Nach oben

Arbeitskreis im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis

"Plattdüütsch in de Kirch"

Einige pommersche Pastoren konnten in den 1980ziger Jahren auf Einladung von der Arbeitsgemeinschaft „Plattdüütsch in de Kark“ in Niedersachsen Pastoralkollegs besuchen, bei denen die Verkündigung des Evangeliums in der plattdeutschen Sprache behandelt wurde. Nachdem sich auch in der Mecklenburger Landeskirche 1982 der „Arbeitskring Plattdüütsch in de Kirch“ gebildet hatte, trafen sich diese und andere Pastoren mit interessierten Mitgliedern der Pommerschen Kirche 1986 in Pasewalk zu einer ersten  Begegnung mit einem Austausch über die mögliche Bedeutung der niederdeutschen Sprache im Raum der Kirche. Daraus entstand der heutige Arbeitskreis, der sich nun über 30 Jahre kontinuierlich mit dem Plattdeutschen in Kirche und Gesellschaft, in der Verkündigung und Literatur beschäftigt.

Ständige Vorhaben des Arbeitskreises Jährlich wird eine Arbeitstagung mit plattdeutscher Andacht und einem Fachvortrag,  mit Austausch und Planung zu plattdeutschen Aktivitäten durchgeführt. 

Plattdeutsche Gemeindefeste wurden in der Demminer Region von 1993 – 2001 in Nehringen(an der Trebel) gefeiert mit  Gottesdiensten, plattdeutschen Lesungen und Theaterstücken  unter Beteiligung mecklenburgischer Gemeindeglieder. Nun werden sie alljährlich in Hohenmocker durchgeführt. Neu hinzugekommen sind  jährliche plattdeutsche Gottesdienste u.a. in Gehren ( Pasewalk-Friedländer  Region ), Gützkow, Storkow und  Kröslin, fast immer mit anschließender Kaffeetafel,  (siehe die Reihe der plattdeutschen Gottesdienste 2015) 

Plattdeutsche Gottesdienste werden von ca. 10 pommerschen Pastorinnen und Pastoren zu verschiedenen Anlässen gehalten (z.B. zu Landes- und Kreiskirchentagen, Gemeinde- und  Erntedankfesten und zu besonderen Jubiläumsveranstaltungen (so u.a. Fritz-Reuter- Gedenktage in Altentreptow oder Bernhard-Trittelvitz-Gedenken in Rappin, Rügen) Regelmäßige Gottesdienste in plattdeutscher Sprache finden am Himmelsfahrtstag um 10.30 in Storkow in der Kirche statt und zum Erntedankfest am letzten Septembersonnabend auf einem Bauernmuseumshof in Storkow (bei Penkun) (Siehe die Namensliste mit Anschriften der plattdeutsch predigenden Pastoren) 

Plattdeutsch predigende Pastoren im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis (soweit  bekannt):
1.    Dr. Ullrich Drans, 18546 Sassnitz
2.    Matthias Jehsert, 17321 Ramin
3.    Hans-Joachim Jeromin, 17506 Gützkow
4.    Dietrich Lübbert, 17121 Loitz
5.    Karl-Heinz Röske, 17379 Rothemühl
6.    Karl-Heinz Sadewasser, 16515 Oranienburg

Zahlreiche plattdeutsche Lesungen in Kirchengemeinden und  kommunalen Kultur- und Vereinsveranstaltungen werden durchgeführt. 

Drei Pastoren des Arbeitskreises halten im Rundfunk NDR I- MV im Wechsel mit mecklenburgischen Predigern plattdeutsche Andachten, jeden Montag um 6.20 Uhr. Der Arbeitskreis arbeitet mit bei der Planung und Durchführung  plattdeutscher Angebote auf den Landeskirchentagen und den Deutschen Evangelischen Kirchentagen. 

Nähere Informationen zur Entstehung und zum Arbeitsinhalt von "Plattdüütsch in de Kirch" in Pommern findet man in einem Aufsatz von Karl-Heinz Sadewasser,  Der Pommersche Arbeitskreis "Plattdüütsch in de Kirch" in Christi Ehr und gemeinen Nutzen, Beiträge zur Kirchen-,Kunst- und Landesgeschichte, 3.Band, Thomas Helms Verlag Schwerin 2014 oder in einem Sonderdruck beim Verfasser.

Aktuell

Wi dinken an Dr. Bernhard Trittelvitz (1879-1969)

Im Januar 2019 waren 50 Jahre vergangen, seit der pommersche Arzt und bedeutende plattdeutsche Dichter Dr. Bernhard Trittelvitz von der Insel Rügen verstorben war. Er wurde vor 130 Jahren im hinterpommerschen Wusterbarth (Kreis Belgard) geboren. Aufgewachsen aber ist er plattdeutsch in Rappin, wo sein Vater Pastor war. Trittelvitz studierte nach seinem Abitur am Pädagogium in Puttbus Medizin und wurde 1912 Knappschaftsarzt in Elversberg (Saarland).

Zwei erste Bücher schrieb er in hochdeutscher Sprache. Nach dem 2.Weltkrieg begann er aus Sorge um seine unter kommunistischer Herrschaft stehenden Heimat Vorpommern fast ausschließlich  in plattdeutscher Sprache zu dichten.

„Ja, da ist auf einmal das Heimweh  in mir so übermächtig geworden und gleichzeitig das Plattdeutsche in mir so lebendig, dass ich meine erste plattdeutsche Geschichte schrieb mit dem Titel „Muttlänner in de Frömde. Ich merke mit Staunen, welch eine unerschöpfte, bildstarke Kraft in der plattdeutschen Sprache liegt ‘‘- so schrieb Trittelvitz später über die Sprache
seiner Rappiner Kindheit und Jugend. In den Nachkriegsjahren entwickelte sich nun der Mediziner vor allem in seinem Ruhestand zu einem plattdeutschen Erzähler und Lyriker. Er erzählt aus seiner Schulzeit in „To lütt för de Leev“(1953) davon, wie er seinen ersten Walzer auf dem Tanzschulabschluß in Putbus schafft. In „Dat  letzte Wuurt hett ümmer noch de Meister“ (1962) lässt er seine Leser teilhaben an seinen Erlebnissen als Arzt an der Seite seiner Patienten. Neben diesen zumeist humorvollen und zugleich besinnlichen Geschichten schrieb Dr.Trittelvitz aus seinem christlichen Glauben heraus in „Ick heff en goden Stüürmann“ (1964) plattdeutsche Andachten  zu biblischen Texten. Hochdeutsche Psalmen und Choräle übersetzte er häufig  ins Plattdeutsche. Er schrieb auch plattdeutsche Gedichte, in denen er seiner Freude an der pommerschen Heimat auf Rügen dichterischen Ausdruck verlieh.

Nach einigen gesundheitlich schwer belasteten Jahren starb Trittelvitz kurz vor Vollendung seines  90.Lebensjahres am 17.1.1969 in Saarbrücken.
Zu seinem Gedächtnis  wird die Kirchengemeinde Rappin in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft „Plattdüütsch in de Kirche“ am 12.5.2019 um 14.00 in der Rappiner Kirche einen plattdeutschen Gottesdienst feiern mit anschließender Kaffeetafel. Dazu wird hiermit herzlich eingeladen.


Wo ick an glöven do

Mein Elternhaus hat stets an Gott gehalten.
Kaum dass wir sprechen konnten, lernten wir
die kleinen Kinderhände fromm zu falten
und bitten: „Herr, ein reines Herz gib mir!“.
Die Bibel, wie sie Luther uns gegeben,
die lehrte unser Vater mich verstehn:
Sie soll dein Führer sein durchs ganze Leben,
dann wird dein Fuß nicht in die Irre gehn.!
 
Sein Wort blieb wahr in langen Wanderjahren,
in Krieg und Frieden, Glück und bittrer Not
hab ich es tausendmal aufs neu erfahren:
Ein feste Burg ist unser Herr und Gott.
Das Wort vom Kreuz hab ich in allen Stunden,
die ich erleben durfte auf der Welt,
als felsenfesten, sichern Grund gefunden,
der meinen Anker heut und ewig hält.

Heut sagt man mir, ich soll mich von ihr wenden,
von meiner Kirche, die mir immer Heimat war,
vom Gotteshaus, wo ich mit Mund und Händen
mein Treugelöbnis gab vor dem Altar.
Ich sag euch gleich, dass ich das niemals tun kann,
denn tät ich’s, müßt ich feig und untreu sein.
Und Treue steht für jeden deutschen Mann
Zuerst – zuletzt, im Himmel und auf Erd.

Wer in seiner Gemeinde einen plattdeutschen Gottesdienst feiern möchte, melde sich bei Pastor Jeromin (Tel.: 038353-251, e-mail: guetzkow1pek.de)



Dat Bäden
Nu is bald werrer dei Sünndach Rogate an dei Reich. Rogate- dat bedüdt von ulle Tieden an : Nu, bäd’t uk un vertellt nich bloots mit juch sülben un mit dei annern in’t Hus un in de Fründschaft. Ne, du kannst woll uk Gott eis sengen, woans di dat geiht un di taumaut is.

 Ick heff dat in mien Kinndertied beläwt, dat ein Minsch mirnmag all de Freuden und Sorgen von sien Läben an Gott dinken un mit em räden kann. Dat wier mien Oma. Wenn sei an’ Mirrachsdisch seet, denn folgt sei ehr Hännen un bäd: Kumm du, Herr Jesus, wes bi uns tau Gast un sägen uns dat, wat du uns geben haast.

 Jo, so heff ick dat denn uk liert un heff obends, bevör ick inschlopen bün, mien’ Vers bädt. Spärer denn up’t Gymnasium un in’t Internat heff ick markt: O, ick kann mit unsen Herrgott so räden as mit mienen Varrer. Ick dörf em so unner dei Ogen komen as ick bün. Hei hürt mi, süht mi und hett Tied för mi.

 Un denn heff ick vör dei Lateinarbeit bädt, öber dorför liehrt har ick uk. Ick heff bädt an’t Lenkrad von mien Auto un ihrer ick dei Dör upmök von einen groden Sool von dei Uni-Klinik in Griepswold, dor heff ick frömde kranke Minschen besöcht. Ick heff Gott Dank secht, wenn mi dat gaud güng un ick heff em uk vertellt, wat mi dolböcht un Angst injocht.

Hest du dat Bäden uk all eis versöcht? Wenn nich, denn kannst du tau jede Tied  dormit anfingen – mit Gott räden so as di tau Maut is.
                                                                                                      
Karl-Heinz Sadewasser

Dei Hochsprung

Uns pommersch Dokter un plattdüütsch Dichter Bernhard Trittelvitz vertellt eis von ein Sportstunn up’t Pädagium in Putbus. Hochspringen wier an dei Reich. Sien Mitschäulers wiern all utscheidt un hei süll noch bäten wat höger springen. „Na, wenn mi dat man glückt“, säär Trittelvitz sihr unsicher tau sienen Lehrer.

„Na, denn loot dat doch, mien Jung“, säär dei tau sienen Schäuler, „ohn Tauvertrugen geiht dat nich. Kennst du nich dat Wurt: Wenn du öber einen breiden Groben springen wisst, denn schmied ierst dien Hart röber.“ Trittelvitz hett sich truugt un dei Sprunglatt bleef lingen. Hei har dat schafft.

Wi warden  uns Läben lang immer werrer eis vör sone Sprunglatten orrer vör einen breiden Groben stellt un dor möten wi denn röber. Dat kann dien Gesellenstück un dat Abitur sind, dei Meisterprüfung un dei Tied tau Proof up dei  niege Arbeitsstell. Uk ne gefährlich Krankheit und dat Affschiednähmen von ein’ leiwen Mischen köönen woll vör uns stohn as so’n hogen Barg.

„Minsch, dor du kümst du all dien Doog nich röber“ warden wi woll männigmol dinken: So veel Karoosch heff ik  nich, dat ick mien Hart mit Tauvertrugen dor öber krieg. Trittelvitz stühn  as  jung Assistenzdokter uk eis vör einen breiden Groben un wier so recht verzoogt. Dunn hett dei Paster von dei Diakonieanstalt in Bethel, Friedrich von Bodelschwingh, tau em seggt:

„Wäs nich bang, jung Fründ. Mit dei Not, dei du no Gott ruup langst, kümmst du woll taurecht.“

Karl-Heinz Sadewasser



Kontakt

Vorsitzender
Pastor Hans-Joachim Jeromin
Kirchstr. 11b
17506 Gützkow
Tel.: 038353 251
E-Mail: guetzkowpek.de
 
1. Stellvertreter
Pastor i.R. Dietrich Lübbert
Haussmannstr. 46
17121 Loitz
Tel.: 039998 31422
 
2. Stellvertreter
Pastor i.R. Karl-Heinz Sadewasser
Dianastr. 9c
16515 Oranienburg
Tel.: 03301 689199
Diese Website verwendet Cookies und die Webanalyse-Tools Matomo und Google Analytics. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden.Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es auf der Seite Datenschutz.