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Reichspogromnacht vor 79 Jahren

Pogromgedenken in Mecklenburg-Vorpommern

07.11.2017 ǀ Schwerin/Greifswald/Rostock.  In mehreren Orten in Mecklenburg-Vorpommern wird ab Donnerstag (9. November) an die jüdischen Opfer der Reichspogromnacht vor 79 Jahren erinnert. Unter dem Motto "Verdrehen-Verleugnen-Verharmlosen" veranstaltet ein Arbeitskreis am Donnerstag um 18 Uhr auf dem Schweriner Schlachtermarkt eine Mahn- und Gedenkstunde gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Landesrabbiner William Wolff und der Jüdischen Gemeinde.

In Greifswald gibt es am Donnerstag um 13 Uhr in der Mühlenstraße 10 an der Stelle des ehemaligen Betsaals der Jüdischen Gemeinde eine Andacht. Ab 19 Uhr ist im Bürgerschaftssaal des Rathauses eine Vortragsveranstaltung mit Pastor Irmfried Garbe (Dersekow) geplant. Thema: "Vom Leben nach der Deportation. Die Briefe der Anklamerin Anna Grüneberg 1940 bis 1942".

Die Stadt Neubrandenburg erinnert am Donnerstag um 16 Uhr mit einer Veranstaltung am Synagogenplatz in der Poststraße an die Opfer der Pogromnacht von 1938. Mit dem uralten Phänomen des Hasses und der Gewalt gegenüber Juden beschäftigt sich am Donnerstag um 19.30 Uhr in der Aula des Friderico-Francisceum-Gymnasiums ein Vortrag von German Schwarz, dem Leiter des katholischen Thomas-Morus-Bildungswerks. Im Wismarer Stadtarchiv gibt es am Donnerstag (19 Uhr) einen Vortrag von Falk Bersch zur wirtschaftlichen Ausschaltung jüdischer Kaufleute in der Hansestadt während der NS-Zeit.

In Rostock werden am Donnerstag um 13.30 Uhr und um 16 Uhr zwei weitere Denksteine zur Erinnerung an Rostocker Juden eingeweiht, die während der NS-Zeit inhaftiert, verschleppt und ermordet wurden. Am Freitag (10. November) ist um 9.30 Uhr eine Andacht auf dem Jüdischen Friedhof im Lindenpark mit Totengebeten und Psalmen geplant. Dem schließt sich ein gemeinsamer Gang zur Gedenkstele am früheren Standort der Synagoge in der Augustenstraße an. Dort findet um 10 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt, auf der Landesrabbiner William Wolff, Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Juri Rosov, sprechen werden. Danach wird zur Begegnung in die Jüdische Gemeinde eingeladen.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 gab es vom nationalsozialistischen Regime organisierte Gewalt gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Dabei wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.
Quelle: epd