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Wismarer Propst Dr. Karl-Matthias Siegert aus dem Dienst verabschiedet

Bischof v. Maltzahn: "Du bist ein Segen für unsere Kirche gewesen“

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn (r.) entpflichtet Propst Dr. Karl-Matthias Siegert
01.10.2017 ǀ Wismar.  „Du hast in Zeiten des Umbruchs Kirchesein in Mecklenburg verantwortlich gestaltet und entscheidend mitgeprägt. Und wenn ich das an diesem Tag des Abschieds einmal in aller Deutlichkeit sagen darf: Du bist ein Segen für unsere Kirche gewesen.“ Mit diesen Dankesworten ist der mecklenburgische Propst Dr. Karl-Matthias Siegert am Sonnabend (30. September) vom Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn in Wismar aus seinem Dienst verabschiedet worden.

In seiner Predigt zuvor sagte der Propst im Blick auf seine Kirche: „Die Gegenwart – wie kompliziert sie auch sein mag – ist uns zumutbar, weil Gott für die Zukunft sorgt. ,Es‘ wächst – Gott lässt wachsen. Von der Sorge um die Zukunft sind wir dadurch entlastet und befreit.“

Zahlreiche Vertreter aus den 70 Kirchengemeinden der Propstei Wismar, aus dem gesamten Kirchenkreis, aus der Kirchenkreissynode Mecklenburg und dem Kirchenkreisrat, aus der Nordkirche, der bayerischen Partner-Landeskirche sowie Freunde und Wegbegleiter waren in die St. Nikolai-Kirche und in die Aula der Großen Stadtschule der Hansestadt gekommen, um sich persönlich für das gute Miteinander zu bedanken.

„Ich hatte das Glück, Propst Dr. Siegert als Vorsitzenden des Kirchenkreisrates in fast 60 Sitzungen in den vergangenen fünf Jahren zu erleben. Er hat uns in seiner ruhigen, besonnenen, ausgleichenden und auch humorvollen Art durch die Tagesordnung geleitet und uns so manche Hürde sicher nehmen lassen“, sagte Bettina von Wahl, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenkreisrates. Dr. Siegert blicke auf einen reichen Erfahrungsschatz aus der Zeit der Landeskirche Mecklenburgs zurück. „Diesen Schatz“, so Frau von Wahl, „hat er für den Aufbau des neuen Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg in der Nordkirche gewinnbringend eingesetzt. Der Kirchenkreisrat dankt ihm für seine Arbeit von ganzem Herzen.“

Rückblende: Im Jahr 2004 war Pastor Dr. Siegert zum Landessuperintendenten des Kirchenkreises Wismar berufen worden. Mit der Fusion zur Nordkirche und mit Bildung des Kirchenkreises Mecklenburg mit vier Propsteien übernahm der Theologe dann das Propstamt mit Sitz in Wismar und war kirchenkreisweit u.a. für die die Diakonie zuständig und leitete als Vorsitzender den Kirchenkreisrat.

"Gestaltungsaufgabe vertrauensvoll annehmen"

In seiner Predigt folgte Propst Dr. Karl-Matthias Siegert der Spur vom „Gleichnis von der von selbst wachsenden Saat“. Diese Spur führt nach seinen Worten „in die Zwischenzeit, zwischen Saat und Ernte – in die Zeit des Wachstums und des Reifens - und eben des Wartens“. Siegerts Fazit im Blick auf die Kirche in Mecklenburg: „In der Realität der kleiner werdenden Gemeinden begegnet uns der Anspruch Gottes, dies als Gestaltungsaufgabe für unsere Kirche verantwortungsvoll und vertrauensvoll anzunehmen. In der Realität der kleiner werdenden Gemeinden begegnet uns der Zuspruch Gottes, dies als Chance zur Besinnung auf die Quelle und die Mitte unseres Glaubens selbstkritisch und hoffnungsvoll wahrzunehmen.“

Vor diesem Hintergrund reflektierte Siegert, dass niemand „für das Ganze verantwortlich“ sei. Vielmehr habe jeder, ob auf Leitungsebene oder nicht, seine Aufgaben und seinen Arbeitsbereich. „Aber für das Ganze meines Lebens und der Kirche und meines Dienstes steht Gott ein“, so der fast 63-jährige Theologe, der jetzt in den Ruhestand geht.

Im Blick auf die Aufgabe von Menschen in Leitungsverantwortung heißt dies: „Kümmert Euch darum, dass ihr richtig sät, dass der Boden gut vorbereitet wird, dass ihr das Wachstum kontrolliert und eventuell gießt und düngt wenn es nicht vorangeht. Oder anders gesagt: Kümmert Euch darum, dass Ihr gut vorbereitet, sorgfältig durchführt, reflektiert auswertet, gut miteinander im Kirchengemeinderat, Konvent oder im Team oder in der Synode und im Kirchenkreisrat unterwegs seid und sorgt für eure Seele.“

"Vielfältig kirchenleitend und problemlösend eingebracht"


Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn skizzierte in seiner Ansprache zur Amtsentpflichtung den Weg von Karl-Matthias Siegert nach. Im Pfarrhaus aufgewachsen, führte Dr. Siegert der Weg über das Studium der evangelischen Theologie und einer wissenschaftlichen Tätigkeit in das Pastorenamt der Rostocker Studentengemeinde. Hier habe Siegert seine Leidenschaft für Theologie und thematische Arbeit weitergeben können. „Als unsere Kirche Dich zum Rektor des Predigerseminars berief, war die Bandbreite der Aufgabe beträchtlich“, erinnerte der Bischof und nannte als Beispiele den Umzug des Seminars nach Ludwigslust oder den Aufbau des kirchlichen Bildungshauses. Später berief die mecklenburgische Kirchenleitung Dr. Siegert zum Landessuperintendenten in Wismar.

„Es hat Dich erfüllt, wenn es gelang, für Gemeinden ein Problem zu lösen – sei es baulicher oder personeller Art“, resümierte Bischof v. Maltzahn und verschwieg ebenso die Lasten des Amtes nicht: „Das viele Autofahren; Konflikte vor Ort; die Fülle der Aufgaben in der Zeit der Neuorientierung nach der Fusion – all das konnte bedrückend sein.“ Und dennoch habe Dr. Siegert trotz alledem gern kirchenleitende Verantwortung wahrgenommen, sei es Synodaler auf verschiedenen Ebenen, als Kirchenleitungs-Mitglied in Mecklenburg und in der Gemeinsamen Kirchenleitung während des Fusionsprozesses und nach der Fusion als Propst und zugleich als Vorsitzender des mecklenburgischen Kirchenkreisrates.

Besondere Verdienste beim Weg zur Nordkirche erworben

Auf dem Wege zur Nordkirche habe sich Karl-Matthias Siegert „besondere Verdienste erworben“, stellte der Bischof heraus. Sachkundig habe er sich in verschiedensten Arbeitsgruppen eingebracht, habe engagiert mitgewirkt, „dass wir in der Nordkirche eine Kirchengemeindeordnung mit Verfassungsrang haben“.

In den vielen Gesprächen, die zur Fusion der drei Landeskirchen nötig waren, habe sich Dr. Siegert unaufgeregt eingebracht, stets an der Sache orientiert, vermittelnd, entschieden, wenn es um Unaufgebbares ging. „Dein Wort hatte Gewicht in den Verhandlungen. Du hast Dir auch außerhalb Mecklenburgs großen Respekt erworben. Ich selbst habe Dich als einen Rückhalt erlebt, wie ich ihn mir nicht besser hätte wünschen können“, formulierte der Bischof und dankte sehr persönlich dafür.

„Wir haben Dich erlebt – als einen, der zusammenzusehen und zusammenzuhalten vermochte, dem die Sache mit Gott Herzensangelegenheit war. Dein unpathetischer, gleichwohl in sich ruhender Glaube hat all das in guter Weise getragen“, so Andreas v. Maltzahn abschließend. An das Ehepaar Siegert gewandt zitierte der Bischof den Wochenspruch: „All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch“ und fügte hinzu: „Damit ist die Richtung gewiesen – auf Gott zu vertrauen als Kirche in Mecklenburg, auf Gott zu vertrauen, wenn Ihr, Karl-Matthias und Karen, jetzt in den Ruhestand geht. Wir danken Gott für allen Segen, den er durch Euch gewirkt hat. Sein Segen begleite Euch auf Eurem Weg in die Zeit!“
Quelle: ELKM (cme)