche, „was man eigentlich nicht vergleichen kann“ – den Anschluß an die EKBO oder die Fusion mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM). Denn einerseits könne eine bestehende Struktur (EKBO) auf die „Gegebenheiten der PEK beschrieben“ werden. Auf der anderen Seite im Hinblick auf eine Fusion mit der ELLM „sollen die Strukturen einer neuen Kirche ,gemeinsam geordnet’ werden.“ Daher könnten in vielen Gebieten noch keine Aussagen getroffen werden.

 

Das Verhältnis von Pommern, Mecklenburg und der EKBO stellte von Loeper so dar: Gemeindeglieder: 103.000 PEK, 211.000 ELLM und 1,18 Mio EKBO. Die Zahlen für die PfarrerInnen: 140/210/1.000 und bei Kirchengebäuden: 448/734/2.227. Von Loeper bezog sich auch auf die Nordelbische Kirche, wo es 2,13 Mio Gemeindeglieder gäbe mit 1.452 PastorInnen und nur 812 Kirchengebäude.

 

Bei den Rechtssystemen der Kirchen bliebe bei einem Anschluß an die EKBO das Recht in weiten Teilen erhalten, bei einer Fusion mit Mecklenburg würde das Recht der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD) übernommen mit einer Reihe von Anpassungen.

 

Bei einer Fusion mit Mecklenburg gäbe es in Zukunft nur noch zwei Kirchenkreise in Pommern ohne Kreissynoden, bei einem Anschluß an Berlin-Brandenburg könnten die vier Kirchenkreise mit den Kreissynoden erhalten bleiben mit einem Regionalbischof als geistliche Leitung in einem Sprengel Pommern. Einsparungen ließen sich bei einem Anschluß an die EKBO bei geistlicher Leitung und landeskirchlicher Verwaltung erzielen.

 

In einem zweiten Teil berichtete von Loeper über die finanziellen Auswirkungen und betonte, daß dies nur Proberechnungen seien, allerdings könne man jetzt „Größenordnungen benennen.“

 

Kritischer Punkt seien die EKD-Finanzausgleichszahlungen. Sie betrügen jetzt in der ELLM 41%, in der PEK 27% und in der EKBO nur 16%. In einer fusionierten Kirche im Bundesland betrügen diese 36%, bei einem Anschluß der PEK an die EKBO aber nur 16%. Damit sei die Abhängigkeit der Transferleistungen aus den Geberkirchen geringer.

 

Bei den Ausgaben stünden den Gemeinden und Kirchenkreisen in der ELLM 46% der Einnahmen zu, in der PEK 59%, in der EKBO 63% und in einer „PEK in der EKBO“ 70%. Für die übergemeindliche Ebene der Dienste und Werke stünden in der ELLM 31% der Ausgaben zur Verfügung, in der PEK bisher 14% und in der EKBO bisher 23%. (Jeweils ohne Landeinnahmen und Abzug der Vorwegkosten).

 

Unterschiedlich sei die Pfarrbesoldung: In der PEK 84% der Bundesbesoldung, in der ELLM jetzt 88% und ab 1.1.2008 90% und in der EKBO 96,7% in Berlin-West, 90,1% in Berlin-Ost und Brandenburg und 86% in der Schlesischen Oberlausitz. Auch habe der bisherige Pfarrstellenschlüssel bei einem Beitritt Bestand: ca. 1.000 auf dem Land und ca. 1.500 in der Stadt. Von Loeper wies auf einen gravierenden Unterschied hin: In der EKBO werden Berufungen nur für 10 Jahre vorgenommen. Danach muß das Konsistorium, der Gemeindekirchenrat und der/die PfarrstellenhinhaberIn bei einer Verlängerung zustimmen - ansonsten ist ein Pfarrstellenwechsel nötig.

 

Zur Zeit würden in der PEK die übergemeindlichen Dienste und Werke mit ca. 850.000 Euro finanziert (ohne Diakonie, Sonderseelsorge, Archiv...) und bei einer Einzahlung von ca. 2,65 Mio in den Haushalt der EKBO erwarte man, daß auch Dienste und Werke vor Ort – also in Pommern – finanziert würden. Wenn man allerdings mehr wolle als in der EKBO üblich, dann müsse es durch Umlage finanziert werden.

 

Bei einer Fusion mit der mecklenburgischen Nachbarkirche habe man ja schon viele gemeinsame Dienste geschaffen. Hier müßten Standorte und Finanzierung verhandelt werden.

 

Im Hinblick auf den Staatskirchenvertrag mit dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sagte von Loeper, daß es bei einem Anschuß an die EKBO und bei einer Fusion mit der ELLM „grundsätzlich keine Auswirkungen“ gäbe. Allerdings könne das Verhältnis zur Landesregierung bei einem Beitritt zur EKBO belastet werden, aber bei einer Fusion mit der ELLM stünde das „Thema der zwei theol. Fakultäten wieder auf der Tagesordnung.“

 

Abschließend äußerte sich der Konsistorialpräsident auch zum Zeitrahmen. Ein Anschluß an die EKBO sei zum 1.1.2009 möglich, eine gemeinsame Kirche mit der ELLM sei frühestens ab 2012 möglich.

 

Fragerunde:

Frage nach der mecklenburgischen Bischofswahl:

Landesbischof Hermann Beste sagte, daß er nach 11 Dienstjahren mit fast 67 Jahren aus dem Dienst ausscheide und daher Ende März eine Bischofswahl erfolge, wobei beide Kandidaten schriftlich erklärt hätten, daß sie ihr Amt bei einer Fusion mit Pommern zur Verfügung stellen würden. Diese Wahl sei „kein Grund gegen ein Zusammengehen der beiden Kirchen.“

 

Frage nach der Auswirkung auf Gemeinden:

Von Loeper sagte, daß Mecklenburg deutlich die landeskirchlichen Werke und Dienste betone und wichtig sei "das starke solidarische System" in der Nachbarkirche. Mit dem von der pommerschen Synode beschlossenen Finanzausgleich von finanziell starken und schwachen Gemeinden bewege man sich „einen Schritt auf das mecklenburgische System hin.“

 

Frage nach der Zeitdauer bis zu einer Fusion ELLM-PEK:

Im Moment habe man einen ausgeglichenen Haushalt, so von Loeper. Aber bis 2012 komme man auf eine Unterdeckung von bis zu 1,5 Mio Euro. Man habe ein „strukturelles Finanzproblem.“ Die guten Steuerleistungen überdeckten dies, aber mittel- und langfristig haben wir sinkende Kirchensteuereinnahmen und steigende Personalkosten. „Zwei kleine Landeskirchen sind in meinen Augen zu schwach,“ sagte von Loeper.

 

Frage nach evangelischen Schulen und Religionsunterricht:

Von Loeper: Religionsunterricht ist hier geregelt und wird wieitergeführt werden. Ebenfalls wird die Fortbildung von Religionslehrern weiterhin als Notwendigkeit von der EKBO gesehen. Alle Ev. Schulen bleiben bestehen.

 

Frage, ob sich Mecklenburg auch der EKBO anschließen könne:

Hier antwortete Landesbischof Hermann Beste. Man habe kein Strukturproblem. Aber ein Problem, „wie wir die Menschen erreichen“. Beste wandte sich gegen eine Fusion mit der EKBO oder Nordelbien: „Man sollte unsere Ebenen nicht in eine Riesenkirche eingeben.“

 

Dann sagte er in bezug auf den Einleitungsvortrag, daß so, wie dieses Material angeboten werde, man nur sagen könne: Berlin-Brandenburg! Durch die Art der Darstellung sei schon eine Vorentscheidung getroffen worden, obwohl das wohl nicht beabsichtigt sei. Nach den Zahlen „müßten wir in unseren mecklenburgischen Gemeinden nur kümmerlich arbeiten. Aber wer uns kennt, weiß, daß wir genauso effektiv arbeiten, wie die Pommern.“ Auch müsse man, wenn man die Finanzsysteme vergleiche, viel mehr Gesichtspunkte hineinnehmen, kritisierte er die Darstellung und hielte es für besser, wenn Mecklenburg in dieser Darstellung herausgenommen worden wäre.

 

Beste stimmte den Kritikern zu, die sagten, daß eine neue Kirche in der Entstehung zu lange dauere. Aber „Kirchenordnungen erweisen sich nur dann als zukunftsträchtig, wenn sie in großem Konsens beschlossen werden. Darum sollten wir sehr behutsam sein, wenn wir für die Zukunft bauen.“ Die fusionierte Kirche hätte für zehn Jahre mindestens Ruhe, so der Landesbischof.

 

Beste stimmte dem EKD-Konzept von großen Kirchen nicht zu. Da sei „keine vernünftige geistliche Leitung und Begleitung der Mitarbeiter möglich.“ Ein Bischof in einer Großkirche sei nicht so präsent wie jetzt: „Warum sollten wir uns das nicht weiterhin leisten, auch wenn es etwas kostet?“ Einen Anschluß Mecklenburgs an die EKBO „halte ich im Augenblick für so abwegig, daß ich darüber nicht nachdenken mag.“

 

Frage zum Rückgang der EKD-Finanzausgleichsmittel:

Landesbischof Beste ging von 10 bis 15 Jahren Sicherheit aus. Dem widersprach von Loeper, da kleine Kirchen in Zukunft nicht mehr so gefördert würden wie bisher. Schon jetzt schmelze der EKD-Finanzausgleich in Pommern um 5% in jedem Jahr ab.

 

Frage zum Terminplan:

Wie realistisch ist 2012 für eine fusionierte Kirche von PEK und ELLM?

von Loeper: Seit 2003 wird verhandelt und seit 2005 machten dies die beiden Kirchenleitungen. Im Zeitplan für den Rahmenvertrag seien Termine genannt. Im Frühjahr 2009 soll die Vorlage des ersten Verfassungsentwurfes vorgelegt werden. 2012 ist „ein ehrgeiziges Ziel. Das kann möglich sein, ist aber schwierig.“

 

Frage zur Weiterführung gemeinsamer ELLM-PEK Dienste bei Anschluß an die EKBO:

Landesbischof Beste: Kirchentag, Akademie, Frauenwerk, Kirchenzeitung, Predigerseminar seien schon zusammen, dazu das gemeinsame Gesangbuch. Eine Weiterführung wird allein Sache der EKBO sein, das läge nicht bei den Mecklenburgern. Es sei auch eine Frage, welche Souveränität der Sprengel Pommern dann in der EKBO habe. „Ich gehe davon aus, daß, wenn wir eine fusionierte Kirche in Mecklenburg-Vorpommern haben, jedes historische Gebiet eigene Verantwortung haben muß.“

Von Loeper sagte, daß bei einem Anschluß an die EKBO es kein souveränes Kirchengebiet Pommern geben würde, sondern eine Kirche und keine pommersche Provinzialsynode, die Dinge eigenständig regeln könne: "Das wird nicht gewollt."

(21.2.2007)


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