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Aus den Rücklagen gleicht der Kirchenkreis das Minus 2014 aus

Pommern schrumpft, Mittel sinken

Von Sybille Marx

Geht die Sonne auf oder unter? Ob die pommerschen Gemeinden in den nächsten Jahren mehr oder weniger Gelder bekommen, ist noch unklar.
03.11.2013 ǀ Greifswald.  Keine pommersche Gemeinde soll im nächsten Jahr finanziell schlechter dastehen als in diesem Jahr. Das hat die Pommersche Kreissynode beschlossen.

Würde niemand gegensteuern: Die meisten der rund 150 pommerschen Gemeinden bekämen im Jahr 2014 mehrere tausend Euro weniger Zuweisungen von der Nordkirche als in diesem Jahr. Das machte Finanzexperte Hartmut Dobbe vom Kirchenamt in Greifswald auf der Pommerschen Kreissynode am vergangenen Sonnabend in Züssow klar. Der Grund: Die Schlüsselzuweisungen sind an Einwohner und Gemeindeglieder gebunden, der Pommersche Evangelische Kirchenkreis (PEK) schrumpft – schneller als andere. „Wir verlieren prozentual mehr Gemeindeglieder als die Nordkirche im Schnitt“, sagt Dobbe. Zwischen 2011 und 2013 sank die Gemeindegliederzahl der Nordkirche „nur“ um 2,69 Prozent, im PEK dagegen um 4,55 Prozent auf rund 89 600.

Manche Gemeinden stünden 2014 trotzdem besser da als dieses Jahr, zeigt der Haushaltsplan 2014, der jetzt beschlossen wurde; weil durch gestiegene Staatsleistungen in der Nordkirche die Pfarrumlage sank, die Gemeinden also weniger Gelder für ihre Pastoren abführen müssen. Vor allem Gemeinden mit vollen oder zwei Pfarrstellen profitieren davon, kleinere kaum. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, entnimmt der Pommersche Kirchenkreis nun im kommenden Jahr 116 000 Euro aus den Rücklagen des Kreises. Die sollen über 20 mal so hoch sein. Bis zu 9 000 Euro bekommen Gemeinden daraus, um ihr Minus auszugleichen. „Wir wollen die Härten abfedern“, erklärte Johannes Staak vom Kirchenkreisrat.

Die Kreissynodalen stimmten zu, aber nicht ohne Bedenken. Erstens, weil die Finanzsatzung die Verteilung der Schlüsselzuweisungen ja eigentlich fair regele. Zweitens: „Es ist dauerhaft keine Lösung, auf Rücklagen zurückzugreifen“, sagte etwa Gemeindepädagoge Cord Bollenbach aus Zinnowitz. Man solle Josephs Traum von den sieben fetten und sieben mageren Jahren als Anregung nehmen und jetzt für schlechte Zeiten sparen. „Es wird nicht mehr Geld.“

Ungünstig schien vielen Synodalen auch, dass das Kirchenkreisamt seit der Fusion noch keine Übersicht über Vermögen oder Schulden des Kreises vorgelegt hat. Das soll sich bis zur Herbstsynode 2014 ändern. Außerdem beschlossen die Kirchenparlamentarier, dass bis zum Frühjahr die Arbeitsstrukturen im Kirchenkreisamt von Externen überprüft werden müssen. Nach Schilderungen von Hartmut Dobbe ächzen Mitarbeiter dort seit der Nordkirchenfusion unter Mehrarbeit, vor allem in der Finanzabteilung. „Im Moment ist die Situation wie ein Kessel, der unter Druck steht“, sagte er. Die Synode stimmte einer kurzfristigen Stellenaufstockung in mehreren Bereichen zu, unter anderem in der Buchhaltung und bei den Finanzen – allerdings widerstrebend, weil dadurch Schlüsselzuweisungen von den Gemeinden abgezogen werden. Langfristig müsse man die Verwaltung besser aufstellen, so der Konsens.

Ob die kommenden Jahre für die pommerschen Gemeinden tatsächlich „magere Jahre“ werden, ist laut Dobbe noch unklar. Im Jahr 2017 etwa rechne man mit zwei Ereignissen, die die Schlüsselzuweisungen deutlich erhöhen; darunter der Ausschüttung einer Stiftung. „Insofern stecken wir vielleicht doch gerade in den mageren Jahren.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 44/2013


Weitere Themen und Beschlüsse der Pommerschen Kreissynode

„Habt Ihr Arme in den Gemeinden? Wenn ja, wie geht es Ihnen?“ Mit solchen Fragen und vielen Statistiken machte Jürgen Kehnscherper vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt bei der pommerschen Kreissynode auf eine Diskrepanz in deutschen Gemeinden aufmerksam: Armut sei kein Minderheitenproblem, sagte Kehnscherper. Immer mehr Menschen in Deutschland lebten von Hartz IV oder kämen mit dem eigenen Gehalt kaum über dieses Niveau. Doch in den Kirchengemeinden seien Arme und Arbeitslose kaum vertreten. „Wir erreichen meist ein anderes Milieu“, sagte Kehnscherper. Die Pommerschen Kirchensynodalen wollen die Nordkirchenparlamentarier nun bitten, sich in einer Themensynode mit Armut und Arbeitslosigkeit auseinander zu setzen und Möglichkeiten kirchlichen Handelns auszuloten. *

Mehr Beratung im Umgang mit Rechtsextremismus wünschen sich einige Gemeinden, andere dagegen nehmen gar kein Problem wahr, letzteres sogar in Orten mit bekannten rechtsextremen Strukturen – das ist eines der Ergebnisse, die ein Ausschuss um die Anklamer Pastorin Petra Huse in den vergangenen Monaten erarbeitete. Seit März haben sich die Mitarbeiter mit Experten getroffen, Gemeinden angeschrieben und Handreichungen gewälzt, um eine pommersche Themensynode Rechtsextremismus im Frühjahr 2015 vorzubereiten. Inzwischen steht laut Huse fest: Viele Gemeinden wünschen sich für den Umgang mit Rechtsextremen auch eine klare Positionierung der Synode. Und sie fragten sich, ob sie mit den derzeitigen Ressourcen und Strukturen sinnvolle Präventionsarbeit leisten könnten. Der Ausschuss hat deshalb eine Liste mit allen Beratungseinrichtungen in der Region erstellen lassen. Auf der Themensynode will er zudem eine Stellungnahme beschließen lassen. Außerdem sollen die Synodalen über Identität, Heimat und Geschichtsaufarbeitung ins Gespräch kommen und Präventions-Strategien von Gemeinden erarbeiten. *

Völlig überlastet sind die drei Bausachverständigen des Kirchenamts Greifswald nach Darstellung des Amts. Mit der Umwandlung von vier Kirchenkreisen in drei Propsteien im Zuge der Nordkirchengründung fiel eine Stelle weg, das Gebiet und die Zahl der baufälligen Kirchen blieb aber gleich. „Wir hatten gehofft, dass die zwei Baureferenten der Nordkirche auch Aufgaben im Kirchenkreis übernehmen könnten“, schilderte der Demminer Propst Gerd Panknin, der auch für Personalangelegenheiten im Kreis zuständig ist. „Das war aber ein Irrtum.“ Diese Mitarbeiter hätten ganz andere Aufgaben. „Die Bewältigung der Bauaufgaben in einem vernünftigen Zeitrahmen ist so nicht möglich“, sagte Architekt Hans Giger, Mitglied im Bauausschuss. Schon vor dem Wegfall der vierten Stelle habe es oft zwei Jahre und damit viel zu lange gedauert, bis ein Baubeauftragter auf die Probleme und Anfragen einer Gemeinde reagierte. „Ich meine damit nicht Schönheitsfragen, sondern Dinge wie undichte Dächer, Feuchtigkeit, Stromausfall“, sagte Giger. So sei es immer wieder vorgekommen, dass Gemeinden ohne Sachkenntnis anfingen, zu reparieren. „Nachher wird dann festgestellt, dass das nicht gut gemacht ist.“ Mittelfristig sei eine Stellenaufstockung nötig. Laut Panknin will man aber auch mit dem Landeskirchenamt in Kiel über die Aufgabenverteilung zwischen Baureferenten und Bausachverständigen verhandeln.