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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schönberg

Predigt zum Predigttext – Matthäus 11,25-30 vom 21.06.20

Liebe Gemeinde,
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater,
und niemand kennt den Sohn als nur der Vater;
und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle,
die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft,
und meine Last ist leicht.




Zeit für das Wort und ein Wort für die Zeit


Liebe Gemeinde
Seit vierzehn Wochen leben wir im sog. Lockdown. Ein Virus beherrscht unseren Alltag, die Medien und ist in der ganzen Welt. Schulschließungen, Kurzarbeit, Reiseverbote, Abstandsregeln, Maskenpflicht – in wenigen Wochen wurde der Alltag der Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus untergeordnet. Und inzwischen haben wir uns an Vieles gewöhnt. Jede und jeder hat Masken in der Tasche, Desinfektionsmittel an vielen Stellen und es wird Abstand gehalten.


Kein Händeschütteln, keine Umarmungen, nur kurze Besuchszeiten in Pflegeheimen und Krankenhäusern – auch wenn es in anderen Ländern schlimmer ist, so haben wir doch unser Joch zu tragen.


Ein Joch tragen, verstehen wir üblicherweise als „Last“, die uns niederbeugt, denn ein Joch ist schwer und es liegt im Nacken, so dass es den aufrechten Gang behindert.


Nun haben wir gehört, dass Jesus sagt: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht


Ich weiß nicht welche Geschichte Sie mit diesem Wort haben – ich fand immer, dass es seltsam ist, dass Jesus uns überhaupt ein Joch auflegt. Sollte er es uns nicht abnehmen? Ein Joch – egal wie sanft es ist, ist immer noch ein Joch, das uns im Nacken liegt und hindert frei zu sein. Ja, ich habe den Satz lange so gehört, als sollte ich mir Jesu Leidensweg, seine Verurteilung, seinen Tod am Kreuz zum Vorbild nehmen und dadurch Demut lernen – so in der Art: versuch mal Jesu Last zu tragen und dann wirst du spüren, wie gut es dir geht.


Heute glaube ich, dass das ein Missverständnis war. Als Christin muss ich nicht wie Jesus leiden, um von Gott angesehen zu werden. Jesus hat (genug) für uns gelitten und er leidet, bis heute dort, wo Menschen verfolgt, verraten, gefoltert und getötet werden.


Wenn es mir möglich ist, solches Leid zu verringern oder zu beenden, dann ist es gut, das zu tun, aber ich muss Lasten nicht extra suchen.


Und doch spricht Jesus davon, dass wir sein Joch nehmen sollen, seltsam, oder? Wer von Ihnen hat schon mal ein Joch getragen? Also ein wirkliches, aus Holz? (Antworten abwarten) Ich kenne nur Bilder von Menschen, die ein Joch im Nacken und an jeder Seite einen Eimer hängen haben. (Mein Opa hat so eines noch getragen.)


Als ich mir so ein Bild näher angesehen haben, ist mir aufgefallen, dass das Joch nicht die Last ist, sondern ein Gerät, das das Tragen von Lasten erleichtert – also eine Hilfe. Mit einem Joch ist es eben möglich zwei schwere Eimer auf einmal, relativ sicher von einem Ort zum anderen zu bringen. Mir ging auf: Ich hatte das Wort „Joch“ immer falsch verstanden – ( die Redewendung befördert die Missverstehen.)


Klar, wenn das Joch allein schon schwer und klobig ist, dann ist seine Benutzung anstrengender als wenn das Joch gut gearbeitet und leicht ist. Aber das Joch selbst ist nicht die Last, sondern die Last ist das, was am Joch dran hängt.


Wenn Jesus uns sagt: mein Joch ist sanft, lernt von mir – dann ist das also im übertragenden Sinne so, als würde er uns eine gute Ausstattung geben wollen, um unsere Lasten zu tragen. Ein sanftes Joch – heutzutage würde Jesus vielleicht von einem wetterfesten, stabilen Funktionsrucksack sprechen.


In diesem Sinne will Jesu sanftes Joch uns helfen, die Lasten unseres Lebens zu tragen. Jesus bietet uns eine Hilfe an, denn die Lasten sind da. Unser Leben findet nicht im Paradies statt – daraus sind wir, mit der Bibel gesprochen, „vertrieben“. Genau vor dem Predigttext stehen im Mt.-Ev. Sätze, die an Gewalt, an Sodom erinnern. Ja, wir leben in einer Welt mit Ungerechtigkeit und Grausamkeiten, mit Zank, Verrat und Streit, mit Krieg, Flucht und Vertreibung, mit Krankheit und Tod.


Wenn ich mir nur dies vor Augen hielte, wenn ich mein Leben allein von diesen Lasten beschweren und bestimmen ließe, dann wäre ich völlig niedergedrückt, am Boden und hoffnungslos.


Doch in mir ist ein Funken des Geistes, der sagt: nein, das ist nicht alles. Dieser lebenskräftige Geist richtet mich auf, wie er auch Jesu Jünger aufgerichtet hat.


Jesus hat den Menschen immer wieder gezeigt, dass das Leben schön und erfüllt sein soll und kann: Er hat Wasser in Wein verwandelt, damit die Hochzeit weiter gefeiert werden konnte. Er hat Petrus die Hand gereicht, damit er nicht im Meer der Angst versinkt und Jesus hat Menschen geheilt, so dass sie wieder oder zum ersten Mal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnten.


Ein Stück Paradies, ein Stück des Reiches Gottes, in dem gelingende Beziehungen und Freiheit, Freude und Teilhabe möglich sind, wird im Wirken Jesu sichtbar. Und wir als Kirche können dafür exemplarisch Räume freihalten, in die Menschen kommen können. Denn Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“


Ich habe neulich allerdings einen Satz über die Kirche gelesen, der mich nachdenklich gemacht hat. Es ging um die geringer werdende Rolle der Kirche in der Gesellschaft, wie schwierig das alles sei. Und dann schrieb der Autor sinngemäß: „Wenn die Kirche nur ein Verein für Mühselige und Beladene sein will, dann wird sie für die anderen nicht attraktiv sein.“ Und weiter gedacht: Wenn sich in der Kirche nur die Mühseligen und Beladenen versammeln, bzw. die Menschen nur kommen, um Lasten und Mühen loszuwerden und dann wieder gehen, dann fehlt den Gemeinden Entscheidendes. Es fehlen die Erquickten, die Getrösteten, die Fröhlichen, die, die tanzen und lachen können, weil sie von Jesus Sanftmut und Herzensdemut gelernt haben.


Lasten, Prognosen, Ängste verschwinden nicht einfach durch den Glauben, aber ein anderer Blick darauf, wie der Glaube ihn schenkt, verwandelt sie. Das kann uns selbst und auch uns als Kirche und Gesellschaft gut tun.


Wie ein anderer Blick z.B. eine Last verwandelt, das macht für mich ein Plakat anschaulich, das ich als Teenager gesehen habe: Da ist ein vielleicht 8 jähriges Mädchen zusehen, das, in einem Tuch auf seinem Rücken ein kleines (1 Jähriges) Kind den Weg entlang trägt. Erwachsene, die vorbei kommen sagen mitfühlend: „Du trägst aber eine schwere Last.“ Da antwortet das Mädchen: „Ich trage doch keine Last, sondern meinen Bruder.“ Ein Kind belehrt die Erwachsenen – den Unmündigen hat Gott offenbart, was den Klugen und Weisen verborgen war, denn das Wissen, den Bruder und keine Last zu tragen, gibt der Schwester alle Kraft, die sie braucht.


Der Glaube von Gott geliebt zu sein, so wie wir sind und ein unverzichtbarer Teil seiner Schöpfung zu sein, möge unseren Blick leiten und uns die Kraft geben die Lasten, die wir alle kennen und auch die, die wir nur mit Gott teilen, zu tragen und zuversichtlich fröhlich zu bleiben. Amen


Pastorin Wilma Schlaberg
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schönberg St. Laurentius





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