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Predigt am Pfingstsonntag

Dassow, den 31. Mai 2020

Wochenspruch

Es soll nicht durch Heer oder Kraft,
sondern durch meinen Geist geschehen,
spricht der Herr Zebaoth.
(Sacharja 4, 6)

Psalm 118

Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.
Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich

Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 2, 1-21)

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«


Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.
Liebe Gemeinde!

Eine hinreißende Geschichte, die Lukas uns da zu Pfingsten erzählt: Wie der Geist Gottes stürmisch und feurig in die kleine Jüngerschar fährt, Fenster und Türen aufreißt und sie nach draußen fegt. Wie sie - die bis dahin so Ängstlichen und Verzagten - ohne jede Scheu auf wildfremde Menschen aus aller Herren Länder zugehen, alle Sprachbarrieren spielend überwinden und das Evangelium so unter die Leute bringen, dass es bei denen auch sofort ankommt. Wie mit einem Schlag die Kirche da ist. Hinreißend und - unglaublich!
Müssen wir auch nicht glauben, dass das damals so abgelaufen ist. Dass der Heilige Geist im Anfang wie ein Erdbeben gekommen ist und er dann im Laufe der Geschichte offenbar immer ruhiger wurde. Bis hin zur Ordnung unserer Gottesdienste, die Kirchenbesucher ja nicht gerade von den Bänken reißen, sondern dem Bedürfnis stiller Sammlung entgegenkommen.
Und wenn ich dann noch an die wohlabgewogenen Erklärungen von Synoden und Kirchenleitungen denke, an die gründlichen Protokolle von Kirchengemeinderatssitzungen und die harmlosen Texte in unseren Gemeindebriefen - wo ist da noch eine Spur von Sturm und Feuer! Naja, gerade in unserem aktuellen Gemeindebrief hat jemand ein wenig gezündelt, das ist gut. Doch selbst wenn nicht, ist das kein Grund, wehmütig und griesgrämig zu werden und zu sagen: Ja damals. Die Kirche heute dagegen die kannste doch vergessen, kein Pep und kein Feuer mehr.
Zumindest den Geist würde ich der Kirche nicht einfach absprechen - auch wenn ich persönlich es gerne lebendiger, temperamentvoller, stürmischer hätte. Doch - das habe ich in meinem Leben gelernt: Was schnell kommt, das geht auch schnell. Der Heilige Geist aber geht nicht. Er ist im Kommen, immer von neuem und das mit unendlicher Geduld und großer Einfühlsamkeit. Das war im Anfang nicht anders. Die christliche Kirche ist nach allem, was wir aus der ersten Generation - vor allem vom Apostel Paulus - wissen, nicht mit einem Schlage entstanden; sondern mühsame Lernprozesse und schwierige Konflikte hatte sie zu bestehen von Anfang an. Trotzdem macht Lukas uns hier nichts vor. Denn er will nicht von einem einmaligen Ereignis erzählen. Er will uns vielmehr mit einem sehr anschaulichen Bild vor Augen führen, woran man den Heiligen Geist erkennt. Was er bewirkt. Wie er in der Geschichte der Kirche und auch heute noch am Werke ist.
Der Heilige Geist - das zeigt Lukas mit seinem Bild als erstes – der Heilige Geist sorgt dafür, dass die Leute Jesu nicht unter sich bleiben. Sie sind auch nicht an ein Haus und nicht an eine Kirche gebunden. So verständlich es ist, dass wir uns in gewohnten Kreisen wohl fühlen und so gewiss wir Orte brauchen, an denen wir zu Hause sind: Der Heilige Geist ist kein Hausgott, kein Familiengeist und keine Heimatgottheit. Wenn es anders wäre, wären wir noch die alten Germanen. Und das Christentum wäre nie in die Gänge gekommen. Also bei allem Respekt vor dem was Menschen an einen Ort und an eine Kirche und an bestimmte Traditionen bindet: Der Heilige Geist lässt sich dadurch nicht binden. Sein Erkennungsmerkmal ist nicht Stabilität, nicht das Pochen darauf, dass alles so bleibt, wie es ist. Sein Erkennungsmerkmal ist Mobilität, die Kraft, die uns dazu bringt, uns zu bewegen und zu verändern.
Den heiligen Geist erkennen wir zum zweiten daran, dass er sich in allen Sprachen dieser Welt „äußern kann. Wir Menschen können das nicht – bei allem Respekt vor den Sprachfähigkeiten in unserer Gemeinde. Wir können höchstens mehrere Sprachen, nie alle. Und die gehen nicht gut zusammen. Wenn man all diese Sprachen gemeinsam hörte (rufen lassen), dann gäbe es vielleicht ein großes Brausen, das ja, aber vom Verstehen sind wir weit entfernt. Wir Menschen sind eingeschränkt, um nicht zu sagen beschränkt in unseren Sprachmöglichkeiten aber auch in unseren Denk-und Vorstellungsmöglichkeiten. Wir können versuchen, uns in unserer Sprache dadurch Gehör zu verschaffen, dass wir lauter sind als die anderen, doch kommen wir so dem Verstehen nicht näher. Der Heilige Geist ist anders. Denn er ist darauf aus, dass alle Menschen das Evangelium verstehen und dabei auch mitreden können. Und deshalb gibt es im Christentum keine heilige Sprache. Das Hebräisch, Griechisch, Latein - auch das Kirchenlatein- und das Deutsch Martin Luthers sind dem Heiligen Geist nicht wichtiger als etwa die Sprache, in der die Jugendlichen zu Hause sind. So lieb uns die Worte und die Lieder sind, mit denen wir in den Glauben hineingewachsen sind, so unermüdlich dringt der Heilige Geist darauf, dass Kirche sich einlässt auf Sprach- und Lebensformen, die uns fremd, für andere aber so etwas wie ein Zuhause sind.
Und das führt drittens zum Streit: "Die sind doch wohl verrückt, die haben sie doch nicht alle" - so heißt es, wenn Kirche neue ungewohnte Aufsehen erregende Wege geht. "Die sind voll süßen Weines" - heißt es bei Lukas. So ist das mit dem Heiligen Geist. Eine Kirche, die die festen Mauern verlässt und ungewohnte Wege zu den Menschen einschlägt, wird immer auch Skepsis und Kopfschütteln hervorrufen. Doch damit kann der Heilige Geist leben, dass er nicht nur Begeisterung weckt, sondern auch für verrückt gehalten wird.
Also, liebe Gemeinde, Kritik, Streit, Unruhe sind bei dem, was Kirche tut, nicht zu vermeiden. Jedenfalls wenn der Heilige Geist dabei ist, sind sie unausweichlich.
Und was sagt der Heilige Geist - verständlich in jeder Sprache? Woran erkennen wir, dass er in aller Vielstimmigkeit und Buntheit mit dabei ist und es nicht nur um menschlich-allzumenschliche Profilierungssucht geht? Die Menschen, sagt Lukas, hören die Jünger von den großen Taten Gottes reden. In einer Welt, die voller Jammern und Klagen und Schimpfen ist über die anderen und darüber, dass alles schlechter wird und es ein Jammer ist, dass nicht alle solche Prachtkerlchen und Schlaumeier sind wie wir: Da von den großen Taten Gottes reden. Von dem Gott, der die Welt wunderschön geschaffen hat und der von den Menschen so groß denkt, dass er sie und zwar jeden von ihnen ins Herz geschlossen hat und nicht ohne ihn und sie sein will. Dass Menschen mitbekommen, was sie aufrichtet und aufbaut, tröstet und ermutigt. daran erkennen wir Gottes Geist. Und daran wird rechter Gottesdienst erkannt. Rechter Gottesdienst, der nicht nur in der Kirche stattfindet, sondern mit und in all dem, was die Freude am Leben und an seinem Geber weckt.
Ich fasse zusammen: Der heilige Geist pocht nicht auf Stabilität, sondern .er macht mobil. Er bedient sich aller nur möglichen Sprachen, Kommunikationsmittel und Lebensformen. Er ist damit auch immer umstritten. Und er spricht von den großen Taten Gottes.
Und zum Schluss: Wo ist er für mich spürbar als Einzelner, der ja nicht ständig zu tun hat mit dem, was Kirche und Gemeinde machen? Der Heilige Geist ist in jedem von uns, Gott sei Dank.. Denn Gottes Geist, so sagt Petrus in seiner Pfingstpredigt: Gottes Geist ist ausgegossen über alles Fleisch. Fleisch - das ist unser ganz natürliches Leben. Das Leben, das sich naturwissenschaftlich, medizinisch, apparatemäßig erfassen, analysieren lässt: genetisch disponiert, durch Umwelt und Lernprozesse geprägt. Und dennoch erlebe ich, dass ich über meine Grenzen hinaus gehoben werde, dass meine Seele Flügel bekommt und ich spüre: Ich bin nicht nur von dieser Welt. Ich bin angelegt auf eine Welt, in der Leben heil, ganz und wunderschön ist. In solchen begeisternden Augenblicken ganz intensiven Lebens - ob bei einer liebevollen Begegnung, bei einem bewegenden Konzert, einer zu Herzen gehenden Predigt, einer begeisternden Aktion - jeder hat da seine eigenen Gipfelerlebnisse - da ist der Heilige Geist ausgegossen auf unser Fleisch. Doch da sind wir wie Blumen, die davon leben, dass das Begießen nicht einmalig bleibt. Und gerade weil wir ihn schon erfahren haben, wie er uns emporhebt aus der Enge des Lebens und die Seele weit macht, singen und beten wir: O heiliger Geist, o heiliger Gott, du Tröster wert in aller Not.
Amen.

Fürbitte

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
Sondern erlöse uns von dem Bösen. -
Denn dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.






Segen



Der HERR segne dich und  behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten
über dir und sei dir gnädig;
der HERR erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.




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