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Superintendent Bernd-Ulrich Gienke begrüßt am Eingang


Stehend singen sie - "Ein feste Burg ist unser Gott - die vereinte erste Reihe


Der Loitzer Bürgermeister und Synodale, Dr. Johannes Winter (li.), Lutz Decker (Mecklenburg) und OKR Andreas Flade (Mecklenburg)


Zuhörerschaft


Konsistorialpräsident Peter von Loeper


Pfr. Ralf Ott sorgt für den guten Ton für Andreas Flade

Lebhafte Diskussion zum Prüfauftrag im Kirchenkreis Demmin

 

Loitz (ran). Eine Kirchenfahne stand am Eingang zur Turnhalle der Grundschule in Loitz – und der Saal war voll. Gut 250 Menschen aus dem ganzen Kirchenkreis Demmin waren am Donnerstagabend gekommen, um sich das Ergebnis des Prüfauftrages über einen möglichen Beitritt der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK) an die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesischer Oberlausitz EKBO) anzuhören. Aber sie waren auch gekommen, um ihre Meinung zu sagen. Und das war durchaus nicht eindeutig, denn es gab viel Applaus auf unterschiedliche Redebeiträge: mal für einen schnellen Beitritt an die EKBO aber auch für eine Fusion mit der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (NEK), die vor drei Tagen Mecklenburg und Pommern zu Sondierungsgesprächen über die Bildung einer „Kirche im Norden“ eingeladen hatte.

 

Vorstellung des Prüfauftrages:

Konsistorialpräsident Peter von Loeper stellte das vorläufige Ergebnis des Prüfauftrages vor. Er berichtete von dem Angebot der Nordelbischen Kirche und berichtete, daß im September 2000 ein Kooperationsvertrag der drei Kirchen geschlossen wurde, der eine Zusammenarbeit beinhaltete und bis hin zur Rechtsangleichung gehen sollte. Jedes Jahr gibt es eine Klausurtagung der Kirchenleitungen und die Arbeit in den Arbeitsgruppen und als wichtigstes Ergebnis ist die gemeinsame Vikarsausbildung hervorzuheben.

 

Nach den im vergangenen Frühjahr von der mecklenburgischen und der pommerschen Synode beschlossenen „Grundlagen und Ziele“ einer gemeinsamen Kirche, sei durch den Prüfauftrag „ein ambivalentes Bild in der Entscheidungsfindung der Synode“ entstanden.

Zum Zahlenwerk sagte von Loeper, daß man den Ist-Zustand von Mecklenburg genommen habe von dem aus die ELLM in die Verhandlungen geht. Doch „dann muß man die Phantasie walten lassen: irgendwas dazwischen wird es sein oder es wird etwas ganz Neues.“

 

Von Loeper sagte, daß in Pommern 232 Gemeindeglieder für ein Kirchengebäude aufzukommen hätten: „von der Kapelle in Leistenow bis hin zum Greifswalder Dom.“ In Nordelbien seien es 2614 Gemeindeglieder für ein Kirchengebäude.

 

Bei einem Anschluß an die EKBO würde das EKU-Recht übernommen, das wir auch jetzt schon hätten, bei einer Fusion mit der ELLM würde die Pommersche Kirche das Recht der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche übernommen werden, das jetzt in Mecklenburg gilt und von Loeper berichtete auch, daß die Regelungstiefe in Mecklenburg höher sei. Bei einem Beitritt an die EKBO werde es auf Dauer eine Außenstelle für die Diakonie geben, so die Planungen.

 

Zu weiteren Einzelheiten bei der Darstellung des Prüfauftrages siehe auch die Berichte aus den vorhergegangenen drei Kirchenkreis-Informationsveranstaltungen:

 

(Zu weiteren Informationen siehe die Berichte von Greifswald, Stralsund und Pasewalk)

 

Aussprache:

Verhältnis Staat-Kirche:

Das Verhältnis zum Staat muß gut durchdacht sein. Man solle dem Land sagen: Was der Kirche gegeben wird, kommt auch den Bürgern im Land zugute und wird noch durch Eigenmittel vermehrt.

Ein Teilnehmer berichtete aus dem Rheinland, wo die Kirche mit drei Landesregierungen zu tun habe und das gehe auch gut und vertrauensvoll.

Die Kirche hat verfassungsgemäß ein Selbstorganisationsrecht, daher sei sie vom Staat unabhängig. Aber es sei wohl eine Sorge des Landes um den Zusammenhalt in Mecklenburg-Vorpommern. Daher wünsche die Landesregierung, daß es eine Kirche als Integrationskraft und als einen Ansprechpartner im Bundesland gebe.

 

Modell der Nordkirche:

Das Modell der Nordkirche stand immer am Horizont, „aber gestern ist der Vorhang aufgezogen worden.“ Es wurde nach der Stellung Mecklenburgs zu der Initiative aus Nordelbien gefragt. Aber eine Nordkirche im Jahre 2020 sei zu lang.

Der Konsistorialpräsident sagte dazu, daß das Angebot erst vier Tage alt sei und die pommersche Kirchenleitung am Wochenende darüber beraten werde und daß die Kirchenleitung auf dem Hintergrund der guten Beziehungen zur nordelbischen Partnerkirche und der bisherigen Position vermutlich in dieser Hinsicht eine Empfehlung an die Landessynode aussprechen werde. Er teilte auch mit, daß die beiden Bischöfe aus Mecklenburg-Vorpommern am 13. März in zur nordelbischen Kirchenleitung eingeladen worden seien. Er sagte auch, daß die Zahl 2020 mal eine Hochrechnung gewesen sei, aber kein Zeitplan.

 

Tragfähigkeit einer Fusion:

Es wurde bezweifelt, daß eine Kirchenfusion innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern längerfristig tragfähig sei, da es zwei Kirchen sind, die nicht sehr finanzkräftig sind. Dann käme man schnell wieder in eine Situation, wo man fusionieren müsse. Aber nach den langen Jahren der strukturellen Veränderungen, „haben wir die Schnauze voll, ständig von Strukturen zu reden.“

 

Finanzielle Belastungen EKBO und NEK:

Der Konsistorialpräsident von Loeper sagte, daß das Finanzsystem der EKBO „keine großen Probleme“ habe. Ein Problem könnten aber immer die Versorgungslasten sein. In Nordelbien gebe es einen viel höheren Abzug für die Versorgungsleistungen. Die EKBO habe ein ähnliches demographisches Problem wie Pommern, das sei in der NEK ganz anders.

 

Plattdeutsch:

Wir sprechen mit den Mecklenburgern eine Sprache, auch mit den Schleswig-Holsteinern. „Was haben wir mit den Brandenburgern gemeinsam? Gar nichts.“

 

Rolle der Kreissynoden:

In DDR-Zeiten immer wichtiger geworden: Wie kommen wir mit den Menschen zurecht, die die Macht haben und wie mit den Menschen, für die wir Verantwortung haben. Solche Fragen wurden auf den Kreissynoden diskutiert.

 

Zum Zeitplan:

Der Charme der EKBO-Lösung liege darin, daß man schnell rechtliche Voraussetzungen habe. Es wurde fragend festgestellt: „Wie lange soll die Nordkirche an Verhandlungen dauern, die wir nicht in den Gemeinden sind?“ Und dann wurde eine Szene berichtet: „Meine Kinder fragten eben beim Abendbrot: Wohin fährst du Papa? Meine Frau: Er fährt mal wieder zu einer Sitzung: Kind: Dann werde ich lieber nicht Pastor.“

 

Geht es um Geld oder doch um etwas anderes?

Das Geld ist kein Sicherheitsgarant, es ist keine Stütze sondern eine falsche Schlange. Die Bibel nennt einen anderen Schatz: Gottvertrauen und Nächstenliebe. Die Gemeinde sei bereit zu Spenden und das Geheimnis sei: Motivation. Fusion sei kein Sicherheitsgarant. Man sei mit Mecklenburg und Nordelbien in Hansetradition und Backsteingotik verbunden.

 

OKR Andreas Flade nahm zu mehreren Punkten Stellung:

Seit 15 Jahren auf einem gemeinsamen Weg mit Pommern. Beide Kirchen haben mit der Zustimmung zu den „Prinzipien und Zielen“ gesagt: Wir wollen euch!

„Ich wollte eigentlich gemeinsam Kirche gestalten und bin den Prozeß mit innerem Engagement angegangen, Kirche zu gestalten für die Menschen in MV, obwohl wir unterschiedliche Strukturen und Gemeindeansätze haben.“

Zum „mecklenburgischen System“ der Finanzen: Eine Kirche, die Antwort auf die Fragen der Zeit findet sei notwendig und die in der Solidarität verbindliche Regelungen findet, damit nicht eine Gemeinde mit viel Ländereien für sich arbeitet und man nur fragt: Was kommt für meine Gemeinde heraus? Er sagte auch, daß in der ELLM 132 Euro pro Gemeindeglied vorhanden seien, in der PEK, durch höhere Landeinnahmen und Staatsleistungen 145 Euro. Man brauche übergemeindliche Dienste, so habe die ELLm mehr Stellen als Pommern und in der Jugendarbeit landeskirchliche 20 Stellen und in den Kirchenkreisen noch einmal 15 Stellen.

Flade räumte ein, daß man zu Beginn des Fusionsprozesses vielleicht einen Fehler gemacht habe, indem die Synoden nicht über die Fragen von Gemeindeverständnis und den Entscheidungen, die die verschiedenen Ebenen der Kirchen treffen, verständigt habe.

 

Einspruch gegen das mecklenburgische Solidarsystem:

Es könne nicht sein, daß jemand sage, was eine Gemeinde abgeben solle und das Geld der Gemeinden „wegsolidarisieren“ würde. Vor Ort gibt es dann für solche Gemeinden kaum noch Gestaltungsmöglichkeit.

 

Beitrittserfahrungen:

Eine Berlinerin sagte, daß sie nicht mehr beitreten wolle. Was OKR Flade eben gesagt habe findet sie verlockender: sich zusammensetzen und zusammen mit Mecklenburg etwas machen.

 

Frage nach der Kürzung von Verwaltung:

Mit der EKBO würden die Kosten für die Pflichtverwaltung geringer sein als bisher und wie geht es mit dem jetzigen Personal?

Von Loeper sagte, daß keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen würden, das habe Bischof Huber gesagt. Auch in Görlitz habe es keine gegeben.

 

Kräftebindung durch Strukturverhandlungen:

Die Menschen im Bundeslang haben viele Veränderungen durchgemacht und daher sei es sinnvoll zu sehen, wo die Strukturen passen, daher sollten die Debatten beendet werden und ein Beitritt an die EKBO sollte erfolgen. (2.3.2007)


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