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Orgelumzug vom Darß in die Uckermark

„Vielleicht klingt die Orgel in Mescherin noch besser als in Ahrenshoop“

Ahrenshoop (rn). „Ich bin zwar etwas wehmütig, aber es ist so schön zu sehen, dass unsere Orgel in so gute Hände kommt,“ sagt Gisela Vogt, Küsterin der Kirche in Ahrenshoop und schaut einen langen Vormittag zu, wie die 1961 gebaute Schuke-Orgel von der kleinen Empore der Schifferkirche in Ahrenshoop/Darß Stück für Stück auseinandergenommen wird und in zwei Transportern verschwindet. Sie ist ganz erfüllt von der guten Zusammenarbeit und der Stimmung von alter und neuer Orgelgemeinde. Zwischendurch erklärt Sie geduldig vielen Touristen, die die hölzerne Kirche besichtigen wollen, dass es heute nicht ginge und lädt sie zum nächsten Orgelkonzert am Mittwoch auf der neuen Wegscheider-Orgel ein.

Am frühen Montagmorgen (10.6.2013) hatte der Abbau des Instruments durch Orgelbaumeister Andreas Arnold aus Plau am See, unterstützt durch drei zupackende Männer aus der Kirchengemeinde Mescherin in der Uckermark, wo die Orgel ihre neue Heimat finden wird, begonnen.
Darunter Pastor Hilmar Warnkross aus Gartz/Oder, der jede der 432 Pfeifen behutsam ausbaut und auch beim Abtransport des Orgelgehäuses kräftig zupacken kann. Aber auch der Kirchenälteste Volker Schmidt-Roy aus Mescherin ist dabei und beteiligt sich engagiert am Orgelabbau und stellt als Geschäftsführer einer Gartenbaufirma den Lastwagen, mit dem das Instrument in transportiert wird. Pastor Warnkross freute sich, als Schmidt-Roy sagte: „Wir sind dabei, denn wir brauchen eine Orgel für Mescherin!“ Übrigens hat auch der Gastwirt des kleinen Dorfes in der Uckermark sich für die neue Orgel eingesetzt, denn er stellt die Zimmer für die Orgelbauer während des Aufbaus kostenlos zur Verfügung.
Der dritte Hilfsorgelbauer an diesem Vormittag ist der Pasewalker Regionalkantor Daniel Debrow, der die Orgel künftig spielen wird. Alle drei bauen unter Anleitung des Fachmannes die Pfeifen, die Windlade, das Wellenbrett und feine mechanische Teile aus – so, als hätten sie den Umgang mit einer Orgel schon lange gelernt. Arnold ist am Ende mit seinen drei Hilfsorgelbauern offensichtlich zufrieden.

Kantor Debrow freut sich auf die kleine Orgel, denn in der mittelalterlichen Dorfkirche von Mescherin wurde die wertvolle Grünebergorgel durch Kriegseinwirkungen zerstört. Als Kirchenmusiker ist er vor allem auf das Spielen auf der neuen Orgel gespannt: „Vielleicht klingt sie bei uns noch besser als hier in der kleinen Holzkirche, denn wir haben eine sehr gute Akustik, da die Wände sehr hoch sind und es eine durchgehende Kassettendecke gibt,“ sagt er voller Erwartung.
Nun muss er sich noch bis Anfang August gedulden, denn Orgelbaumeister Arnold sagt, dass das Instrument sich erst einmal vier Wochen an die so ganz anderen Verhältnisse in Mescherin gewöhnen müsse, immerhin bestehen 20% Unterschied in der Luftfeuchtigkeit zwischen der Holzkirche und der Feldsteinkirche Mescherin. Erst in der zweiten Julihälfte beginne er daher mit dem Aufbau der Orgel.
Arnold kennt das Instrument seit vielen Jahren, hat er es doch schon mehr als zwölf Mal gestimmt: „Durch die Sonne am Westfenster, gleich hinter der Orgel, war es oft schlimm: wenn ich hinten fertig war, war es vorne schon wieder anders, denn die Kirche war manchmal ein Backofen.“ Das wird nun in der mittelalterlichen Feldsteinkirche von Mescherin ganz anders sein und die Sonne nicht mehr so ein Problem, sagt der Orgelbauer.

Ihren letzten großen Auftritt hatte die Ahrenshooper Schuke-Orgel einen Tag vor dem Abbau in einem bewegenden Abschiedsgottesdienst in dem der „Empfängerpastor“ Warnkross die Predigt hielt und wo Kantor Debrow seine künftige Orgel im Verbund mit der im Januar 2013 eingeweihten Wegscheider-Orgel spielte.

Zur Orgelweihe in Mescherin am 4. August um 14 Uhr wird auch der Prerower Pastor Reinhard Witte kommen und die Predigt halten und seiner alten Orgel Adieu sagen. Witte meinte scherzhaft im Abschiedsgottesdienst als die beide Orgeln gespielt haben und es so gut geklungen habe: „Wir sollten uns das vielleicht doch noch mal überlegen, die Schuke-Orgel abzugeben...“

In Mescherin wird die „Königin der Instrumente“, wie die Orgel auch genannt wird, wieder so gebraucht, wie bisher: zu Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. Das war der Hauptgrund, dass entschieden wurde, die Orgel dorthin abzugeben, denn es gab mehrere Bewerbungen für das Instrument.
Die Orgel wurde nicht verkauft, sondern umsonst abgegeben. Die Empfängergemeinde hat allerdings Abbau und Transport sowie die Wiederherstellung des Geländers der Empore in Ahrenshoop zu tragen. Pastor Witte begründet das einleuchtend: „Wir sind beschenkt mit der neuen Orgel durch viele Spenderinnen und Spender und daher geben wir sie auch umsonst der Gemeinde Mescherin.“

Dort wird sie eine große Zukunft haben, denn ihre Aufgabe ist nicht nur das Spiel im Gottesdienst sondern auch bei Konzerten, liegt Mescherin doch am Oder-Neiße-Radweg und sie gehört dann zu der 2010 gegründeten Orgelakademie-Uckermark-Westpommern. Ziel ist, die vielen Orgeln in der Uckermark und im polnischen Westpommern zu neuem Leben zu erwecken, denn viele werden kaum gespielt. So sollen durch die Akademie ehrenamtliche Organistinnen und Organisten ausgebildet werden – und der neuen Orgel in Mescherin wird dabei eine wichtige Rolle zukommen.

Pastor Warnkross war beim Abbau noch ganz erfüllt von der fröhlichen Atmosphäre und der Zusammenarbeit aller Beteiligten beim Abschiedsgottesdienst und meinte, „das war einer der bewegendsten Gottesdienste meiner Amtszeit.“