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Pilgerwege in Mecklenburg-Vorpommern


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Wahrscheinlich gibt es so viele Gedanken zum Pilgern, wie es Pilger gibt, oder Pilgerwege. Nicht erst mit Hape Kerkelings 2009 erschienenen Buch „Ich bin dann mal weg.“ hat die Zahl der Pilger in den letzten Jahren rasant zugenommen. Doch was hat es auf sich mit diesem Phänomen, und warum gibt es auch in Mecklenburg-Vorpommern Pilgerwege?


Der Soziologe Christian Kurrat hat auf der Suche nach persönlichen Motiven vier biografische Umbruchssituationen der Jakobsweg-Pilger gefunden: Krise, Auszeit, Übergang und Neustart. Und für den Berliner Theologen Notger Slenczka ist das Pilgern keineswegs »ein katholisches Relikt, das im Protestantismus nichts verloren hat«. Vielmehr ist es für ihn die Vieldeutigkeit von Gehen und Innehalten auf dem Pilgerweg. Religiöses Erfahren schafft sich seinen eigenen Raum, erfährt das Leben als einen Weg mit ganz verschiedenen Stationen, vielleicht in der Suche nach der einen besonderen Blume. Wenn sich die Kraft des Glaubens auf diese Weise im Gehen und Erleben eines Weges erschließe, so sagt Slenczka, dann könne ein Pilgerweg genau das leisten, was eigentlich Verkündigung leisten möchte.

Beim Pilgern geht es darum: Da zu sein, hier und in diesem Moment da, lebendig zu sein, in jedem Schritt, in jedem Atemzug, in jedem Schweißtropfen, so die Erfahrungen des Psychotherapeuten Wolfgang Kämmerer.

Beim Gehen werden also die Gedanken frei und die Sinne offen und aufnahmefähig. Und Pilgern hat mit Selbsterkenntnis zu tun. Sinnvollerweise nicht daheim auf dem Sofa, da liegt die  Fernbedienung des Fernsehers zu nah – all die Medien, die Mittel, mit denen wir uns ablenken, zerstreuen, statt uns zu sammeln und 'in uns zu gehen'. Darum ist man dann einmal weg.

Die durch Mecklenburg-Vorpommern gehenden Pilgerwege orientieren sich an diesen Interessen. Die Pilgerinitiative Pilgerkloster Tempzin sieht dabei bereits auf eine neuzeitliche Tradition von 25 Jahren und hat bundesweit viele inspiriert.

In ihrer unaufdringlichen Art versuchen die Wege im Land die in die Gegenwart hineinragenden Zeugen der Vergangenheit – einen Weg, Kirchen, Pilgerstätten, Klosterorte, und Wegmarken - mit einer Geschichte so zu erschließen, dass sie Impulse zum Nachdenken über das eigene Leben geben können.