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"Kirche ist gerufen, die andere Globalisierung zu leben“

Partnerkirchenkonsultation der Nordkirche mit Festgottesdienst beendet

Partnerkirchenkonsultation der Nordkirche mit Festgottesdienst im Hamburger Michel beendet
21.09.2015 ǀ Hamburg.  Zum Abschluss der Partnerkirchenkonsultation der Nordkirche hat Landesbischof Gerhard Ulrich an alle Christen appelliert, „Geld und Brot, Frieden und Freiheit“ mit Flüchtlingen zu teilen. „Wir sind nicht frei, den Menschen, die vor unserer Tür stehen, dies zu verwehren“, sagte der Landesbischofam Sonntag in seiner Predigt im Festgottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis.

„Jeder hat die Pflicht, seinen Reichtum für die Bedürftigen zu verwenden und nicht für Profit auf Kosten der Armen. Die am meisten Bedürftigen sind heute Flüchtlinge“, mahnte auch der Bischof der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Zacharia Kahuthu, in seiner Predigt.

Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) überbrachte Grüße der drei Nordkirchen-Bundesländer. "Ich bin mir sicher, dass die Partnerkirchen-Konsultation viele Impulse gab, von denen vor allem die Hilfesuchenden profitieren werden", sagte sie in Vertretung für Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein.
 
Die Konsultation mit rund 60 Delegierten aus fast allen weltweiten Partnerkirchen und Partnerdiözesen der Nordkirche unter dem Motto „Gemeinsam den Weg der Gerechtigkeit gehen“ war am 12. September eröffnet worden. „Zu lange haben wir hier zugeschaut, wie Kriege sich wieder in vielen Regionen der Welt ausbreiten und Menschen zur Flucht gezwungen wurden“, so Landesbischof Ulrich. Inzwischen seien hierzulande und in vielen anderen Ländern zahlreiche Hilfsaktionen angelaufen. „Wir sind dabei, umzudenken und Verantwortung zu übernehmen“, sagte er und betonte: „Die äußersten Wellen der globalen Migration, die uns erreichen, sind keine Episode. Sie werden unser Land verändern.“
 
Der Landesbischof dankte den vielen Gemeinden, Einrichtungen und Ehrenamtlichen, die jetzt eine Willkommenskultur leben. Schon seit langem forderten die Kirchen jedoch auch ein verändertes Asylrecht, ein Einwanderungsgesetz und mehr Menschlichkeit für die hier gestrandeten Migranten: „Wir leisten Beiträge, das geltende Recht weiterzuentwickeln, dürfen es aber nicht brechen.“
 
Die Kirche sei zudem gerufen, „die andere Globalisierung zu leben“, so Ulrich weiter. „Die Globalisierung des Glaubens, der damit rechnet, dass er Grenzen überwindet, Zäune abbricht, damit der Friede, den Jesus bringt, sich ausbreiten kann wie ein Dach über unser Leben und ein Boden unter den Füßen zugleich.“
 
Das Schicksal der von der Abschiebung bedrohten 40 Roma im Hamburger Michel, die im Gottesdienst eine Erklärung verlasen, beschäftigte auch die Delegierten der Konsultation: „In Kenia haben wir mehr als 500 Flüchtlinge in einem Lager. In Europa habt ihr genug Ressourcen, Eure Verantwortung gegenüber diesen Bedürftigen wahrzunehmen und Euch um die aktuell in euer Land kommenden Flüchtlinge zu kümmern, wie wir es in Kenia mit unseren begrenzten Mitteln tun“, sagte Bischof Kahuthu. Landesbischof Ulrich: „Wir appellieren an die Behörden, die Politiker und die Gesellschaft insgesamt, den Männern, Frauen und den vielen Kindern hier zu helfen.“
Quelle: Nordkirche/epd