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Schulterschluss mit den Verfolgten

Pommersche Kirchenkreissynode verabschiedet Stellungnahme gegen Fremdenhass

Kirchenkreissynode verabschiedet Stellungnahme gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus. (Symbolbild)
14.03.2015 ǀ Züssow.  Die Synode des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises hat ihre Gemeinden zu klarem Verhalten gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus aufgefordert. In einer am Sonnabend verabschiedeten Erklärung heißt es:

Unserem Kirchenkreis und den Einzelnen in unseren Gemeinden begegnen zunehmend totalitäre Weltanschauungen und Fremdenfeindlichkeit. Weil damit der Kern unseres Glaubens betroffen ist, erfordert diese Situation unsere Reaktion und einen deutlichen Widerspruch. Besonders die Ausgrenzung von Andersdenkenden und die Unbarmherzigkeit gegenüber Fremden dürfen keine Akzeptanz unter uns finden.

Wir erleben, dass viele Menschen in unserem Kirchenkreis verunsichert sind und mit existenziellen Nöten umgehen müssen. Die gesellschaftlichen Umbrüche der Vergangenheit haben gewachsene Identitäten in Frage gestellt und wirtschaftliche Schwierigkeiten verursacht. Wo sich Ängste und Selbstzweifel ausbreiten und das politische System in seinen Grundsätzen angefragt ist, können vereinfachende Antworten und politische Versprechen schwerwiegende Auswirkungen haben. Das friedliche Zusammenleben Aller ist in Gefahr, wenn Einzelne in ihrer Würde verletzt oder ausgegrenzt werden.

Unsere Gemeinden haben oft nicht die Kraft, alle gesellschaftlichen Schichten zu erreichen. Wir haben uns zu lange mit kircheninternen Strukturfragen beschäftigt und nicht genügend auf den gesellschaftlichen Wandel und seine Herausforderungen reagiert. Vielerorts haben Umstrukturierungen zum Rückzug aus der Fläche geführt. Projekte und punktuelle Angebote ersetzen die langfristige und verbindliche Arbeit unserer Kirche vor Ort nicht. Seelsorgerliche Begleitung, geistliche Präsenz und die Arbeit in demokratischen Strukturen sind inzwischen in einigen Regionen unseres Kirchenkreises nur noch eingeschränkt möglich. Wir haben damit Nähe zu Menschen aufgegeben.

Nach wie vor besteht jedoch die Erwartung, dass unsere Kirche in der Lage ist, auf die Probleme der Zeit Antworten zu geben. Wir sind in unserer Region eine der wenigen Institutionen, die eine flächendeckende Zuständigkeit in allen Orten unseres Kirchenkreises aufrechterhält.

Uns verbindet das Bekenntnis zum Evangelium von Jesus Christus. Darin liegt für uns die Quelle des Mutes. Die Botschaft, die wir leben und weitergeben wollen, stellt sich allen Ängsten entgegen. Wenn wir darauf vertrauen, wird der Auftrag unserer Kirche eindeutig. Für uns folgt aus der Bibel und unserem Bekenntnis in direkter Konsequenz eine Offenheit gegenüber verschiedenen Kulturen, Lebensweisen und Weltsichten. Alle Menschen haben die gleiche Würde, die in ihrer Gottebenbildlichkeit gründet. Die Liebe Gottes gilt unterschiedslos.

In der Geschichte unserer Kirchengemeinden sind Erfahrungen von Flucht und dem Verlust der Heimat tief verwurzelt. Viele Menschen, die unsere Gemeinden tragen und bis heute Kirche vor Ort gestalten, waren selbst Flüchtlinge oder sind deren Nachkommen. In der Begegnung mit dem Fremden hat unsere Kirche in ihrer Geschichte große Kraft gewonnen. Diese Erfahrung kann uns heute leiten.

Die Kirchenkreissynode fordert deshalb die Gemeinden und jedes einzelne ihrer Gemeindeglieder vor Ort auf, sich in der Begegnung mit Extremismus und Fremdenfeindlichkeit deutlich zu positionieren, die Thematik weiter zu reflektieren und konkrete Schritte zu gehen:
  • Wir stehen an der Seite derer, die unter den Folgen fremdenfeindlicher Einstellungen leiden. Niemand soll in unseren Räumen oder Veranstaltungen Erniedrigungen oder Diffamierungen erleben. Wir bleiben offen für den Dialog und für die Suche nach Orientierung, auch denen gegenüber, die extremistische Ideologien vertreten.
  • Wir sehen es als Notwendigkeit an, auch jenseits von Effizienzüberlegungen diakonisch zu handeln, vor allem für diejenigen, die nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt in menschenwürdigem Maße zu sichern.
  • Bildung verstehen wir als elementaren Teil kirchlichen Handelns. Für die evangelischen Kindergärten, Schulen und anderen kirchlichen Bildungseinrichtungen in unserer Region tragen wir besondere Verantwortung, damit ihr evangelisches Profil gestärkt werden kann.
  • Auch die Aufarbeitung der Geschichte unserer Kirche und ihrer Gemeinden stellt eine Aufgabe für uns dar. Wir fühlen uns in bleibender Verpflichtung denen gegenüber, die sich in der Vergangenheit gegen undemokratische Strukturen, Totalitarismus oder Machtmissbrauch engagiert haben und dabei persönliche Nachteile und Verfolgung in Kauf nahmen. Wo unsere Kirche extremistische Ideologien akzeptiert und gefördert hat, müssen diese Fehlentwicklungen ausgesprochen werden.
Weil das Evangelium uns leitet, stehen wir als Kirche Jesu Christi in der Verantwortung für alle Menschen:

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“
(Römer 15,7 – Jahreslosung 2015)