Pommerscher Kirchenkreis: "Pegida entstellt christlichen Glauben"

Klare Absage an Fremdenfeindlichkeit: Die Stralsunder Kirchengemeinden laden am kommenden Montag (12. Januar) zu einem Friedensgebet ein.

© PEK/S. Kühl

08.01.2015 · Stralsund/Greifswald. Klare Absage an Fremdenfeindlichkeit: Die Pröpstin und Pröpste des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises und der Greifswalder Bischof weisen Forderungen der Pegida-Bewegung entschieden zurück. Die Stralsunder Kirchengemeinden laden am Montag zum Friedensgebet ein.

Angesichts der von Pegida-Ablegern in Mecklenburg-Vorpommern für kommenden Montag angekündigten Demonstrationen und „Spaziergängen“ erteilen Pröpstin Helga Ruch (Stralsund), Propst Gerd Panknin (Demmin) und Propst Andreas Haerter (Pasewalk) gemeinsam mit dem Greifswalder Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Fremdenfeindlichkeit eine klare Absage.

„Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar“, sagen Pröpstin, Pröpste und Bischof. „Als bei den Pegida-Demonstrationen in Dresden christliche Weihnachtslieder gesungen wurden, war das eine Verzerrung des christlichen Glaubens, der wir entschieden entgegentreten. Das Kind in der Krippe symbolisiert das Gegenteil von dem, was Pegida fordert. Als Christen stehen wir für Nächstenliebe, Hilfe für Flüchtlinge sowie für Arme und Schwache gleich welcher Herkunft. Wir sind daher der Meinung, dass die Pegida-Forderungen und Ziele nicht zum christlichen Glauben passen.“

Gegen Missbrauch des Kreuzes

Pröpstin, Pröpste und Bischof betonen, dass in Deutschland für alle Menschen Religionsfreiheit und freie Ausübung des Glaubens gelten und stellen klar, dass sie am interreligösen Dialog festhalten. Zudem verwahren sie sich dagegen, dass die Pegida-Anhänger das Kreuz als wichtigstes christliches Symbol für ihre Zwecke missbrauchen, indem sie es in den deutschen Nationalfarben zeichnen. „Eine Vereinnahmung des christlichen Glaubens durch Pegida und deren Ableger akzeptieren wir nicht“, so Pröpstin, Pröpste und Bischof. „Jesus Christus ist für alle Menschen gestorben – und nicht gegen die Muslime.“

„Wir nehmen die Sorgen der Menschen wahr“

„Jeder Bürger hat das Recht, seinen Unmut über politische Entscheidungen oder seine Ängste öffentlich kund zu tun. Und wir nehmen die Sehnsüchte und Sorgen der Menschen wahr. Doch Pegida und deren Ableger sind nicht die geeignete Plattform dafür, diese zu artikulieren“, sind sich Pröpstin, Pröpste und Bischof einig. „Wer Pegida und deren Ableger unterstützt oder daran teilnimmt, öffnet Faschismus und Rechtsradikalismus Tür und Tor.“

Nächstenliebe ist keine Frage der Herkunft

„Der barmherzige Samariter hat nicht nach Herkunft oder Religion gefragt“, beziehen sich die vier Kirchenrepräsentanten auf eine biblische Beispielerzählung aus dem Neuen Testament, in der Jesus das Prinzip der Nächstenliebe und die uneingeschränkte Hilfe für Bedürftige ohne Ansehen der Person beschreibt. „Jeder, der an einer Pegida-Veranstaltung oder deren Ablegern teilnimmt, sollte sich klar machen, wem er dort folgt“, so die pommerschen Kirchenvertreter. „Gleichwohl haben wir für alle Menschen ein offenes Ohr. Kommen Sie mit Ihren Ängsten, Fragen und Sorgen zu uns oder wenden Sie sich an die Pastorinnen und Pastoren in den örtlichen Gemeinden. Wir wollen uns mit den Ängsten der Menschen und mit den Unzufriedenen beschäftigen und dabei helfen, ihnen ihre Furcht zu nehmen.“

„Licht aus für Rassisten“

„Wir wissen, dass es auch in unserer Kirche Menschen gibt, die mit Gedanken vom rechten Rand sympathisieren, doch wir wissen ebenso, dass das nicht der Weg ist, den uns Jesus Christus gewiesen hat. Aus dieser Gewissheit heraus nehmen wir die Aufgabe an, dabei zu helfen, Vorurteile und Ängste abzubauen.“ Die Aktion „Licht aus für Rassisten“, bei der während Pegida-Vorbeimärschen unter anderem der Kölner Dom verdunkelt wurde, halten Pröpstin, Pröpste und Bischof für eine gute, kreative und gewaltfreie Idee, um sich eindeutig zu positionieren. „Wir laden Kirchengemeinden im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis dazu ein, diesem Beispiel zu folgen.“

Einladung zum Friedensgebet

Die Stralsunder Kirchengemeinden laden am kommenden Montag (12. Januar) zu einem Friedensgebet ein. Beginn ist um 19 Uhr in der St.-Marien-Kirche. Daran teilnehmen werden neben Pröpstin Helga Ruch und Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit auch Vertreterinnen und Vertreter der Stralsunder Kirchengemeinden und der Diakonie. Weitere Friedensgebete finden am Montag in Schwerin und Rostock statt

Quelle: PEK (sk/kmv)



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