Fusionsstreit der Kirchen wird zum Politikum
Schwerin (svz). Der Streit um die Kichenfusion im Norden spitzt sich zu: Ein mögliches Zusammengehen der Pommerschen Evangelischen Kirche mit der Kirche Berlin-Brandenburgs könnte den Kirchen-Staatsvertrag in MV aus den Angeln heben und die Finanzleistungen des Landes reduzieren. Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) warb gestern beim Antrittsbesuch der Bischöfe noch einmal ausdrücklich für eine landesinterne Lösung und damit für eine Fusion der Pommerschen Kirche mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Zeitgleich begann in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) der Zukunftskongress zur Reform der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Das Pommern-Brandenburg-Modell hätte aus Sicht von MV zwar keine finanziellen Auswirkungen auf die in Vorpommern lebenden Gemeindemitglieder. Doch die Mitfinanzierung der Pommerschen Kirche durch das Land Mecklenburg-Vorpommern könnte dann in Frage gestellt werden, sagt Ulrich Hojczyk, Kirchenexperte im zuständigen Kultusministerium. „Es ist unrealistisch, dass im Fall einer Fusion mit Brandenburg beim Kirchen-Staatsvertrag in Mecklenburg-Vorpommern alles beim Alten bleibt“, widerspricht er damit der vorherrschenden Auffassung in der Pommerschen Kirche. Mögliche Änderungen müssten dann geprüft werden, so Hojczyk.
Hintergrund: Der Fusionsprozess der beiden evangelischen Kirchen innerhalb des Landes ist 2006 ins Stocken geraten. In der Greifswalder Kirchenleitung sorgte die offene Kritik aus Schwerin an Personalentscheidungen für Verdruss. In Schwerin ist nun wiederum der Ärger darüber groß, dass die Greifswalder jetzt auch noch alternativ Fusionsgespräche mit Brandenburg führen. Eine Entscheidung soll im März fallen.
Für eine Fusion der Pommerschen Kirche mit Brandenburg spricht unter anderem die ähnliche Verwaltungsstruktur – auch wenn es sich hier nur um einen „Beitritt“ handeln würde. Mit Mecklenburg gibt es dagegen bereits Kooperationen zwischen verschiedenen kirchlichen Organisationen. Zudem könnte die evangelische Kirche dann innerhalb des Landes mit einer Stimme sprechen. Die Fusionsdebatte ist deshalb längst zur politischen Frage geworden. Nach Auffassung von Ringstorff würde die Identität des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit einer gemeinsamen evangelischen Landeskirche gestärkt.
Fest steht: Um Fusionen – in welche Richtung auch immer – kommen beide Kirchen im Land nicht herum. Nach den Reformplänen der EKD ist sowohl die Pommersche Kirche mit ihren rund 103 000 Mitgliedern als auch die Kirche in Mecklenburg mit etwa 220 000 Mitgliedern viel zu klein. Beide können sich nicht aus eigener Kraft finanzieren, sondern hängen am Transfer-Tropf westdeutscher Kirchen.
Mit freundlicher Genehmigung von: Schweriner Volkszeitung
Ausgabe vom 26.1.2007

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