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In der Hornstorfer Kirche bei Wismar wird gebaut

Pilgerherberge in der Südkapelle

28.05.2017 ǀ Hornstorf.  Weit geht der Blick vom Hornstorfer Kirchberg übers Land – bis in die Poeler Bucht. An der Kirche stehen Gerüste. Bald soll in der Südkapelle eine Pilgerherberge über zwei Etagen eingebaut sein.

Die Arbeiten am Hornstorfer Kirchturm, die rund 300 000 Euro kosten sollten, hatten gerade begonnen, der Turm war eingerüstet – da gab es eine böse Überraschung. Gemeindepastorin Miriam Knierim erfuhr im September 2016 in ihrem Urlaub, dass die Kirche gesperrt werden müsse. Es war ein trockner Sommer gewesen, schwere Landwirtschaftsfahrzeuge waren auf der vielbefahrenen Straße an der Kirche vorbeigefahren – als sich im Gewölbe starke Risse zeigten, Mörtel herunter kam. Einige Stellen im Mauerwerk waren regelrecht nach außen gedrückt worden. Es durfte nicht mehr geläutet werden, ein Konzert zum Apfelfest musste abgesagt werden.

Landeskirche und Kirchenkreis reagierten schnell und unbürokratisch, erzählen Pastorin und Kirchenältester Klaus-Jürgen Hinrichs, Mitglied des Fördervereins. Es wurden finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und drei Zuganker eingezogen. Zur Notsicherung des Gewölbes wurden vom Kirchenkreis 69.000 Euro zur Verfügung gestellt. Für den Einzug von Zugankern musste die Kirche leergeräumt werden. Die Orgel wurde eingehaust. Die Christvesper konnte nicht in Hornstorf gefeiert werden – die Gemeinde wich nach Goldebee aus. Der neue Kirchengemeinderat aber wurde im Januar bereits in der Kirche in Hornstorf eingesegnet.

Geplant war ursprünglich, Turm und Pilgerherberge in einem ersten Bauabschnitt fertigzustellen und in einem zweiten das Kirchenschiff, die Nordkapelle und die Sakristei, sowie den Chorraum zu sanieren. In diesem Jahr soll nun nach der Notsicherung auch die Gewölbesanierung beginnen. Dafür werden 445.000 Euro benötigt. Ursprünglich war die Ausgangssumme für den ersten und zweiten Bauabschnitt insgesamt 575.000 Euro. Jetzt wird weit mehr Geld benötigt. Hilfreich beim Einwerben von Spenden ist der 2006 gegründete Förderverein mit seinen 24 Mitgliedern. Durch Veranstaltungen wie das jährliche Apfelfest, Adventsfeiern, Konzerte, Radtouren, Lesungen trägt der Verein dazu bei, dass die Kirchengemeinde Hornstorf/Goldebee ihren Eigenanteil an den Baukosten aufbringt.

Kirchengemeinden gehen aufeinander zu

Aber es stehen nicht nur Bauaufgaben an der über 725 Jahre alten Kirche in Hornstorf auf dem Plan. Miriam Knierim, seit gut einem Jahr auf ihrer ersten Pfarrstelle hier tätig, wohnt im Pfarrhaus in Hornstorf. Sie ist für drei Kirchengemeinden mit vier Kirchen und vier Friedhöfen in rund 30 Dörfern zuständig. Zu den drei Kirchengemeinden gehören rund 600 Gemeindemitglieder.

Die drei Kirchengemeinderäte wollen über eine intensivere Kooperation nachdenken, zum Beispiel durch die Arbeit im Kooperationsausschuss der drei Gemeinden und die kulturellen Veranstaltungen. Auch soll das Hornstorfer Apfelfest dieses Jahr in Zurow stattfinden. Außerdem wird mit den kommunalen Gemeinden zusammengearbeitet. Das alle zwei Jahre stattfindende Dorffest wird mit einem Konzert in der Kirche eröffnet.

Die Kirche in Lübow ist baulich in Ordnung. Sie hat vor einigen Jahren neue Glocken bekommen. Allerdings steht ein Rissmonitoring an. In Goldebee wurde nach der Wende das Dach neu gedeckt, der Fußboden neu verlegt. Gut wäre, so die Pastorin, wenn hier Sanitäranlagen eingebaut werden könnten. Hier findet ein Mal im Jahr das sogenannte Kirchendinner statt, dessen Gäste bislang die sanitären Örtlichkeiten im einige Minuten entfernten Gutshaus aufsuchen müssen. In Zurow wurde das Dach erneuert, das Gewölbe saniert. Die Sanierung der Strebepfeiler hat begonnen. Die Kirche in Hornstorf soll Ende des Sommers die ersten Pilger beherbergen – die dann von ihrem Bett aus in das Kirchenschiff sehen können.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 21/2017
Info

Die Kirche in Hornstorf wurde erstmals 1327 urkundlich erwähnt. Es ist ein auf einem Granitfundament ruhender Backsteinbau. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Innere der Kirche völlig zerstört. Auch im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche Schäden. Die russischen Besatzer, so erzählt man, verbrannten die Bänke, beschädigten den Altar aus dem Jahr 1828, schlugen die Kanzel ein und demolierten die Orgel, sie rissen den Fußboden auf der Suche nach alten Gräbern auf. Der Kirchraum diente 1945 als Lager und Pferdestall. Das Kirchengebäude wurde mit Hilfe der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) wieder instandgesetzt.