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Ein Gotteshaus voller Geheimnisse

Pinnower Dorfkirche erstrahlt in neuem Glanz

06.06.2014 ǀ Pinnow.  Unweit der Bundesstraße 110, beinahe in Sichtweite der Insel Usedom, steht mit der Pinnower Kirche ein historisches Kleinod, das aus dem Dornröschenschlaf geweckt und vor dem Verfall gerettet wurde. Was den Einheimischen bekannt ist, bleibt vielen vorbeifahrenden Urlaubern verborgen. Dabei lohnt sich der Abstecher, denn die kleine Kirche in Pinnow ist geheimnisumwittert.

„Niemand weiß, warum der Eingang der Kirche früher mal so riesig war“, sagt Johannes Spanke. Er ist Mitglied des Fördervereins zur Erhaltung der Dorfkirche Pinnow und beschäftigt sich vor allem mit der Historie des Gotteshauses. Er steht vor der kaum zwei Meter hohen barocken Kirchentür, über der im Mauerwerk des Kirchengiebels die Spuren eines viel größeren Eingangs erkennbar sind. „Irgendwann wurde dieser überdimensionierte Zugang zurückgebaut.“ Möglicherweise hatte das mit dem Turm zu tun, der früher vor dem Eingang stand, von dem aber nur noch große Fundamentsteine zeugen.  

Heiligtum in exponierter Lage

Gebaut wurde die Kirche um das Jahr 1400. Allerdings stammt die älteste vorhandene Grabplatte aus dem Jahr 1360. Möglich also, dass es einen Vorgängerbau gab, für den es jedoch sonst keine Belege gibt. „Aufgrund der exponierten Lage des Hügels auf dem die Kirche steht, ist es denkbar, dass sich an dieser Stelle ein älteres Heiligtum befand“, berichtet Johannes Spanke. „Von den Slawen, die früher hier siedelten, ist bekannt, dass sie sich gern solche Plätze dafür aussuchten. Ebenso, dass christliche Siedler diese Heiligtümer dann überbauten.“ Doch das bleibt Spekulation, so wie die Funktion der zahlreichen Wandnischen im Kircheninneren. Sie schwächten die Gebäudestruktur so nachhaltig, dass schon die mittelalterlichen Bauleute außen an den Seiten und den Ecken Stützpfeiler anbrachten, damit die Mauern nicht auseinandergingen.

Pfeile weisen nach Spanien

Die Nischen erinnern an ähnliche Öffnungen in den Wänden von Pilgerkapellen, in denen Bildnisse und Statuen aufbewahrt werden. Das brachte den Förderverein auf die Idee, aus der Pinnower Kirche eine Pilgerkirche zu machen. Ob sie früher wirklich an einem Pilgerweg lag, muss noch erforscht werden. Heute ist sie Teil des wiederbelebten baltisch-westfälischen Jakobsweges im Ostseeraum, der Via Baltica. „Den gelben Pfeilen der Via Baltica kann man von den baltischen Ländern bis zum eigentlichen Jakobsweg folgen, der ins spanische Santiago de Compostela führt“, erzählt Johannes Spanke.

Pilger als Zukunftsperspektive

Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger gibt es im alten Pinnower Pfarrhaus, in dem Johannes Spanke wohnt. „Vorhin hat sich telefonisch ein Pilger angemeldet, der auf dem Weg hierher ist. In zwei, drei Stunden wird er hier eintreffen“, sagt Johannes Spanke, der sich von den Pilgern Impulse für Pinnow und die Region verspricht. In Spanien habe er erlebt, wie selbst die entlegensten Regionen dank des Jacobswegs zu neuem Leben fanden. Von ähnlichen Pilgerströmen ist Pinnow zwar noch ein Stück entfernt - in den zurückliegenden drei Jahren waren rund 220 Pilger im Pfarrhaus zu Gast – doch ein Anfang ist gemacht und der Pilgerweg nicht nur Brücke in die Vergangenheit, sondern auch Perspektive für die Zukunft.

Orgel erklingt wieder

Gegründet wurde der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Pinnow im Jahr 2006. „Dass die Restaurierung in so kurzer Zeit ungesetzt werden würde, stand damals in den Sternen“, so Johannes Spanke. Dach, Mauern - eigentlich alles befand sich in einem beklagenswerten Zustand. Auch die Orgel, die kaum mehr einem Instrument ähnlich war. Inzwischen sieht die Orgel, die vermutlich um 1850 in Stralsund von Friedrich Nerlich gebaut wurde, nicht nur wie neu aus, sie klingt auch wieder glockenhell.

Überraschungen im Boden

Bei den Restaurierungsarbeiten traten viele Überraschungen zutage. So fanden sich Münzen und eine Vorderladerkugel im Boden sowie unter dem Putz Wandmalereien aus verschiedenen Epochen, von denen einige wiederhergestellt werden konnten. Unter dem Altarraum wurden zwei Gruftgewölbe freigelegt, die aufgrund ihrer Ausmaße ein weiteres Rätsel darstellen. „Sie sind eigentlich viel zu groß für ein so kleines Dorf“, meint Johannes Spanke. Untypisch sind auch die zahlreichen zugemauerten Öffnungen und Eingänge in den Kirchenwänden. „Es ist erstaunlich, wieviel in den Jahrhunderten an dieser kleinen Kirche herumgebaut und verändert wurde“, so Johannes Spanke. Der hervorragenden Akustik im Inneren habe das aber nicht geschadet, wovon sich die Besucher der Dorfkirchenkonzerte regelmäßig überzeugen können. So auch am Sonnabend, 7. Juni, wenn der Abschluss der Restaurierung gefeiert wird.

Restaurierung ist wie ein Wunder

„Stifter, Freunde, Förderer und Gemeindemitglieder haben mit dem Förderverein eine Vision Wirklichkeit werden lassen, die wohl kaum jemand zu hoffen gewagt hatte. Ein schönes Beispiel von Gottvertrauen und menschlicher Initiative“, heißt es in der Einladung zum Fest im Gemeindeblatt. Der Festgottesdienst beginnt um 17 Uhr. Die Predigt hält Gerd Panknin, Propst der Propstei Demmin im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. „Die Restaurierung der kleinen Dorfkirche dank des Fördervereins und verschiedener Stifter ist wie ein Wunder. Besonders schön ist es, dass der Förderverein mit der offenen Kirche und dem Sonntagskaffee, mit Konzerten und mit der Pilgerkirche Leben ins Gotteshaus gebracht hat“, so Gerd Panknin.

Kirchenkonzert im Kerzenlicht

Nach dem Gottesdienst am 7. Juni wird gegen 18 Uhr im Gemeindesaal ein Buffet eröffnet. Um 19.30 Uhr beginnt das 13. Pinnower Dorfkirchenkonzert mit Kammermusik bei Kerzenlicht in der Kirche. Zwischendurch und nach dem Konzert bei einem Glas Wein in der Pfarrscheune wird auch viel Wissenswertes über die Dorfkirche und zur Sanierungsgeschichte zu hören sowie eine Bilderschau zu sehen sein.
Quelle: PEK (sk)

Pfarramt Lassan

Weitere Informationen zur Dorfkirche Pinnow unter: www.pinnow-vor-usedom.de