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Bischof Abromeit und Konsistorialpräsident von Loeper


Im Greifswalder Lutherhof


Rudolf Dibbern war Gesprächsleiter


Selbst auf der Orgelbank saßen Zuhörende


Der mecklenburgische Synodalpräses Hans-Joachim Seel


Regionalbischof Dr. Hans-Wilhelm Pietz

Prüfauftrag in Greifswald vorgestellt – viel Sympathie für den Weg nach Süden

 

Greifswald (ran). Mit 120 Personen war der Greifswalder Lutherhof bis auf den letzten Platz besetzt, als der künftige Weg der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK) zwischen der Fusion mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) und dem Anschluß an die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) den Gemeinden des Kirchenkreises am Mittwochabend vorgestellt wurde.

 

Deutlich wurde im Verlauf des Abends, daß ein Anschluß an die EKBO zum 1.1.2009 auf große Zustimmung der Anwesenden stieß und man das Ende der Strukturverhandlungen und klare Regelungen begrüßte. Mehrmaliger Applaus brachte das nach den Redebeiträgen zum Ausdruck. Allerdings kritisierte der mecklenburgische Synodalpräses Hans-Joachim Seel das vorgelegte vergleichende Zahlenmaterial im Hinblick auf die mecklenburgische Landeskirche.

 

Die pommersche Landessynode hatte auf ihrer Herbsttagung 2006 beschlossen, daß die Auswirkungen eines Beitritts an die EKBO im Unterschied zu einer Fusion mit der ELLM zu prüfen seien. Konsistorialpräsident Peter von Loeper stellte in einem ersten Teil das Ergebnis des Prüfauftrages vor. Danach nahm der Präses der mecklenburgischen Landeskirche Hans-Joachim Seel und danach der Regionalbischof des Sprengels Görlitz der EKBO, Dr. Hans-Wilhelm Pietz, Stellung und sie beantworteten Fragen.

 

Darstellung des Ergebnisses des Prüfauftrages:

Konsistorialpräsident Peter von Loeper sagte zu Beginn seiner Darstellung: „Es soll etwas gegenübergestellt werden und das ist eigentlich unmöglich.“ Denn einerseits könne bei einem Beitritt zur EKBO diese bestehende Struktur mit „ihren Auswirkungen auf die PEK beschrieben“ werden. Im Hinblick auf Mecklenburg, sollen die Strukturen noch gemeinsam geordnet werden. „Insofern kann man nicht sagen, so wird es einmal aussehen. Daher haben wir den Standpunkt angeschaut, von dem aus Mecklenburg in die Verhandlungen geht.“

 

Das Verhältnis von Pommern, Mecklenburg und der EKBO stellte von Loeper so dar: Gemeindeglieder: 103.000 PEK, 211.000 ELLM und 1,18 Mio EKBO. Die Zahlen für die PfarrerInnen: 140/210/1.000 und bei Kirchengebäuden: 448/734/2.227. Von Loeper bezog sich auch auf die Nordelbische Kirche, wo es 2,13 Mio Gemeindeglieder gäbe mit 1.452 PastorInnen und mit nur 812 Kirchengebäuden.

 

Bei den Rechtssystemen der Kirchen bliebe bei einem Anschluß an die EKBO das Recht in weiten Teilen erhalten, bei einer Fusion mit Mecklenburg würde das Recht der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD) übernommen mit einer Reihe von Anpassungen.

 

Bei einer Fusion mit Mecklenburg gäbe es in Zukunft nur noch zwei Kirchenkreise in Pommern ohne Kreissynoden, bei einem Anschluß an Berlin-Brandenburg könnten die vier Kirchenkreise mit den Kreissynoden erhalten bleiben mit einem Regionalbischof als geistliche Leitung in einem Sprengel Pommern. Einsparungen ließen sich bei einem Anschluß an die EKBO bei geistlicher Leitung und landeskirchlicher Verwaltung erzielen. Allerdings seien dies nur Proberechnungen.

 

Kritischer Punkt seien die EKD-Finanzausgleichszahlungen. Sie betrügen jetzt in der ELLM 41%, in der PEK 27% und in der EKBO nur 16%. In einer fusionierten Kirche im Bundesland betrügen diese 36%, bei einem Anschluß der PEK an die EKBO aber nur 16%. Damit sei die Abhängigkeit der Transferleistungen aus den Geberkirchen geringer. Er stellte klar, daß im Grunde Pommern keinen Anspruch mehr auf EKD-Finanzausgleichsmittel habe und daß diese daher pro Jahr um 5% zurückgingen.

 

Bei den Ausgaben stünden den Gemeinden und Kirchenkreisen in der ELLM 46% der Einnahmen zu, in der PEK 59%, in der EKBO 63% und in einer „PEK in der EKBO“ 70%. Für die übergemeindliche Ebene der Dienste und Werke stünden in der ELLM 31% der Ausgaben zur Verfügung, in der PEK bisher 14% und in der EKBO bisher 23%. (Jeweils ohne Landeinnahmen und Abzug der Vorwegkosten).

 

Unterschiedlich sei die Pfarrbesoldung: In der PEK 84% der Bundesbesoldung, in der ELLM jetzt 88% und ab 1.1.2008 90% und in der EKBO 96,7% in Berlin-West, 90,1% in Berlin-Ost und Brandenburg und 86% in der Schlesischen Oberlausitz. Auch habe der bisherige Pfarrstellenschlüssel bei einem Beitritt Bestand: ca. 1.000 auf dem Land und ca. 1.500 in der Stadt. Von Loeper wies auf einen gravierenden Unterschied hin: In der EKBO werden Pfarrstellenberufungen bis zum 48 Lebensjahr nur für 10 Jahre vorgenommen. Danach muß das Konsistorium, der Gemeindekirchenrat und der/die PfarrstellenhinhaberIn bei einer Verlängerung zustimmen - ansonsten ist ein Pfarrstellenwechsel nötig.

 

Zur Zeit würden in der PEK die übergemeindlichen Dienste und Werke mit ca. 850.000 Euro finanziert (ohne Diakonie, Sonderseelsorge, Archiv...) und bei einer Einzahlung von ca. 2,65 Mio in den Haushalt der EKBO erwarte man, daß auch Dienste und Werke vor Ort – also in Pommern – finanziert würden. Wenn man allerdings mehr wolle als in der EKBO üblich, dann müsse es durch Umlage finanziert werden.

 

Im Hinblick auf den Staatskirchenvertrag mit dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sagte von Loeper, daß es bei einem Anschuß an die EKBO und bei einer Fusion mit der ELLM „grundsätzlich keine Auswirkungen“ gäbe. Allerdings könne das Verhältnis zur Landesregierung bei einem Beitritt zur EKBO belastet werden, aber bei einer Fusion mit der ELLM stünde das „Thema der zwei theologioschen Fakultäten wieder auf der Tagesordnung.“

 

Abschließend äußerte sich der Konsistorialpräsident auch zum Zeitrahmen. Ein Anschluß an die EKBO sei zum 1.1.2009 möglich, eine gemeinsame Kirche mit der ELLM sei frühestens ab 2012 möglich - "und das ist ein ehrgeiziges Ziel".

 

Rückfragen an den Bericht:

Frage nach den Bedingungen der EKBO bei einem Beitritt:

Eine Neubildung der Grundordnung sei ausgeschlossen, so Peter von Loeper, also nur ein Beitritt mit Übernahme der Grundordnung mit kleinen Korrekturen. Das pommersche Kirchengebiet könnte ein eigener Sprengel mit Regionalbischof werden mit einem Kirchenkreisverband und mit eigener Verwaltung. Durch den Beitritt dürfe es nicht zu weiteren Transferleistungen aus dem Westberliner Bereich kommen. Auch müsse das Problem des Wichernvereins vorher gelöst werden. Vieles im Bereich der bisherigen Kooperation mit Mecklenburg sei abzuwickeln.

 

Frage, ob Pommern nicht eigenständig bleiben könne:

Von Loeper sagte deutlich, daß ab etwa 2012 ein strukturelles Defizit durch sinkende Kirchensteuereinnahmen und steigende Personalkosten von ca. 1,5 Mio Euro prognostiziert sei. Durch die zur Zeit guten Einnahmen könne das noch zwei Jahre nach hinten geschoben werden, sei aber unausweichlich, da bisherige Kirchensteuerzahler in das Rentenalter kämen und die Gehälter steigen würden. Für Leitung und Verwaltung würden jetzt 15% ausgegeben, in der EKBO aber nur 9%.

 

Frage, warum die Zahlen einer fusionierten Kirche in MV so unkonkret sind:

Von Loeper sagte, daß in den Arbeitsgruppen intensiv gearbeitet worden sei, aber, da es eine neue Kirche werden müsse, sei eine Vielzahl von Dingen zu regeln. Daß man nicht genauere Zahlen vorlegen könne, läge an Mecklenburg, die nach der Erteilung des Prüfauftrages die Gespräche ausgesetzt hätten.

 

Frage, wie kann man sich noch weitere fünf Jahre Verhandlungen leisten:

Pommern habe zuerst eine Föderation vorgeschlagen, da wäre eine gemeinsame Kirche schnell entstanden und dann hätte man gemeinsam die Probleme lösen können. Das aber habe Mecklenburg nicht gewollt, sondern gleich eine Fusion vorgeschlagen.

 

Ein Votum besagte, daß man wieder zur eigentlichen Arbeit kommen müsse, das sei 2009 endlich möglich. Seit ca. 12 Jahren - mit der Reduzierung von 15 auf vier Kirchenkreise - behandle die Pommersche Kirche Strukturprobleme, das müsse ein Ende haben.

 

Frage nach dem Gremium, das Umlagen beschließt:

Wenn die vier Kirchenkreise bei einem EKBO-Beitritt mehr an übergemeindlichen Diensten haben wollten, so müsse das der Kirchenkreisverband beschließen, da es keine pommersche Provinzialsynode geben würde.

 

Stellungnahme des mecklenburgischen Synodalpräses Seel:

Seel erklärte das Aussetzen der Gespräche von mecklenburgischer Seite aus. Das müsse man nach dem einvernehmlichen gemeinsamen Synodentag Ende August 2006 verstehen, wo das Votum eindeutig für eine Fusion gegeben wurde. Wenige Wochen später sei der Prüfauftrag erteilt worden - „das war für uns völlig unverständlich.“

Pommern habe zu Anfang eine Föderation vorgeschlagen, aber Mecklenburg wollte nicht „eine Synode mit zwei Landsmannschaften“ sondern gleich eine Fusion. Seel kritisierte die Darstellung der Finanzen im einleitenden Bericht, man wisse ja noch garnicht, wie die Finanzströme in einer fusionierten Kirche aussehen würden und wieviel Geld in übergemeindliche Dienste gehen würde. Seel sah auch Probleme in dem langen Zeitplan und daher habe die mecklenburgische Synode im Herbst darüber beraten, ob man nicht schnell eine gemeinsame Kirche bilden könnte „und dann regelt die gemeinsame Synode alle weiteren Fragen." Verhandlungen würden dann nicht immer unter der Frage des Nichtzustandekommens einer Fusion stehen.

Und Seel fügte im Hinblick auf die eingangs gegeben Darstellung der geringen Mittel, die mecklenburgische Gemeinden zur freien Verfügung hätten, hinzu: „Bei uns leben die Gemeinden und sind nicht tot oder pleite. Wir geben mehr Geld in übergemeindliche Dienste, wie das Amt für Kinder- und Jugendarbeit oder auch in die Diakonie.“

 

Votum zum Prüfauftrag, warum er erst jetzt erteilt wurde:

Deutlich sei, daß eine Fusion mit der ELLM nur ein Zwischenschritt sei und daß diese Fusion von vielen als Verlust empfunden werden würde. Die Möglichkeit eines Anschlusses an die EKBO habe in den letzten Jahren immer mitgeschwungen und nach den bisherigen Verhandlungen in der Fusionsfrage sei der Wunsch nach Klarheit immer deutlicher geworden.

 

Stellungnahme von Regionalbischof Dr. Hans-Wilhelm Pietz:

Im Jahre 2000 habe man die Vorstellung einer Fusion mit Berlin-Brandenburg in Augenschein genommen. Drei Gründe seien dafür maßgeblich gewesen:

1. Ressourcen und Gemeinsamkeiten der Evangelischen Kirche der Union (EKU) sollten genutzt werden (Hintergrund: Auch Pommern gehört zu dieser Kirchenfamilie).

2. „Wir wollten eine Kirchengestalt, wo unsere ehemalige Landeskirche für die nächste Generation wiedererkennbar bleibt. Wir waren einmal eine große Provinzialkirche mit 2,2 Mio Mitgliedern. Uns liegt daran, daß die Kirchengeschichte einer gewachsenen Gemeinsschaft erkennbar bleibt.“

3. Wir wolllten in eine Kirche, die schon Erfahrungen mit Zusammenführung unterschiedlicher Traditionen hat – also Berlin mit Brandenburg.

 

Es habe bei der Fusion zwei wesentliche Gestaltungsgrundsätze gegeben: „Wir können die eigene Gestalt und das gemeinsame Erbe in Gestalt des Sprengels als geistliche Lebensgemeinschaft mit einem geistlichen Amt bewahren. Der Regionalbischof sitzt – bei 55.000 Gemeindegliedern – als geborenes Mitglied in der Kirchenleitung. Das hat Gewicht.“ Die EKBO hat 1,24 Mio. Mitglieder, eine Synode von 120 Personen, wovon der Sprengel Görlitz 12 Synodale hat.

Und zweitens: Die vier Kirchenkreise sind ein Verwaltungs- und Gestaltungsraum im Kirchenkreisverband. „Aus unserer Sicht hat sich dieser Doppelweg zum Erhalt der Idendität und der Weggemeinschaft bewährt und das schließt nicht aus, daß die Chancen einer gemeinsamen Kirche wahrgenommen werden.“

 

Pietz betonte, daß es zwar eine „Traurigkeit“ im Thema der Länderbeziehung gegeben habe, aber keine Kommunikationsverluste in der Diakonie oder mit dem Kultusministerium.

 

Pietz beendete seine Ausführungen mit den Worten: „Soweit ein Bericht aus Fern-Ost.“

 

Frage nach dem Mitgliederverlust:

Man habe zur Zeit 55 Pfarrstellen und 500 Taufen sowie 800 Beerdigungen. Man verlöre im Jahr statistisch eine Gemeinde, so Pietz. Weitere Dezimierung sei zu erwarten, da 60% der Gemeindeglieder älter als 50 Jahre seien.

 

Frage nach dem Wegfall der Synode:

Das habe man nicht so stark empfunden, da „der Erlahmungsprozeß schon länger andauerte.“ Nun habe man starke Kreissynoden und der Sprengel sei eine geistliche Gemeinschaft.

Allerdings habe man u.a. die Akademie abgewickelt und müsse 2008 die Kirchenmusikschule mit zur Zeit sieben Studierenden schließen. Aber man wolle eine A-Kirchenmusikstelle in Görlitz erhalten, daneben gäbe es in den vier Kirchenkreisen jeweils eine B-Kirchenmusikstelle.

 

Frage nach einer möglichen Fusion mit Sachsen:

Von Sachsen habe es kein Angebot gegeben. Vielmehr habe die gemeinsame EKU-Tradition den Weg bestimmt. Nach Grundsatzbeschluß habe man nicht mit zwei Kirchen „ Hochzeitsverhandlungen“ führen wollen. Mit Sachsen hätte es zwei ostsächsische Kirchenkreise gegeben. „Das wäre es gewesen.“

 

Votum zum Verhältnis von VELKD und EKD:

Das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden sei mit der Fusion mit Mecklenburg und der Übernahme des Rechts der VELKD berührt. Ob eine Synode überhaupt die Selbstbestimmungsrechte der Gemeinden beschneiden könne und ob eine Synode dazu überhaupt befugt sei. Wenn man an Europa denke, sei eine nur lutherische Kirche in Mecklenburg-Vorpommern schwer denkbar.

(22.2.2007)

 


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